'Medien haben Zukunft'
 

'Medien haben Zukunft'

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Gino Cuturi vom oberösterreichischen Platzhirschen 'OÖN'/Wimmer Medien im Interview

Der Medien-Zukunftspreis ist eine Initiative des Manstein Verlages. Begleitet wird sie vom Zukunftsforum, dessen Teilnehmer in dieser Interviewserie zu Zukunftsthemen der Branche zu Wort kommen.

HORIZONT: Die Medienwelt ist einem tief greifenden Wandel unterworfen – was brauchen Medienmacher heute mehr denn je, um auch in Zukunft ­erfolgreich zu sein?


Gino Cuturi: Es ist entscheidend, vorhandene Kompetenzen auszubauen und in die unterschiedlichen Zielgruppen zu integrieren. Vor allem müssen wir Kommunikations- und Unterhaltungsbedürfnisse erkennen, mitgehen und diese Bedürfnisse auch befrie­digen. Am Beispiel Facebook: Wer hätte geglaubt, als noch vor einigen Jahren das Thema „gläserner Kunde“ angeprangert wurde, dass heute et­liche Leute freiwillig dazu beitragen, persönlichste Daten von sich preiszugeben, mit dem Hintergrund, dass diese Daten ökonomisch verwendet werden? Das Prinzip von Facebook ist einfach: Man spielt mit Eitelkeiten und Neugier und baut auf dem Prinzip der Netzwerkökonomie auf: Je mehr Benutzer ein Netzwerk verwenden, desto höher ist dessen Nutzen! Unabhängig davon ist es wichtig, Synergien zu nutzen, also Inhalte dort zu platzieren, wo sie der Benutzer braucht, das bezieht sich sowohl auf den Rezipientenmarkt als auch auf den Werbemarkt. Watz­lawick hat schon gesagt, man kann nicht nicht kommunizieren, schon gar in nicht in einem Medienunternehmen! Und wahrscheinlich das Wichtigste: Tolle Mitarbeiter, die das ver­stehen und dementsprechend ­mittragen.


HORIZONT: Und wie lautet hier Ihr persönlicher Befund? Ist davon ausreichend vorhanden?


Cuturi: Dass diese Trends erkannt ­wurden, steht außer Frage. Die Veränderung im Denken ist da. Die Anpassungen sind es meines Erachtens aber noch nicht in dem Ausmaß. „Neuerung oder Erneuerung“ steht da im Fokus. Und im Bezug auf Print versus Online bin ich davon überzeugt, dass es un­terschiedliche Herangehensweisen braucht.


HORIZONT: Innovation wird oft nur als Optimierung des Althergebrachten missverstanden. Wie definieren Sie persönlich Innovation, insbesondere bei Medien?


Cuturi: Innovationen hängen oft mit technischen Möglichkeiten zusammen, gerade und vor allem auch in der Medienbranche. Interessant ist dabei die Abkoppelung von den Geräten und technischen Produzenten und den Medienanbietern, die die Inhalte darauf produzieren. Das Spannende ist, dass bei den digitalen Inhalten das Verbreiten sehr kostengünstig funk­tioniert. Das hat dazu geführt, dass viele digitale Erfolgsfirmen etwa nicht aus tradierten Medienunternehmen entstanden sind, weil die Eintrittskosten relativ gering sind und man sich nicht Strategien gegen das eigene, ­erfolgreiche Geschäftsmodell hat einfallen lassen müssen.


HORIZONT: Innovation braucht Raum zur Entwicklung – für welche regulatorischen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Initiativen plädieren Sie im Sinne der Medienzukunft?


Cuturi: Soweit sich eine gesellschaftliche Entwicklung regulieren lässt: Natürlich kennen Sie den Streit der Verlage mit dem öffentlich-rechtlichen Sender. Auch bin ich bei allen gesetzlichen ­Regelungen etwas skeptisch, ob dann nicht doch „Schlupflöcher“ gefunden werden. Ein aus meiner Sicht negatives Beispiel, was Regulierungen und rechtliche Rahmenbedingungen darstellt, ist das Medientransparenzgesetz.


HORIZONT: Die Zukunft der Medien hängt sehr stark auch vom kreativen Nachwuchs ab. Wie kann es Medien­unternehmen gelingen, kreatives Talent für sich zu begeistern?


Cuturi: Indem man nicht versucht, die Kreativität einzuschränken, sondern sie zu fördern. Bereichsübergreifend zu denken und das auch zuzulassen. Ich denke aber, dass bekannte Marken ­immer gewisse Vorteile haben, kreative Leute und Talente zu bekommen und forcieren.


HORIZONT: Im Gefüge aus Auftrag­geber, Agentur und Medium geht es vielfach nur mehr um die günstigsten Konditionen. Wie lassen sich qualitative Gesichtspunkte in der Mediaplanung in den Fokus rücken?


Cuturi: Natürlich haben wir „traditionelle Währungen“ – seien es die Reichweiten oder Zielgruppen, und natürlich will jemand nicht mehr ausgeben als notwendig. Ich denke aber, dass der Fokus mehr auf den Nutzen des Kunden gehen wird als allein auf den Preis. Man will ja mit seiner Kommunikation etwas erreichen. Und da kann das ­Sparen kontraproduktiv sein.


HORIZONT: Welche internationalen Medienunternehmen und/oder -projekte sind für Sie persönlich zukunftsweisend?


Cuturi: Das ist Warren Buffett und sein  Aufkauf regionaler Medienunternehmen, weil ich auch ganz stark an das ­regionale Konzept glaube. Interessant wird die Transformation ins Digitale und die Konvergenz. Ringier in der Schweiz und Springer in Deutschland – die haben zumindest eine digitale ­Strategie. Aber ehrlicherweise finde ich kleine Player noch toller, die es schaffen, vor allem mit Kreativität und vielleicht weniger über Kapital über die Runden zu kommen!


HORIZONT: Welchen Beitrag kann eine Initiative wie der Medien-­Zukunftspreis tatsächlich für die ­gesamte Branche leisten?


Cuturi: Den Fokus weg vom „Tode der traditionellen Medien“, den die Fachzeitschriften leider auch immer wieder publizieren, hin zu neuen Ansätzen und Wegen, wie es schon der Titel des Preises verheißt. Medien und Kom­munikation haben Zukunft, und hier ­sollen einige, die sich mit dem Thema ­auseinandersetzen, auch positiv zum Image der Branche beitragen.


HORIZONT: Wie definieren Sie die Zukunftsvision für die OÖNachrichten ­beziehungsweise die Wimmer-Medien-Gruppe?


Cuturi: Für die OÖNachrichten: weiterhin wichtigste tägliche Nahinforma­tionsquelle – in den unterschiedlichen Trägermedien für die unterschied­lichen Zielgruppen – in Oberösterreich zu sein. Für die Wimmer-Gruppe: Kommunikationsdienstleistungen für Kunden im Leser- beziehungsweise Rezipientenmarkt und Anzeigenmarkt zu bieten, die sonst keiner in dieser Form bieten kann. „Wimmer begleitet dich von der Früh bis zum Abend.“

Die gesamte HORIZONT-Interviewserie mit Mitgliedern des Zukunftsforums finden Sie hier - sie wird laufend erweitert.
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