Mediengipfel Lech: Caruana Galizia - Ein Name...
 
Mediengipfel Lech

Caruana Galizia - Ein Name als Mahnung

Screenshot Youtube
Matthew Caruana Galizia führt die Arbeit seiner Mutter fort
Matthew Caruana Galizia führt die Arbeit seiner Mutter fort

Vor fünf Jahren erschütterte der Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia die Welt. Beim 14. Europäischen Mediengipfel in Lech sprach ihr Sohn Matthew über das Vermächtnis seiner Mutter und Strategien der Einschüchterung bei investigativen Recherchen.

Es ist ein Nachname, der sich in den vergangenen Jahren in die Welt des europäischen Journalismus eingebrannt hat wie kaum ein anderer: Caruana Galizia. Er erzählt seine ganz eigene Geschichte. Als am Nachmittag des 16. Oktober 2017 auf Malta eine Bombe unter einem Autositz explodierte, änderte sich für die Familie alles: Daphne, 53 Jahre alt, starb an Ort und Stelle. Der Grund: Sie hat ihre Arbeit gemacht. Daphne Caruana Galizia war maltesische Investigativjournalistin. Sie wurde ermordet, weil sie Korruption und Geldwäsche in der Politik aufdeckte. Auf der Mittelmeerinsel war sie für ihre Recherchen gefürchtet. Ihr Sohn Matthew, selbst Journalist, führt nun ihre Arbeit fort. Für ihn wurde sie dafür ermordet, weil sie ihren Job richtig und mit Leidenschaft ausgeübt habe. "Je besser du diesen Job machst, desto mehr wirst du verfolgt werden", sagt er im Gespräch beim 14. Europäischen Mediengipfel.

Er kritisiert die schwierigen Bedingungen für investigative Reporterinnen und Reporter in Europa. In den vergangenen Jahren hätte vor allem die juristische Verfolgung große Hindernisse in den Weg gelegt. "Zum Zeitpunkt ihrer Ermordung kämpfte meine Mutter gegen 46 Klagen", spricht er die unerträglichen Zustände in ihrer Arbeit an. Sie raubten schlichtweg Zeit und Energie, diese Hürden zu überwinden. Matthew Caruana Galizia spricht dabei über sogenannte SLAPP-Klagen. Der englische Begriff steht für "Strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung". Mit ihnen versuchten Amtsträger und Behörden, kritischen Journalisten Steine in den Weg zu legen. Nun werden sie gegen ihn und seine Familie weitergeführt.

Welle der Solidarität

Der Kampf gegen mafiöse Strukturen und Korruption werde so gleichsam zum Kampf gegen Windmühlen. Noch dazu, weil seine Mutter weitgehend allein war. Sie sei zwar über 30 Jahre im Journalismus tätig gewesen und habe gute Quellen und Informanten gehabt. "Sie war aber sehr isoliert und musste eigenständig arbeiten." Der Versuch, mit dem Attentat kritische Berichterstattung mundtot zu machen, schlug jedoch fehl. Denn neben politischen Rücktritten löste es auch eine Welle der Solidarität aus. In der Branche verstärkte sich der Drang zu Kooperationen. Gemeinsame Rechercheprojekte wurden zum neuen Standard. Beispielsweise konnte er im International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) viele Verbündete finden. Matthew Caruana Galizia war etwa in die gemeinsamen Recherchen zu den Panama Papers involviert. Er und andere erhielten dafür den Pulitzer Preis.

Appell

Mit dem von ihm mitbegründeten "Daphne Project" hält er die Erinnerung an seine Mutter wach. Er spürt aber auch eine große Last auf seinen Schultern: "Die Leute zählen auf uns, sie sehen Daphnes Vermächtnis als eine Chance. Wenn wir nicht erfolgreich sind, würde das viele entmutigen. Der Kampf um Gerechtigkeit inspiriert die Menschen." Letztlich erzählt er damit nicht nur ihre Geschichte weiter, sondern er setzt viel grundlegender an: "Es geht nicht nur um den Journalismus, sondern um unsere Demokratien als Ganzes". Fünf Jahre nach ihrem Mord bleibt der Name von Daphne Caruana Galizia eine Mahnung für die Mediengesellschaften des 21. Jahrhunderts.
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