Medien und Investments: So sehen Michael und ...
 

Medien und Investments: So sehen Michael und Gabriel Grabner die Zukunft

DvH Medien, Fotostudio Achert, MGM
Gabriel Grabner (links) und Michael Grabner (rechts).
Gabriel Grabner (links) und Michael Grabner (rechts).

Michael und Gabriel Grabner sprechen mit HORIZONT über bestehende und geplante Investments, die Lage des Medienmarktes und wie sich dieser entwickelt.

Dieser Artikel erschien zuerst in Horizont Nr. 27-28. Hier geht's zum Abo.

"Am Ende siegt journalistische Qualität“, ist sich Michael Grabner sicher, wenngleich er Schwierigkeiten in der Branche ortet. „Deutschsprachige Medienmarken machen eine schwere Transformationsphase durch“, sagt er, aber: „Auch im Medienmarkt gilt unverändert die Frage nach Nutzen und USP.“ Grabner weiß, wovon er spricht. Seit Jahrzehnten ist er im Mediengeschäft tätig und bekleidet stets hohe Ämter. So war er etwa Kurier-Vorstand und Mediaprint-Geschäftsführer sowie seit 2006 Mitglied des Mediaprint-Gesellschafterausschusses. Ihm wurde der Berufstitel Professor verliehen, die Liste seiner renommierten Tätigkeiten ist lang, jene seiner Auszeichnungen ebenso. Er war seit 2009 zudem ständiger operativer Berater der Dieter von Holtzbrinck Mediengruppe, zu der etwa das Handelsblatt, der Tagesspiegel und die Zeit gehören. Seit einem Jahr ist Grabner Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Und: Er investiert als selbstständiger Medienunternehmer. In Projekte, an die er glaubt. Gemeinsam mit Sohn Gabriel und Tochter Zissa führt er „Michael Grabner Media“, das Beteiligungen an mehr als 20 Start-ups hält.

Potenzial bei FinTech und InsureTech

„Zwei der derzeit interessantesten Investments sind wikifolio und Storyclash“, sagt Gabriel Grabner. „In letzteres Unternehmen sowie in entrafin werden wir demnächst zusätzlich investieren, möglicherweise auch bei Compeon.“ Zuletzt habe man auch bei Content Garden erneut investiert. Die Summen liegen dabei meist zwischen 50.000 und 100.000 Euro pro Runde, „auch um das Risiko etwas auszugleichen.“

Aber auch beim Investieren heißt es genau hinschauen. „Die Finanz- und Versicherungsbranche macht derzeit das durch, was die Medienindustrie vor zehn Jahren erlebt hat“, sagt Michael Grabner. „Sie verändert sich völlig.“ Wachstumspotenziale ortet er in den Bereichen FinTech und InsureTech, sowie in Nischenportalen am Massenkonsummarkt. „Von breiten Segmenten im E-Commerce halte ich nicht viel und wüsste auch nicht, wie sich das rechnen soll“, sagt der Medienexperte. „Aber bei ganz schmalen Angeboten kann man gute Spannen erzielen.“

Als Beispiel nennt er die Bestellung eines Fahrradschlauchs. „Da ist es auch egal, ob der nach einem oder drei Tagen kommt.“ Grundsätzlich gilt bei ihren Investments: Es wird nur dort investiert, so Gabriel Grabner, wo man in halbwegs absehbarer Zeit Profit erzielen kann. Viele neue hochfinanzierte Modelle würden meist nur das Ziel verfolgen, teuer übernommen zu werden. Davon halten sie Abstand. „Das wollen und können wir nicht. Weder finanziell noch nervlich.“ Es gehe vielmehr darum, bei bestehenden Investments aufzustocken.

Barriere Sprachraum

Bei Start-ups im Medienbereich gibt sich Gabriel Grabner zurückhaltend. „Das Problem ist die weltweite Verbreitung“, erklärt er. „Aus österreichischer Perspektive konkurriert man mit Medien im gesamten deutschsprachigen Raum – und dieser wiederum konkurriert mit dem englischsprachigen. Die neue Generation ist bereits in beiden Sprachen fluent.“ Solange Paid Content im deutschsprachigen Raum nicht einigermaßen angenommen würde, gebe es für Verlage nur eine Chance: neue attraktive Produkte für Werbekunden anzubieten. Er meint damit etwa Veranstaltungsreihen oder spezielle Datenbanken mit Unique Content.

Deshalb screenen die Grabners im Medienbereich nicht die rein inhaltsgetriebenen Unternehmen, sondern beobachten eher Randthemen. „Storyclash etwa bietet einen Service für Verlage, Content Garten versucht die TKP-Preise nach oben zu treiben, pagestrip.com bietet eine effektive Software um qualitativ hochwertige Inhalte online zu bringen“, zählt Gabriel Grabner Beispiele auf. Denn: Für rein journalistische Projekte könne derzeit nur ein nicht auf Rendite achtender Investor in Frage kommen.

Warum ist das so? Michael Grabner sieht das Hauptproblem der Medienbranche im Bezahlmodell. „Es ist TKP- oder CPC-basiert – da kommt ein neues Start-up nicht mal annähernd in eine kritische Masse um qualifizierte Mitarbeiter zu bezahlen.“ Für die Medienlandschaft allgemein glaubt er an große Veränderungen: „Von den klassischen Qualitätsmedien werden wenige große Marken übrig bleiben. Jene, die ordentliche Berichterstattung machen, werden gestärkt, aber sie müssen alle vier Formen beherrschen: Print, Online, Mobile und Social Media. Abgesehen davon haben Regionalmedien gute Chancen, denn ihr Content ist unique.“

Mediale Zweiklassengesellschaft

Hinzu kommt der finanzielle Aspsekt. Grabner vergleicht die Lage mit dem Markt der Krankenzusatzversicherung. „Konsumiert man heute eine überregionale Zeitung, eine regionale Zeitung, ein paar Magazine und einen Pay-TV-Sender, so braucht man für dieses Paket etwa 2.000 Euro pro Jahr. Zusätzlich benötigt man Zeit für den Medienkonsum und etwas Bildung um diese Inhalte zu verstehen.“ Da werde es, so Grabner, zu einem Auseinanderklaffen kommen. „Wir steuern auf eine mediale Zweiklassengesellschaft zu. Gratis-Einfach-News – ohne das abzuwerten – versus Elite-Qualitäts-Nachrichten. In Deutschland gibt es in den großen Städten – mit Ausnahme Berlin – ein bis zwei Zeitungen. In Wien haben wir sieben.“

Und trotzdem: Es reizt Grabner, selbst ein qualitatives digitales Medienprojekt zu stemmen, kommt er doch aus der Medienbranche und ist darin tief verwurzelt. Aber: „Ich sehe derzeit kaum eine Finanzierungschance.“ Das gelte auch für Deutschland. „Die bestehenden Marken funktionieren, aber neue Modelle eher nicht.“ Auch die Kopien der amerikanischen neuen Medienprojekte würden in den kleinen europäischen Sprach- und Kulturräumen nicht funktionieren.

Dennoch glaubt er an die Kraft der Medien – wenn sie denn richtig gemacht werden. „Der Legende nach“, erzählt Grabner, „soll Senior Hans Dichand in der Früh nicht gefragt haben, welche Meldungen die Presseagentur geschickt hat.“ Die Frage war, was die Leute interessiert. „Das könnte das Geheimnis des Erfolgs gewesen sein.“
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