Medien in Niederösterreich: ‚Konkurrenz beleb...
 

Medien in Niederösterreich: ‚Konkurrenz belebt das Geschäft‘

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Der Kurier fokussiert mit einem neuen Wochenmagazin und eigenen TV-Inhalten den niederösterreichischen Markt. Was bedeutet das für die etablierten Player?

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 4/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Niederösterreich zählt für den Kurier zu den wichtigsten Kernmärkten. Das Blatt ist dort mit einer Reichweite von 14,4 Prozent und 205.000 Lesern die Nummer drei unter den Tageszeitungen. Vor einigen Monaten startete die Mediaprint- Tochter eine Regional-Offensive im Bundesland und drängt seither mit zusätzlichen Angeboten auf den Markt. Neben der Tageszeitung erscheint wöchentlich ein Niederösterreich- Magazin, zudem ist das Bundesland eines der Kerngebiete des hauseigenen Senders Schau TV. Welche Erwartungen stecken hinter dieser Offensive und wie sehr spürt der Mitbewerb die neue Konkurrenz?

„Niederösterreich ist für den Kurier nicht nur einer der wichtigsten Kernmärkte, es ist auch ein dynamischer Wirtschaftsstandort mit beachtenswertem Wachstum und einer kristenfesten Wirtschaftsstruktur“, sagt Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger. Grund genug, dort in die Offensive zu gehen und das eigene Produktportfolio in Print, Online und im Bewegtbildbereich auszuweiten. Verstärkt hat man sich aber nicht nur mit eigenen Inhalten und neuen Produkten, sondern auch personell. Seit Jänner leitet mit Martin Gebhart die Redaktion des Kurier in Niederösterreich, er kennt den Markt bestens. Gebhart war über 30 Jahre bei den NÖN tätig, zuletzt seit Jänner 2016 als alleiniger Chefredakteur. „Durch seine berufliche Vergangenheit ist er zudem Experte für Produkte mit wöchentlichem Erscheinungsrhythmus und bringt eine hohe Kompetenz hinsichtlich Blattplanung und Agendasetting mit“, sagt Kralinger.

‚NÖN‘ gibt sich gelassen

Eine Kauftageszeitung, die ihre regionalen Aktivitäten mit einem ehemaligen NÖN-Mann in Niederösterreich ausbaut: Ist das ein Frontalangriff auf die dort reichweitenstarken Niederösterreichischen Nachrichten? „Für eine Tageszeitung, die drei Bundesländer abdeckt, sind ein paar Niederösterreich- Seiten pro Woche möglicherweise eine interessante Ergänzung, aber sie können weder auf dem Anzeigen-, noch auf dem Lesermarkt die Funktion der NÖN ersetzen“, gibt sich NÖN-Geschäftsführer Friedrich Dungl gelassen. „Unsere ultimative Stärke sind 28 völlig eigenständige Zeitungen pro Woche. Alleine mit den Lokalausgaben der Kaufzeitung produzieren wir über 10.000 Seiten pro Monat. Diese lokale Tiefe ist einzigartig auf dem Markt.“ Die Stärke liege im klein strukturierten Anzeigenverkauf. „Wir haben die Betreuung durch klarere Kundenzuteilung weiter professionalisiert und eine Schulungsoffensive in Richtung integrierte Konzepte über alle Plattformen hinweg gestartet“, sagt Dungl. Zuwächse konnten die NÖN 2017 vor allem im Onlineund Corporate-Bereich einfahren. Auch eine Magazinreihe zum Thema „Niederösterreichische Geschichte“ habe „voll eingeschlagen“ und 2017 „einiges zum Ergebnis des Verlages beigetragen“, so Dungl.

‚Krone‘ unangefochtene Nr. 1 in NÖ

Ähnlich gelassen zeigt sich auch der weitere Mitbewerb. „Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir freuen uns mit unserem Mediaprint-Schwesterntitel über den Erfolg des Niederösterreich- Magazins“, meint etwa Mediaprint- Geschäftsführerin Monika Fuhrheer. Mit einer Reichweite von 30,6 Prozent ist die Kronen Zeitung die meistgelesene Tageszeitung in Niederösterreich und hat dort mit 434.000 Lesern ein so großes Publikum wie in keinem anderen Bundesland. Das Erfolgskonzept der Krone laute: Nahe am Leser und nahe am Kunden – mit vier Niederösterreich-Teilausgaben, mit Lokalseiten und mit jährlich rund 80 Regionaljournalen. „Angesichts der kompetitiven Marktsituation stellen wir uns mehr denn je der Herausforderung, unsere regionalen Werbepartner mit einem vielfältigen Produktportfolio, mit individuellen Kundenlösungen und mit hoher Serviceorientierung zu überzeugen.“

‚Heute‘ mit neuen Werbeformen

Heute, mit 19,6 Prozent und 277.000 Lesern die Nummer zwei unter den Tageszeitungen, äußerte sich auf Nachfrage nicht zur Regional-Offensive des Kurier. Das Gratisblatt war in letzter Zeit aber selbst sehr aktiv im Bundesland und setzt nun zum einen auf neue Angebote für Werbekunden, zum anderen auf den Ausbau der Vertriebswege. Ab März können in Heute etwa auch Beilagen verarbeitet werden. „Das war ein großer Wunsch seitens der Werbetreibenden. Nachdem es immer mehr Werbeverweigerer für den Postwurf gibt, waren diese nämlich auf der Suche nach alternativen Vertriebsmöglichkeiten für das im Handel so beliebte Flugblatt“, meint Heute-Geschäftsführer Wolfgang Jansky. Zudem habe Heute sein „Vertriebsnetz verdichtet und strategische Partnerschaften, etwa mit Gastronomie und Tankstellen, geschlossen. So gelangen wir einerseits verstärkt an die Zielgruppe der Autofahrer, andererseits wollen wir so den Mitlesefaktor erhöhen“.

‚Bezirksblätter‘ begrüßen Ansatz

Bei den Bezirksblättern Niederösterreich begrüßt man den neuen Mitbewerber auf folgende Weise: „Als Niederösterreicher und als Journalist freut es mich sehr, dass ein neuer, professioneller Mitbewerber aufgetaucht ist. Der Kurier war ja immer in Niederösterreich besonders verwurzelt, deswegen macht für ihn dieser Schritt durchaus Sinn. Nach Rücknahmen von Regionalisierungen in der Vergangenheit setzt man dort nun offenbar wieder auf Bundesland- Berichterstattung – und das ist gut so“, sagt Chefredakteur und Geschäftsführer Oswald Hicker.

Das Niederösterreich-Magazin des Kurier werde am Anzeigen- und Lesermarkt jedenfalls gut angenommen, heißt es. Die gesamte Produktpalette in Niederösterreich bringe einen „relevanten Teil am Gesamtumsatz des Kurier“ ein, dennoch wolle man „den Umsatzanteil ausbauen“, sagt Kralinger. Wie schnell das in einem hochkompetitiven Marktumfeld gelingt, wird sich zeigen.

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