"Medien haben Verantwortung"
 

"Medien haben Verantwortung"

Hans-Jörgen Manstein findet zur Eröffnung der 15. Österreichischen Medientage kritische Worte.

Medien sollen sich ihrer Verantwortung bewusst wieder mehr bewusst machen, so Hans-Jörgen Manstein , Gründer und Aufsichtsratvorsitzender des Manstein Verlag in seiner Eröffnungsrede der 15. Österreichischen Medientage, die heuer unter dem Motto „Was kommt – was bleibt“ von 24. Bis zum 26. September in der Messe Wien über die Bühne gehen. Manstein: „Medien sind die vierte Gewalt im Staat und haben die Aufgabe, Aufzudecken, zu Vermitteln und den Staatsbürger vor Willkür zu schützen.“  Diese Rolle würde von so manchen Medienmachern allerdings nicht mehr ernst genommen werden. „Medien neigen heute dazu, Macht und nicht Kontrolle auszuüben und entwickeln sich von der vierten zur dritten Macht im Staat“, warnt Manstein. In der heimschen Presselandschaft wären eine Verflachung und eine Boulevardisierung zu beobachten, wie sie vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre. „Diese Entwicklung betrifft auch die Qualitätspresse“, sagt Manstein.  Medien hätten aber eine Verantwortung gegenüber dem Stakeholder, also dem Leser, und nicht dem Shareholder. „Woher wir gehen ist nicht so sehr eine Frage der Technik, sondern unseres Selbstverständnisses.“  Zur Frage, ob neue Medien etablierte ersetzen würden, meinte Manstein: „Noch nie hat eine Mediengattung eine andere ersetzt."

Oliver Voigt, Herausgeber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe News verglich das Motto der Medientage „Was bleibt – was kommt“ mit der Frage, ob das Glas halb leer oder halb voll ist. Angesichts vieler Studien und Meinungen von Beratern könne man glauben, dass es der Medienbranche schlecht gehen würde. „Diese ,Wahrheiten‘ wurden aber von Beratern publiziert, die noch nie eine Anzeige verkauft oder einen Artikel recherchiert haben“, so Voigt. Es sei vielmehr genau das Gegenteil der Fall. „Allein der Erfolg der Medientage und der Medienmesse zeigt, dass diese Branche eine Wachstumsbranche ist“, so Voigt. Er ortet vielmehr einen Gründungsboom und verweist auf neue Printprodukte wie "Heute", "Österreich" oder auch das Gratiswochenzeitungsprojekt der Styria Medien AG und der Moser Holding. Im Magazinbereich hätten Titel wie "First", "Flair" oder auch "Compliment" den Markt bereichert. Im TV-Bereich gebe es neue Sender wie Austria9 oder auch Puls4. „Alles Neue hat dazu geführt, dass auch die etablierten Medienmacher ihr Angebot verbessert haben“, so Voigt. Auch er ist der Meinung, dass keine Gefahr besteht, dass ein Medium ein anderes verdrängt. „Das World Wide Web ist kein Feind, sondern eine unendliche Herausforderung“, unterstrich Voigt. Gefahr ortet der Herausgeber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe News in Dumpingpreisen in der Medienbranche. „Gute Angebote müssen auch gute Preise haben.“ Auch müsse man sich vor neuen Werbeverboten in Acht nehmen. „Hier hat die heimische Politik und insbesondere Brüssel eine besondere Verantwortung.“ Und: „Egal wer die neue Regierung bilden wird – die Werbesteuer gehört weg.“

Heidrun Silhavy, Ministerien für Frauen, Medien und Regionalpolitik, griff diese Forderung in ihrer Rede gleich auf: „Die Werbesteuer können Sie gleich mit dem Finanzminister heute nachmittag diskutieren.“ Zur Erklärung: Vizekanzler Wilhelm Molterer wird am Medien-Gipfel als Podiumsdiskutant vertreten sein. Die Ministerin hält ein Selbstregulierungsorgan nicht nur für die Presse (Stichwort Presserat), sondern für alle Medien für notwendig. Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank, will künftig die Abwanderung von guten Ideen in der Medienbranche ins Ausland stoppen. „Es werden so viele Projekte in Wien entwickelt, aber anderswo realisiert.“ Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner ging auf die Rede von Hans-Jörg Manstein ein: „Medien sind ein zentraler Bestandteil der Demokratie, Konflikte mit der Politik sind natürlich.“

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