Russland: Medienexperte: Verbot von 'Russia T...
 
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Medienexperte: Verbot von 'Russia Today' ist kontraproduktiv

APA/AFP
Archivbild von RT-Programm
Archivbild von RT-Programm

Der britische Medienexperte Stephen Hutchings hält wenig von einem Verbot des Kreml-treuen russischen Senders RT, wie es die EU angekündigt hat.

"Das Verbot scheint mir eher eine symbolische Geste zu sein; es wird wahrscheinlich keine große Wirkung haben", betonte der Professor für Russischstudien an der Universität Manchester am Montag gegenüber Journalisten. "Es könnte sogar eher kontraproduktiv sein." Das Verbot von RT, das früher "Russia Today" hieß, diene bloß der "russischen Erzählung" über westliche Scheinheiligkeit, wonach westliche Medien Dinge ausblenden, die sie nicht hören wollten.

Hutchings, der mit seinem Team kürzlich eine umfassende Studie über "die Rolle von RT bei der Darstellung Russlands für das internationale Publikum" abgeschlossen hat, erwartet auch Gegenmaßnahmen. "Es würde mich sehr überraschen, wenn ein Verbot von RT in Europa und vielleicht auch in Großbritannien nicht zu einem entsprechenden Verbot der BBC" und anderer Medien in Russland führen werde, wie es schon bei der Deutschen Welle der Fall war.

"Das ist nicht gut", sagte der Experte in einem von forum journalismus und medien wien (fjum), Erste Stiftung und Presseclub Concordia veranstalteten Online-Gespräch. "Das bedeutet, dass die Gegendarstellung, die Botschaft, die wir den einfachen Russen vermitteln wollen, ihnen verwehrt wird." Auch erwartet Hutchings, dass westliche Journalisten betroffen sein könnten und nicht mehr aus Russland berichten dürften.

Freilich, RT sei ein Instrument des russischen Verteidigungsministeriums im sogenannten Informationskrieg. Insofern, so Hutchings, könne das Medium als eine Bedrohung für die Sicherheit gesehen werden. Aber, er fügt hinzu: "Anstatt zu sagen, dass wir nicht hören wollen, was die andere Seite sagt, weil es Propaganda und Desinformation ist, ist es viel besser zu hören, was die Desinformation ist, und in der Lage zu sein, sie anzufechten, anstatt Angst davor zu haben und zu zeigen, dass man sie verstecken will." Es sei besser, die Desinformation zu dechiffrieren und aufzuzeigen, was sie ist.

Trotz der "großen Präsenz in der internationalen Rundfunkarena" mit rund 22 Büros weltweit mit rund 1.000 Journalisten sei der Einfluss von RT im Westen überschaubar. Die Zuschauerzahlen der Fernsehsender in der westlichen Welt bezeichnete Hutchings als "bescheiden". Nur bei RT spanisch und arabisch seien die Zahlen besser. Erfolgreicher als die Sender agiere RT in den sozialen Netzwerken, die Website könne potenziell 700.000 Menschen erreichen. Praktisch seien es aber viel weniger. Auf Twitter habe RT 2 Millionen Follower und auf Instagram zeige sich ein rasche Wachstum. Der Youtube-Kanal habe rund 4,5 Milliarden Seher. Youtube hatte allerdings am Sonntag mitgeteilt, RT auf der Videoplattform, einschließlich mehrerer russischer Kanäle, spürbar einzuschränken.

Ebenso hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Sonntag erläutert, die russischen Staatsmedien RT und Sputnik in der EU zu verbieten, um die "giftige und schädliche Desinformationen in Europa" zu untersagen. Deutschland hatte RT bereits Anfang Februar die Sendelizenz verweigert. Russland schloss daraufhin als Vergeltung das Büro der Deutschen Welle in Moskau. Auch der österreichische Mobilfunk- und Internet-Anbieter Magenta Telekom, eine Tochter der Deutschen Telekom, setzte die Verbreitung von RT am Sonntag auf allen Magenta TV Plattformen "bis auf weiteres" aus. Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) begrüßte die Entscheidung.
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