Medien und Integration
 

Medien und Integration

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Medientage: Diskussion über die Charta des Zusammenlebens und der Vielfalt. Monika Raschhofer und Christoph Feurstein erhalten Journalistenpreis für Integration.

Mit der "Charta des Zusammenlebens" wird aktuell an einem Übereinkommen gearbeitet, das neue Formen und Regeln des gemeinsamen Zusammenlebens hervorbringen soll. Im November soll die Charta bereits abgeschlossen sein und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Über den Umgang mit kommenden Migrationsflüssen, Reaktionen der Gesellschaft und die Rolle der Medien diskutierten unter der Moderation von Wolfgang Ainetter (News), Sandra Frauenberger (Wiener Stadträtin für Integration), Simon Inou (M-Media), Brigitte Jank (Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien), Georg Kraft-Kinz (Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien), Thomas Kralinger (Kurier), Sebastian Kurz (Staatssekretär für Integration), Günther Ofner (Flughafen Wien) und Kathrin Zechner (ORF).

Dialog anregen

Günther Ofner: "Es ist eine Tatsache, dass 2,2 Millionen Passagiere nicht geräuschlos nach Wien kommen können. Zwischen 2000-2005 wurde das europaweite Mediationsverfahren im Zuge des Umbaus durchgeführt. Das Ergebnis ist ein zivilrechtlicher Vertrag, der den Umgang zwischen allen Partner regelt, der weitaus strenger, aber fairer ist, als es politisch je möglich wäre."

"Ich glaube in der Diskussion ist das Wichtigste die Augenhöhe und Waffengleichheit. Es wird jede einzelne Entscheidung im Vorfeld diskutiert und die Barrieren sind oft gedachte."

Selbstverständichkeit

Brigitte Jank: "Im Wirtschaftsleben wird die Vielfalt eigentlich aus der Selbstverständlichkeit heraus gelebt. Aber damit dies möglich ist, muss genau hingesehen werden und der Unternehmensfokus auf die Individualität des Einzelnen gelegt werden."

"Ich persönlich wünsche mir, dass wir sorgfältiger miteinander umgehen. Ich habe den Eindruck, dass wir zurzeit weniger Wert auf ein ordentliches Miteinander legen. Man sucht zuerst immer das Gegnerische anstatt das Verbindende, deshalb sind solche Ansätze auch notwendig."

Versachlichung der Debatte

Sebastian Kurz: "Integration passiert nicht durch Zufall. Wir erwarten von den Medien, dass sie nichts verheimlichen und die Vielfalt der Integration so auch abbilden und nicht in Schwarz-Weiss-Malerein hineinkippen."

"Es wird sachlicher in den Medien über Integration berichtet und der Journalistenpreis für Integration kann ein weiterer Anstoss sein, dass Journalisten dies auch zukünftig tun."

"Die Verkrampftheit schadet oft dem Thema."

Der Bruch

Sandra Frauenberger: "Es geht bei der Wiener Charta ganz viel um Mut und Vision und es geht ums Dialogisieren. Es geht darum mit 'dir' und 'mir' zu brechen und darum ein 'wir' zu erarbeiten. Integrationspolitisch geht es in diesem Sinne darum, dass wir Menschen auch tatsächlich einschließen. Integration anstatt Exklusion."

Migrationsseiten

Simon Inou: "Integrationsseiten in den Tageszeitungen sind derzeit die beste Möglichkeit Integration in Mainstream Medien und regelmäßig medial darzustellen. Ich fürchte wir werden sie noch länger in Österreich brauchen. Davon profitieren viele Talente." Und: "Wir müssen eigentlich die Inhalte der Schulbücher verändern, damit wir morgen oder übermorgen eine respektvolle Gesellschaft haben." "Ab dem Zeitpunkt, wo es um Meinungsfreiheit geht, ist es zu entscheiden, dass ein solcher Dialog, eine solche Initiative auf Augenhöhe zusammenfindet." - begrüßt er die Charta.

Konkrete Projekte

Georg Kraft-Kinz: "Ich glaube, es braucht den Dialog, wie eine Charta, aber auch konkrete Projekte, wie jenes von Coca-Cola und dem Redewettbewerb Sax Multi sowie dem Künstler Christian Attersee." Und: "Wir dürfen dieses Thema nicht lustlos behandeln. Das Wort Integration, so fängt es schon an - wer will denn auch schon integriert werden? In der Wirklichkeit ist es ein buntes, heiteres und sozial ernsthaftes Thema."

Die Rolle des ORF

Kathrin Zechner: "Wir diskutieren immer auf einer sehr sachlichen Ebene aber nie mit den Leuten auf einer persönlichen."

Zechner stimmt Inou zu: "Es kann nicht nur eine Fachredaktion geben, sondern die Thematik muss in alle Redaktionen hineingetragen werden. Die gelebte Integration soll nicht nur am Bildschirm stattfinden."

Eigene Charta

Thomas Kralinger: "Unsere Charta steht bereits in der Blattlinie. Alle unsere Redakteure und Mitarbeiter verpflichten sich im Vorhinein zu Toleranz und Religions- und Meinungsfreiheit."

Journalistenpreis für Integration

Zum ersten Mal wurde im Rahmen der Medientage auch der mit 10.000 Euro dotierte Journalistenpreis für Integration vergeben. Mit dem Medienpreis werden Journalisten ausgezeichnet, die besonders und nachhaltig zur Debatte im Integrationsbereich beigetragen haben. Aus den 71 eingereichten Arbeiten in den vier Kategorien Print, Online, TV und Radio wählte eine zehnköpfige Jury zwei erste Preise aus.

Monika Raschhofer von den "Oberösterreichischen Nachrichten" gewann den Preis in Online/ Print und Christoph Feurstein von "ORF Thema" erhielt diesen in Radio/TV.
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