Medien dürfen keine ‚Boten von Fake News‘ sei...
 

Medien dürfen keine ‚Boten von Fake News‘ sein

APA (Techt)
Politiker können über Facebook und Co auf ihre eigenen Themen setzen. Dies entwickelt sich zu einer Gefahr für die Demokratie.
Politiker können über Facebook und Co auf ihre eigenen Themen setzen. Dies entwickelt sich zu einer Gefahr für die Demokratie.

Um den öffentlichen Diskurs vor politischer ‚Meinungsmache‘ auf Facebook & Co zu schützen, setzen Medienmacher und Experten auf Qualität – und kritischere User.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 39/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Wer sich in den sozialen Medien richtig in Szene setzen und bei der digitalen Öffentlichkeit Sympathiepunkte sammeln kann, hat die Nase vorn: Diesen Trend haben auch Politiker längst für sich entdeckt. Die direkte Ansprache der Wähler über Facebook, Twitter & Co mit ungefilterter und einseitiger Information kann aber schwere Folgen für die Demokratie haben. Politische „Meinungsmache“ kann auf kaum einer Plattform effizienter erfolgen als in den sozialen Medien. Grund dafür sind die technischen Möglichkeiten, wie PR-Experte Gregor Schütze erklärt: „Dass Politiker über ihre Profile auf ihre eigenen Themen setzten, ist logisch und strategisch aus Sicht der Politik auch nachvollziehbar. Wenn allerdings zusehends über Algorithmen, Buyer Personas und Big Data gesteuert wird, welche Inhalte Nutzer sehen, ist das für die Demokratie gefährlich.“ Damit in Zukunft noch ein breiter öffentlicher Diskurs stattfinden kann, müsse die Öffentlichkeit ihren Blick schärfen und auch die publizierten Inhalte stärker hinterfragen. „Entscheidend wird zudem sein, kommenden Generationen jene kritische Haltung und Medienkompetenz mitzugeben, die es braucht, um falsche Inhalte zu entlarven und Manipulation zu erschweren. Ein breiter Medienkonsum ist natürlich Basis für sachliche Debatten. Dieser liegt aber auch in jedermanns Eigenverantwortung“, so Schütze.

Mit Qualität digital präsent sein

Um die Demokratie zu wahren, müssten Medien genauer als zuvor ihre redaktionellen Inhalte auf Fakten prüfen, so Schütze. Kein Medium dürfe durch die Berichterstattung selbst ein „Bote von Fake News“ werden: „Für eine gelebte Demokratie sind sie als berühmte vierte Gewalt aber weiterhin unerlässlich und in Zukunft noch wichtiger“, erklärt Schütze. Keine leichte Aufgabe, meint Marcin Kotlowski, Geschäftsführer der WH Media GmbH: „Qualitätsorientierte Berichterstattung ist immer schwerer zu finanzieren, wird jedoch gleichzeitig zum Überlebensmerkmal. Parallel müssen sich Medienhäuser zu Technologiehäusern entwickeln, um die neuen Kanäle sinnvoll und ökonomisch bespielen zu können. Dabei wird es wichtig sein, über die Tellerränder zu blicken und auch quer über die Branchen zu kooperieren.“ Gerade bei Themen, die auf Facebook, Twitter & Co polarisieren, brauche es eine „konsequente qualitätsorientierte Bespielung neuer digitaler Kanäle“ durch Medien, damit Bürger, die sich in ihren Echokammern befinden, erreicht werden können. „Gleichzeitig müssen journalistische Talente glaubwürdig und langfristig aufgebaut werden“, so Kotlowski. Welche Themen die politische „Meinungsmache“ in Zukunft dominieren werden, hängt für Schütze von der globalen Entwicklung ab. In Europa dürften es seiner Einschätzung nach aber weiterhin die Themen Migration, Sicherheit und die Zukunft Europas sein, die die Politiker fokussieren werden.

Bessere Bedingungen für Medien

Aus Mediensicht werden vor allem eine „konsequentere Regulierung digitaler Plattformen, audiovisuelle Mediendienste sowie ein legislativer und operativer Rahmen für 5G-basierte Services“ Thema sein, ist Kotlow­ski überzeugt. „Wir wünschen uns gleichzeitig bessere Rahmenbedingungen für neue Allianzen im Mediengeschäft. Diese sind angesichts unserer Marktgröße und Durchdringung dringend notwendig.“

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