Media goes mobile
 

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„Crossmedialität allein ist nicht die Innovation“

Die Frage der Monetarisierung von Webinhalten ist noch nicht breitenwirksam geklärt, schon taucht die Frage nach der Vergoldung von mobilen Inhalten auf. Laut Christoph Schuh von Tomorrow Focus passiert heute bereits 12 Prozent des gesamten weltweiten Traffics mobil, 950 Millionen User nutzen Facebook stationär, 540 Millionen mobil. Nur die Werbegelder folgen noch nicht der Nutzung, wie US-Zahlen belegen: 41 Prozent der gesamten Mediennutzungszeit fallen auf TV, gefolgt von mobil mit 23 Prozent und Online mit 22(print liegt bei 6 Prozent). Aber: auf die 41 Prozent TV-Nutzung fallen 40 Prozent der gesamten Werbegelder, während auf die 23-Prozent mobile Nutzung nur ein Prozent der Webegelder kommt.

Aber dennoch rät Schuh den Medienhäuser: Mobile First. Nach dem Motto: „Mit den Straßen kam der Verkehr, mit den Datenhighways das Datenvolumen und den Millionen von Smartphones MUSS auch etwas folgen“.

Oliver von Wersch, G+J EMS, definiert „mobile“: Mobile kann ein Kanal sein, das Gerät und die Nutzungssituation sein. „Interessanterweise gilt das Tablet als mobile Device, wird aber zu 70 Prozent stationär genutzt: zu Hause auf dem Sofa oder im Bett“.

Joachim Feher, Mediacom, sieht die Problematik in der Monetarisierung vor allem in der Nicht-Transformierbarkeit der klassischen Werbung auf mobile: „In klassischen Medien ist Werbung der Begleiter des Contents. Dafür ist der Platz auf dem Smartphone-Screen aber zu wenig. Das Ergebnis sind Tintenklecksbanner“.

So wie die Werbung noch nicht viel über Mobile Advertising weiß, sind sich auch die Medienhäuser noch nicht klar, wieviel crossmedia es braucht. G+J-Mann von Wersch dazu: „Print ist ein rückläufiges Geschäft. Punkt. Aber: es gibt viele innovative und hochprofitable Printneugründungen in der Nische. Hier sind allerdings nicht immer alle Kanäle finanzierbar und auch nicht nötig“.

Auch Peter Kropsch von der APA sieht die Zukunft der Diversifikation „in kleinen, schnelldrehenden publizistischen Einheiten, ohne großes Investment, das heute gelauncht und morgen bei Misserfolg wieder abgedreht werden kann“.

Alexander Koppel, Red Bull Media House, zieht das Pferd von hinten auf: „Die Crossmedialität eines Medienproduktes allein ist noch nicht die Innovation.“ Deshalb investiere sein Haus in erster Linie in innovative Produkte – für die dann in Folge die Kanäle ausgewählt werden, die für ein „ganzheitliches Produkterlebnis“ Sinn machen.  

Probleme bei der Crossmedialität sieht Gerald Reitmayer, Samsung, vor allem in der Nahtlosigkeit – zum einen wegen unkommunikativen Operating Systems – Smart-TV läuft z.B. nicht auf Google – zum anderen wegen digitalen Rechten, die für jedes Medium einzeln gekauft werden müssen.

Interessant die Aussage von Sabine Harnach, Kronen Zeitung: „Mobile wird die Business-Welt nicht so stark beeinflussen wie propagiert. Neue Technologien verdrängen nicht, sie übernehmen andere Aufgaben.“

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