Medienpräsenz: Corona mit stärkster medialer ...
 
Medienpräsenz

Corona mit stärkster medialer Verbreitung aller Krisen

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Harte Zeitung für Zeitungen und Magazine: Im März sind die Anzeigenvolumen eingebrochen.
Harte Zeitung für Zeitungen und Magazine: Im März sind die Anzeigenvolumen eingebrochen.

Die Coronakrise verbuchte 2020 mehr als doppelt so viele Beiträge wie das Flüchtlingsthema 2015 und erlangte die fünffache Beitragsmenge der Finanzkrise 2008.

Selten zuvor hat eine Ausnahmesituation so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie aktuell die Coronakrise. Alleine in österreichischen Tageszeitungen sind seit dem Bekanntwerden der Erkrankung in China etwa 77.000 Beträge veröffentlicht worden, die sich mit der Pandemie auseinandersetzen. Diese ist damit die medial präsenteste Krise der vergangenen 15 Jahre.


APA-Comm, der Medienbeobachtungs- und Analyse-Spezialist der APA – Austria Presse Agentur, hat die Medienpräsenz von Finanz-, Flüchtlings- und Coronakrise über einen Zeitraum von fünf Monaten seit dem jeweiligen Beginn der Ausnahmesituationen miteinander verglichen. Analysiert wurde dafür die Berichterstattung von 15 österreichischen Tageszeitungen.

Fünf mal so häufig

In den jeweils analysierten fünf Monaten in den Jahren 2008, 2015 und 2020 verzeichnete die Finanzkrise 13.914 Beiträge, die Flüchtlingskrise 36.841 und die Coronakrise 76.984. COVID-19 ist damit mehr als fünfmal so häufig in den heimischen Zeitungen präsent, als es die Finanzkrise zwölf Jahre zuvor war und mehr als doppelt so stark wie das Flüchtlingsthema vor fünf Jahren.
APA-Comm


Anfang des Jahres 2020 finden sich in heimischen Tageszeitungen bereits einzelne Beiträge über eine Lungenkrankheit, die sich in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan verbreitet. Am vorläufigen Höhepunkt der Coronakrise werden in einer Woche insgesamt 6.804 Beiträge veröffentlicht. Zum Vergleich: In jener Woche, in der am Höhepunkt der Finanzkrise 2008 die Investmentbank Lehmann Brothers endgültig in die Pleite schlitterte, fanden sich dazu 1.353 Beiträge in den österreichischen Tageszeitungen.

Drei Phasen der Krise

Die Meldungsmenge in der Coronakrise wuchs laut Analyse in drei Schritten, die zeitlich mit den Ausbrüchen in China, Norditalien und Österreich zusammenfallen. Während der ersten Phase, als die Lungenkrankheit nur im fernen Osten lokalisiert wurde, verbuchte das Corona-Thema bis zu 750 Beiträge pro Woche – für ein Ereignis in 10.000 Kilometer Entfernung ein hoher Wert. Mit dem Ausbruch in Norditalien verdreifachte sich das Aufkommen schlagartig auf über 2.400 Beiträge. Einen ähnlich hohen Wochenwert (2.674 Beiträge) verbuchte das Flüchtlingsthema 2015 auf dessen Höhepunkt der medialen Präsenz.

Mit den ersten COVID-19-Fällen in Österreich explodierten die Zahlen. In den ersten beiden Wochen des sogenannten Lockdown wurden mehr Beiträge zu Corona veröffentlicht als zur Finanzkrise in fünf Monaten. Allein am Freitag den 27. März, dem Tag mit dem bisher höchsten Beitragsaufkommen, zählte APA-Comm 1.155 Beiträge zur Coronakrise.

Leichter Rückgang

Seit dem Überschreiten dieses Höhepunkts ist ein leichter Rückgang der Berichterstattung zu erkennen. Manuel Kerzner, Medienanalyst bei APA-Comm, erläutert: „Nach Rückgängen im April stabilisiert sich der Output auf einem hohen Niveau. Im Vergleich zu vorhergehenden Krisen fällt das Abflauen der Berichterstattung merklich schwächer aus.“ Die Analyse zeigt, dass neun Wochen nach Überschreiten des Höhepunkts sowohl 2015 bei der Flüchtlingskrise als auch 2008 bei der Finanzkrise das Beitragsaufkommen auf rund 60 Prozent der Höchstwerte zurückgegangen ist. In der Coronakrise liegt dieser Wert bei über 78 Prozent.

Corona ist auch in den Überschriften überdurchschnittlich präsent. Mit mehr als 11.000 Titelerwähnungen belegt die aktuelle Krise überlegen den ersten Platz. Anteilig zur Berichterstattung insgesamt ist die Flüchtlingskrise noch stärker in den Titelzeilen vertreten. Knapp ein Viertel aller Beiträge, die das Flüchtlingsthema erwähnten, nannten dieses auch im Titel beim Namen. Für Corona liegt dieser Wert bei rund 15 Prozent, für die Finanzkrise bei nur acht Prozent.

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