Medienrecht: Wann darf ein Lichtbild zitiert ...
 
Medienrecht

Wann darf ein Lichtbild zitiert werden?

LGP / HORIZONT

In der journalistischen Praxis stellt sich oft die Frage, ob ein von einem Dritten hergestelltes Lichtbild ohne dessen Zustimmung in der Berichterstattung gezeigt werden darf. Welche freie Werknutzungen (Nutzungen ohne Zustimmung) ein Fotograf dulden muss, beantwortet das Urheberrecht. Ein von einem Dritten hergestelltes Lichtbild darf ohne dessen Zustimmung zunächst dann veröffentlicht werden, wenn es bei der Veröffentlichung nur „unwesentliches Beiwerk“ ist. 

Die Kriterien des Gesetzes und der
Rechtsprechung dafür sind aber sehr streng. Eine solche Nutzung ist nur zulässig, wenn das Lichtbild „zufällig oder beiläufig ohne Bezug zum eigentlichen Gegenstand der Verwertungshandlung genutzt wird“. Dies ist etwa der Fall, wenn in einer TV-Reportage im Hintergrund auf einem Bücherregal ein Lichtbild steht, ohne dass die Kamera länger darauf verweilt. Wenn das Lichtbild nicht nur unwesentliches Beiwerk ist, ist urheberrechtlich zu fragen, ob ein zulässiges Bildzitat vorliegt. Auch hier ist die Rechtsprechung restriktiv. Wenn das von einem Dritten hergestellte Lichtbild ohne dessen Zustimmung nur zur Illustrierung eines Berichts, etwa über einen Mordfall, verwendet wird, ohne dass eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bild erfolgt, liegt keine zulässige freie Werknutzung vor. In diesem Fall kann der Hersteller des Lichtbilds Unterlassungs-, Entgelts- und Schadenersatzansprüche geltend machen. 

Die Rechtsprechung meint in solchen Fällen, dass die bloße Befriedigung von Neugierde oder Sensationslust nicht das finanzielle Interesse des Fotografen, die Verwendung seines Lichtbildes abgegolten zu bekommen, überwiegt. Gegen die Untersagung einer solchen Nutzung eines Lichtbildes zur „bloßen Illustrierung“ spricht auch nicht die Meinungsfreiheitsäußerung. Diese rechtfertigt ein „Bildzitat“ nur, wenn im Bericht eine erkennbare geistige Auseinandersetzung mit dem übernommenen Werk (Lichtbild) erfolgt. Nach der Rechtsprechung ist bei einem Bildzitat auch zu fragen, ob nicht der Zitatzweck auch anders erreicht hätte werden können, etwa durch Einholung einer Zustimmung des Fotografen oder durch die Schilderung des Bildinhalts mit eigenen Worten. 

Da die Voraus
setzungen für ein Bildzitat somit sehr streng sind, sollte im Zweifel versucht werden, die Zustimmung des Rechteinhabers einzuholen. Wenn das nicht möglich ist, muss genau abgewogen werden, ob die rechtlichen Voraussetzungen einer freien Werknutzung tatsächlich vorliegen. Ein vom Fotografen angestrengtes Verfahren kann nämlich teuer und aufwendig werden.
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