Mediengipfel 2022: APA-Vorstand Pig: Europäis...
 
Mediengipfel 2022

APA-Vorstand Pig: Europäische Nachrichtenagenturen unter Druck

Florian Lechner
APA-Geschäftsführer Clemens Pig beim Europäischen Mediengipfel
APA-Geschäftsführer Clemens Pig beim Europäischen Mediengipfel

Der Wettbewerb zwischen unabhängigen Nachrichtenagenturen und Staatsagenturen wird zunehmend härter. Dies berichtete APA-Geschäftsführer Clemens Pig beim Europäischen Mediengipfel in Lech am Arlberg.

Der "Club der Unabhängigen" reagiere auf diese Herausforderung mit mehr Kooperationen bei Digital-Plattformen, Innovationen und redaktionellen Formaten wie Faktenchecks, so Pig, der derzeit auch Präsident der europäischen Agentur-Allianz EANA ist. Staatliche Nachrichtenagenturen wie die chinesische Xinhua oder die türkische Anadolu produzierten inzwischen in zwölf Weltsprachen. Xinhua habe mit rund 13.000 Mitarbeitern doppelt so viele Leute wie alle europäischen Nachrichtenagenturen zusammen. Pig sprach von einer "Professionalisierung von staatlichen Nachrichtenagenturen".

Staatsagenturen wollen demnach regierungsgesteuerte Nachrichten weltweit ausliefern, um Lufthoheit über die globalen Nachrichtenströme zu erlangen. Sie dienten zunehmend als Instrument der Soft-Power. Die Antwort der unabhängigen Nachrichtenagenturen auf diese Entwicklung sei eine Vertiefung der Zusammenarbeit und die wirtschaftliche Absicherung durch Diversifizierung und Digitalisierung. Demnächst startet etwa ein gemeinsamer EU-Newsroom von 15 europäischen Nachrichtenagenturen in Brüssel. Leitbild aller Aktivitäten: "Redaktionelle Unabhängigkeit durch wirtschaftliche Stärke." Liberale Demokratien brauchen laut Pig unabhängige Nachrichtenagenturen. Erster Schritt auf dem Weg zu autokratischen und diktatorischen Gesellschaften sei hingegen die Ausschaltung von freien Medien und Nachrichtenagenturen.

Vertrauenswürdiger Journalismus

Für Nachrichtenagenturen besonders herausfordernd sei der aktuelle "War on Information" rund um die brutale militärische Invasion Russlands in der Ukraine. Diese werde von einem Krieg der Propaganda und medialen Desinformation begleitet. Seriöse Medien könnten dem nur mit glaubwürdigem und vertrauenswürdigem Journalismus begegnen. Die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform erhält von der EANA derzeit viel Unterstützung. Finanzielle Mittel für Kommunikationssysteme sowie redaktionelle Dienste werden der Ukrinform entgeltfrei zur Verfügung gestellt. "Dies soll dabei helfen, die ukrainische Öffentlichkeit trotz der eingeschränkten Ressourcen ausgewogen und zuverlässig informieren zu können."
 
Pig: Wettbewerb zwischen "Club der Unabhängigen" und Staatsagenturen wird härter
Florian Lechner
Pig: Wettbewerb zwischen "Club der Unabhängigen" und Staatsagenturen wird härter
Die Arbeitsbedingungen für ukrainische Journalisten nannte Pig erschütternd. "Journalistisches Arbeiten erfolgt bei Luftalarm aus U-Bahn-Schächten, die Kolleginnen und Kollegen verstecken sich in privaten Appartements, zu manchen hat die Agentur-Leitung über Tage keinen Kontakt. Es gibt keine oder zu wenig Schutzwesten. Das alles ist sehr bedrückend." Die russischen Staatsagentur TASS wurde unterdessen von der EANA suspendiert. Bei einer Generalversammlung im Mai könnte es zum Ausschluss der Staatsagentur kommen, die ihre Propaganda seit Kriegsbeginn aufgrund der gesetzlichen Vorgaben noch einmal verstärkt hatte. "Die Suspendierung einer Nachrichtenagentur ist in der Geschichte der EANA einmalig", so Pig. Die TASS galt immer schon als staatliches Sprachrohr, der englische Dienst hatte aber traditionell ausgewogener und offener berichtet. Mit den neuen russischen Mediengesetzen war dies jedoch Geschichte.

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