Medienlandschaft im Umbruch
 

Medienlandschaft im Umbruch

Der neue Band der Buchreihe Relation setzt sich mit der Entwicklung der österreichischen Medienlandschaft auseinander.

Die Autoren gehen dabei nicht nur auf die Veränderungen innerhalb der verschiedenen Mediengattungen ein, sondern auch auf die Reaktionen und Strategien von Journalisten, Medienhäusern und Politikern. "Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch" von den Herausgeberinnen Birgit Stark und Melanie Magin wurde am Dienstagabend in Wien präsentiert.

Für das Buch haben Autoren aus Österreich, aber auch aus Deutschland, Spanien, den Niederlanden und der Schweiz Veränderungsprozesse in den einzelnen Mediengattungen beleuchtet. Im ersten Teil über die "Presse" ist etwa der 2006 von Wolfgang Fellner neu gegründeten Tageszeitung "Österreich" ein eigener Artikel gewidmet, nicht zuletzt handelte es sich um die erste Tageszeitungsgründung seit 14 Jahren. Mittels einer Inhaltsanalyse wird untersucht, inwieweit es gelungen ist, Fellners Pläne umzusetzen. Ebenfalls herausgearbeitet werden der Einfluss von Gratiszeitungen auf den Medienmarkt sowie die Geschäftsmodelle lokaler Wochenzeitungen.

Ein Beitrag von Patrick Segalla zeichnet die Entwicklung der österreichischen Rundfunkgesetzgebung in 15 Jahren der Liberalisierung nach, bietet aber auch einen Ausblick auf absehbare Entwicklungen und zukünftige Herausforderungen. "Die Kosten der Programmproduktion steigen, während Werbeeinnahmen unter dem Druck der Konkurrenz durch andere Medienplattformen und der voraussichtlichen Nutzung des Mediums Rundfunk (insbesondere Fernsehen) rückläufig sind", schreibt er. Der Autor weist aber darauf hin, dass man durch eine Aufstockung der Finanzierung des ORF etwa durch eine Liberalisierung der für ihn geltenden Werberegelungen Gefahr laufe, Privatrundfunkveranstaltern notwendige Einnahmen zu entziehen. Werbeeinnahmen müssten künftig aufgrund der medialen Entwicklung mit einer zunehmenden Zahl anderer - vor allem Online - Akteuren geteilt werden, so Segalla.

Die Herausgeberin Birgit Stark setzt sich in ihrem Artikel "Soziale Ungleichheit im Internetzeitalter" mit der Entwicklung der Internetnutzung von 1999 bis 2007 auseinander. Mediale Informationsverbreitung trage demnach nicht zwangsläufig dazu bei, dass sich das Wissen innerhalb der Bevölkerung angleicht. Es sei eher das Gegenteil der Fall, vorhandene Wissensdifferenzen würden verstärkt - Stichwort "Digitale Spaltung". Sie befürchtet, dass sich die sozialen Ungleichheiten bei der Internetverfügbarkeit und -nutzung noch verfestigen werden. Ein weiterer Beitrag von Julia Wippersberg widmet sich dem mobilen Fernsehen.

Zum Journalismus selbst liefert das Werk einiges an Datenmaterial. Lag etwa der Frauenanteil unter den Journalisten Anfang der 80er Jahre bei 16 Prozent, stieg er bis 2007 auf rund 32 Prozent. Die Zahl der freiberuflich Tätigen habe sich laut den Autoren in den letzten 40 Jahren beträchtlich erhöht. 1968 waren noch gut drei Viertel aller gewerkschaflich organisierten Journalisten eindeutig in einem Angestelltenverhältnis tätig. Im Jahr 2007 seien dies nur mehr etwas über 40 Prozent. Neben den Mediengattungen Print, Rundfunk und Internet sowie dem Journalismus ist auch der Medienpolitik ein Kapitel gewidmet.

Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch, Birgit Stark, Melanie Magin (Hg.), Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ISBN 978-3-7001-6614-6, 360 Seiten, 2009, 23,60 Euro.

(Quelle: APA)
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