Mediathek-Schulterschlüsse im Kampf gegen Net...
 

Mediathek-Schulterschlüsse im Kampf gegen Netflix und Co

Markus Wache
Philip Haubner (Laola1), Uwe Hofer (Exozet), Matthias Lorenz (A1 Telekom Austria), Georg Maas (ARD) und Thomas Prantner (ORF) bauten allesamt auf Kooperation.
Philip Haubner (Laola1), Uwe Hofer (Exozet), Matthias Lorenz (A1 Telekom Austria), Georg Maas (ARD) und Thomas Prantner (ORF) bauten allesamt auf Kooperation.

Mediatheken und Videoportale boomen weiter. Bei den Österreichischen Medientagen 2019 haben Plattform-Betreiber über Learnings, Potenziale und nächste Schritte diskutiert - und das lineare TV dennoch nicht begraben.

Gegen die US-Streaminggiganten muss Flagge gezeigt werden - darüber waren sich die Diskutanten beim Panel "Alles immer und gleich – Mediatheken und Videoportale am Vormarsch" einig. Die rot-weiß-rote Antwort aus öffentlich-rechtlicher Sicht fiel bei Thomas Prantner, Direktor für Online und neue Medien, schnell. Die TVThek in ihrer derzeitigen Form sei nur die "Vorwegnahme einer größeren Zukunft", Stichwort ORF-Player. Die "Erfolgsgeschichte TVThek" ließe sich schließlich darauf zurückführen, dass "Menschen selbst entscheiden wollen, was sie wann und wo ansehen".

Um mit Netflix und Co mithalten zu können, sah Prantner die Politik gefordert: "Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen sich verändern, damit wir uns digital weiterentwickeln können". Um den gesamten Content-Schatz ausspielen zu können, brauche es "Partner und politischen Willen".

Markus Wache

Georg Maas, Leiter der Stabsstelle Verbreitung- und Verwertung beim MDR, hat den Aufbau der ARD-Mediathek mitbegleitet. Auch Maas erkannte einen Wettbewerb mit den großen US-Streaminggiganten. Im Zuge des letzten großen Relaunchs der ARD-Mediathek habe sich diese zunehmend von einem Ableger linearen Programms gelöst und sich neu strukturiert.

Personalisierung am Vormarsch

Uwe Hofer war als Geschäftsführer des Digitalisierungs-Experten Exozet an der Konzeption der ZDF-Mediathek beteiligt. Sein Learning für das Publikum: "Der Inhalt ist gegeben, von Bedeutung ist allerdings, wie er präsentiert wird". Die Startseite der ZDF-Mediathek sei etwa stark von fiktionalen Inhalten geprägt, was einer gewissen "Netflixierung" gleichkäme.

Und: "Technologie kann sehr helfen, aber auch verbauen". Hier habe man für das ZDF einen guten Mittelweg gefunden. Auf Basis von Daten gibt es für die User Empfehlungen. Die Letztverantwortung für eine sinnvolle Personalisierung liege allerdings bei den Redakteuren. Auch für Maas brauchte es ein Log in, "um dem User das beste Angebot machen zu können. Es ist nicht das alleinige Allheilmittel, aber ein Feature unter vielen."

Bewegte Kooperation

Die vom Privat-TV vielzitierte Log-in-Allianz sah auch Prantner als "Voraussetzung, dass wir den Schulterschluss mit den Privaten schaffen". Einer Kooperation mit der Streaming-App der ProSiebenSat.1-Puls-4-Gruppe stand er dann allerdings doch nicht uneingeschränkt positiv gegenüber: "Wir sind offen für Kooperationen, aber man muss sich Nutzungszahlen und Reichweiten von Zappn anschauen. Entscheidend ist, wie der Kunde zu unserem Content kommt. Hier müssen wir uns einem Change-Prozess stellen."

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Eine solche Kooperation ist bei der ARD bereits Realität: Der deutsche Öffentlich-Rechtliche lizenziert Teile seines Contents an Magenta TV. Denn: "Wir wollen in unserer Distbributionsstrategie dahin, wo die Menschen sind. Wenn wir sie auf unseren Channels nicht erreichen, dann eben über andere Plattformen wie auch Magenta TV."

"Kein Entweder-Oder"

Mit A1now ist eine heimische Telko bereits selbst zum TV-Anbieter mit eigenproduziertem Content geworden. Laut Matthias Lorenz, Chief Transformation, Market & Corporate Functions Officer bei A1, wollte man das stetige Bewegtbild-Wachstum gewinnbringend nutzen: "Die Fernsehnutzung mit On-Demand-Features wächst. Am stärksten wachsen dabei jugendliche Inhalte. Dabei gabt es jedoch noch keine lokalisierten Inhalte. Wir haben es mit A1now dann versucht". Und: "Bis jetzt läuft es ganz gut, wenn auch die amerikanischen Giganten hier klar im Wettbewerbs-Vorteil sind."

Lorenz zeigte sich jedenfalls überzeugt, dass das Internet-basierte TV mit der richtig ausgereiften IP-Technik dem klassischen TV bald gleichgestellt sein wird. Maas sah in der Frage nach dem Überleben von linearem Fernsehen "kein Endweder-Oder. Alle Sender bauen in Deutschland ein eigenes Videoportal auf. Wer überleben wird, darüber entscheidet der Inhalt" Auch lineare Programme würden sich dabei verändern. Philip Haubner, Head of Marketing & Communications Laola1, sah gerade den Sport als Lebensversicherung des linearen TV: "Man wird sich schwertun, ein Sportereignis zu zeigen, bevor es stattfindet. Das wird immer live sein, und ansehen will es der Zuschauer auf dem größtmöglichen Device. Linear wir es damit noch länger geben."

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