Medien auf Hochtouren
 

Medien auf Hochtouren

Editorial von Birgit Schaller, Chefredakteurin (HORIZONT 41/2015)

Kritik zu üben ist einfach. Kritik an medialen Ausrutschern rund um einen Wien-Wahlkampf, deren Protagonisten die Flüchtlingssthematik und das Polit­duell Strache-Häupl vor sich her treibt. Kritik an Moderatoren, die sich in der ORF-Puls 4-Runde der Politelefanten selbst als Elefant im Porzellanladen verhielten. Man könnte in Frage stellen warum Privatsender antiblau-gefärbt agieren und die Spots der FPÖ nicht schalten. Einmal mehr nerven die Vorlieben, das mal dezente dann wieder höchst sichtbare Kampagnisieren diverser Boulevardmedien. Medien sollen (wollen?) objektiv ­agieren, das ist bei dieser Wahl, die  Extrempositionen wie nie zuvor in den Personen Häupl und Strache widerspiegeln, eine Herausforderung. Aber, Wahlen bringen Medien und ihre ­politisch versierten Persönlichkeiten auf Hochtouren. Beeindruckend, wie ­Corinna Milborn ihr Profil schärft und von der Moderation für das emotionale Megaevent „Voices for Refugees“ am Heldenplatz, im TV übertragen von Puls 4, zum Gespräch mit Polit- und Medien- und Kunstprominenz im Theater in der Josefstadt wechselt, um dann neben dem Paul Tesarek, Chefredakteur des Landesstudios Wien, die bessere Figur zu machen. Eigentlich schade, denn so könnte es sein, dass der Schulterschluss zwischen ORF und Puls 4, die sich die Elefantenrunde teilten (der ORF zahlte, eine eigene Regie hatten beide), gleich wieder der Vergangenheit angehört. Apropos TV – ATV ist vom gemeinsamen Elefantenprojekt abgesprungen und der versierte und (Romy-)ausgezeichnete Moderator Martin Thür holte sich alleine Politgäste ins Studio.

Witzig übrigens, dass unter Thürs Porträt auf der ATV-Website sein Twitter-Feed läuft. #wienwahl2015 – Twitter, das Medium-to-be, insbesondere in Wahlzeiten. #elefantenrunde zu verfolgen war teils aufschlussreicher und amüsanter als im TV zuzusehen. Spannendes rund um die Wahl war im Falter zu lesen. Neben klassischen Interviews der Spitzenkandidaten, widmete sich eine Analyse von Sibylle Hamann den Massenmedien – der deutschen Bild, der Krone und dem ungarischen Privatsender Hir TV – zum Wahl-prägenden Thema Flüchtlinge. Fazit: Hir TV spitzt zu, Krone wählt die Polizeiperspektive, Bild begleitet Flüchtlinge persönlich und hautnah. Das wirkt auf Leser und damit Wähler, wenn auch die Mehrheit den Boulevard bevorzugt. Oder sie haben ohnehin eine Meinung, die vermutlich nur verstärkt werden will. Einzigartige mediale Ideen: News fing am Schauplatz die Perspektive FPÖ-wählender junger Oberösterreicher ein. Der Standard brachte eine Serie mit den Wiener Jugendkandidaten, die während der Fahrt in Öffis interviewt wurden, Video inklusive. Der Kurier blickte in die Vergangenheit, sprach mit allen und hat ein tolles Feature auf seiner Website: den Kandidatenfinder für jeden ­Bezirk und jede Partei. HORIZONT zeigt ­Angelika Trachtenbergs Wahlplakat-Analyse der besonderen Art.

Was zu sagen bleibt: gehen Sie wählen!
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