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Media Server: ÖWA macht Schritte in Richtung Wiedereintritt

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Die ÖWA habe "beschlossen daran mitzuarbeiten, ein Paket zu schnüren, damit wir wieder eintreten können", sagt ÖWA-Präsidentin Gerlinde Hinterleitner.
Die ÖWA habe "beschlossen daran mitzuarbeiten, ein Paket zu schnüren, damit wir wieder eintreten können", sagt ÖWA-Präsidentin Gerlinde Hinterleitner.

Die aus dem Media Server ausgetretene Österreichische Webanalyse kann sich einen Wiedereintritt vorstellen. Was der Verein nun im Detail fordert.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 47 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Zukunft hänge "an einer vernünftigen Währungsstudie für Online, sonst ist der Media Server tot", resümierte Helmut Hanusch, Präsident des Media Servers, vor zwei Wochen im HORIZONT. Kritik übte Hanusch in diesem Zusammenhang an der Österreichischen Webanalyse (ÖWA), die im Jänner unerwartet aus dem Verein ausgetreten ist, und deren Entscheidungsschwäche. Diese Kritik will ÖWA-Präsidentin Gerlinde Hinterleitner so nicht hinnehmen. Immerhin sei es unlängst zu richtungsweisenden Fortschritten gekommen.

Zum Wiedereintritt hat sich die ÖWA zwar bisher noch nicht bewegen lassen, allerdings habe der Verein eine Einladung der Interessensgemeinschaft der Media Agenturen (IGMA) angenommen. Die Mediaagenturen sind seit 2010 in der IGMA zusammengeschlossen, der Verein wurde anlässlich des Projekts Media Server gegründet. "Es ist für uns Agenturen nicht hinnehmbar, dass die ÖWA sich nicht mehr an dem Projekt beteiligen will. Deshalb wird es seitens der IGMA mit den ÖWA-Verantwortlichen noch vor dem Sommer entsprechende Gespräche geben", sagte IGMA-Präsident Peter Lammerhuber bereits im Mai gegenüber HORIZONT. Heute sagt Hinterleitner: "Ja, wir haben im Sommer eine Einladung der IGMA bekommen und in der letzten Vorstandssitzung am 6. November beschlossen, dass wir bereit sind, diese Einladung anzunehmen." Diese Bereitschaft bedeute zwar noch keinen Wiedereintritt, allerdings habe die ÖWA "beschlossen daran mitzuarbeiten, ein Paket zu schnüren, damit wir wieder eintreten können". Hanusch zeigt sich erfreut und spricht von einem "konstruktiven Schritt in die richtige Richtung".

In der zweiten Novemberwoche habe die ÖWA auch einen Brief an den Media Server geschrieben. Inhalt: die Bedingungen, die es seitens des Media Servers zu erfüllen gelte, damit die ÖWA wieder Mitglied des Vereins werde. Darunter: der Fokus auf das eigentliche Ziel, eine kostengünstigere zweite Studie und eine innovativere Methode. Größter Kritikpunkt seitens der ÖWA: Dass der Media Server von seiner ursprünglichen Idee, nämlich den Medienkonsum der Österreicher über alle Gattungen hinweg darzustellen, aufgrund zahlreicher Kompromisse abgekommen sei. Doch auch die Kosten sowie die bisherige Methode sind der ÖWA ein Dorn im Auge. Bislang wurde viel Geld investiert, die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa zwei Millionen Euro pro Studie. Zudem habe die technische Kommission, die für die Bearbeitung der Methode zuständig war, laut Hinterleitner 700 Sitzungsstunden in das Projekt einfließen lassen - viel zu viel aus ihrer Sicht.

Vorrang für Daily Digital Data

Als Grund für den Austritt aus dem Media Server wurden im Jänner finanzielle Probleme genannt. "Das war immer der Grund, warum wir uns eine so aufwändige und teure Studie nicht leisten können und wollen", betont Hinterleitner. Von den Gesamtkosten hatte die ÖWA in der ersten Studie ungefähr zehn Prozent, also 200.000 Euro, zu tragen. "Wir können nicht 200.000 Euro für etwas ausgeben, womit dann keiner zufrieden ist." Zudem habe Online "viel kleinere Budgets als andere Mediengattungen, da gilt es, auch Rücksicht auf unsere Mitglieder zu nehmen". Auch in Hinblick darauf, dass die ÖWA aktuell mitten in der Realisation eines weiteren Großprojektes, dem Projekt Daily Digital Data, stecke. Weil dieses ebenso finanzielle Ressourcen benötigen würde, hätte man sich letztendlich zwischen den beiden Projekten entscheiden müssen. Und da sei "vollkommen klar gewesen, dass wir uns für die Weiterentwicklung unserer eigenen Messung entscheiden", so Hinterleitner.

Das Projekt Daily Digital Data, dessen Umsetzung für das Frühjahr 2018 avisiert ist, hat zum Ziel, profilierte Daten auf Tagesbasis zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen des Projekts wird die technische Messung der ÖWA Basic mit den soziodemografischen Daten der ÖWA Plus kombiniert. Aktuell bereite man eine Infrastrukturumstellung vor, die die Basis für die neuen Auswertungen bilden wird. Nach einer Migration auf das neue System wird ein dreimonatiger Parallelbetrieb stattfinden. In dieser Phase wird die neue Software implementiert und getestet. Angesprochen auf die Kosten meinte Hinterleitner, dass das Projekt "laufend weniger kostet, als die ÖWA für den Media Server zahlen hätte müssen".

Wie es nun weiter geht

Zurück zum Media Server: Ein logischer nächster Schritt wäre laut der ÖWA-Präsidentin, dass jede Mediengattung ihre Bedingungen und Vorstellungen, wie ein neuer Media Server aussehen könnte, erarbeitet. Erst dann würden gemeinsame Gespräche Sinn machen. Ursprünglich war übrigens ein jährlicher Studienrhythmus angedacht -weil sich aber das Mediennutzungsverhalten nicht so schnell ändern würde, erachten sowohl Hinterleitner, als auch Hanusch einen Zwei-Jahres-Rhythmus für sinnvoll. Worin sich die beiden noch einig sind: Ohne ÖWA kann es keinen Media Server geben.
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