Medienanalyse: Kampagne gegen Biden-Sohn verp...
 
Medienanalyse

Kampagne gegen Biden-Sohn verpuffte vor der Wahl

APA/AFP
 Trump dominierten die Berichterstattung im Wahlkampf - nicht immer zu seinen Vorteil.
Trump dominierten die Berichterstattung im Wahlkampf - nicht immer zu seinen Vorteil.

Pressrelations untersuchte in Kooperation mit Fraunhofer-Institut und Newsguard Beiträge ausgewählter Medien vor der US-Wahl. Das Ergebnis: Trump dominierte die Berichterstattung - allerdings selten zu seinem Vorteil.

 Dass starke Medienpräsenz nicht unbedingt zum Sieg führen muss, zeigte sich im diesjährigen US-Präsidentschaftswahlkampf. Denn Donald Trump dominierte die Berichterstattung in den Medien - sowohl in den USA als auch im deutschssprachigen Raum. Das zeigte eine Studie von pressrelations in Zusammenarbeit mit dem Frauenhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeit und Ergonomie FKIE und NewsGuard. Mehr als 50 Millionen Beiträge zur US-Präsidentschaftswahl in US- und DACH-Medien (von August bis November) wurden untersucht, 42.000 davon qualitativ ausgewertet.


Das Ergebnis: Der Fokus der Medienaufmerksamkeit lag eindeutig auf Trump, der in den analysierten Medien 43 Prozent mehr Berichterstattung genierte als Joe Biden, in Medien der DACH-Region sogar 60 Prozent.

Das war nicht unbedingt positiv für Trump: Insgesamt war die durchschnittliche Tonalität im Erhebungszeitraum für beide Kandidaten negativ: Donald Trump wurde etwas negativer (-0,12) als Joe Biden (-0,09) bewertet. Bei Trump zeigte sich jedoch, dass je höher der Anteil an vertrauenswürdiger Medien, desto negativer die durchschnittliche Tonalität.

Konträr dazu verhielt sich die Tonalität und NewsGuard-Score (NG-Score) bei Biden: Je niedriger der NG-Score, desto negativer war die durchschnittliche Tonalität. Der NewsGuard-Score ist ein Bewertungssystem für Nachrichtenseiten im Netz. Medien werden dafür von ausgebildeten JournalistInnen nach neun Glaubwürdigkeits- und Transparenzkriterien analysiert und nach einem Punktesystem bewertet.

Polarisierung

Der US-Wahlkampf 2020 offenbarte auch eine starke Polarisierung der US-Medienlandschaft. Konservative und liberale Medien berichteten verstärkt negativ über den jeweiligen "Gegenkandidaten".

Die Tonalität der TV-Sender zu den Kandidaten verlief entgegengesetzt: Während der rechte Kabelsender Fox News neutral über Trump und dezidiert negativ über Biden berichtete, war der Tenor bei CNN und ARD negativ gegenüber Trump und positiv gegenüber Biden. Bei den Online-Medien schafft es mit Breitbart ein von NewsGuard als nicht vertrauenswürdig eingestuftes Medium auf den zweiten Rang nach Beitragsanzahl zu den Kandidaten.

Missglückte Desinformationskampagne

Im Vergleich zum Wahlkampf 2016 zeigen sich deutliche Unterschiede: Damals war ein Großteil der Berichterstattung für beide Kandidaten negativ, orientierte sich jedoch weitestgehend an Donald Trumps Agenda. Bei Hillary Clinton lag der Fokus der Medien in erster Linie auf verschiedenen Skandalen im Zusammenhang mit der Clinton Foundation und ihren E-Mails. Bei Trump ging es hingegen zentral um inhaltliche Fragen, insbesonderedasThema Einwanderung. So sei es Trump 2016 gelungen, so die Studienautoren, wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf seine Kernthemen zu lenken, während sogar die beiden großen liberalen Blätter – Washington Post und New York Times – laufend über Hillary Clintons sogenannte E-Mail-Affäre berichteten.

2020 gelang eine Wiederholung dieser Strategie nicht: Der vermeintliche Skandal um Bidens Sohn Hunter kurz vor der Wahl fand kaum Eingang in etablierte Medien. Im Zentrum der Anschuldigungen stehen Daten von einem defekten Laptop, der einmal Hunter Biden gehört haben soll. Vorwürfe gegen Hunter Biden wurden zunächst in der New York Post, einem rechten Boulevardblatt aus dem Hause des Medientycoon Rupert Murdoch, veröffentlicht.

Allerdings haben sich nach den ersten Enthüllungen (diesmal) hauptsächlich nicht vertrauenswürdige Medien wie Breitbart und The Gateway Pundit an der Geschichte abgearbeitet. Vertrauenswürdige Medien griffen nicht jedes Detail der Hunter-Biden-Story auf. Stattdessen rückten sie mögliche Manipulation und Desinformation in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung.

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