Media-Analyse verwarnt „Österreich“ erneut
 

Media-Analyse verwarnt „Österreich“ erneut

David Bohmann
Wolfgang Fellner
Wolfgang Fellner

Wie schon vor gut einem halben Jahr sprach der Vorstand des Vereins ARGE Media Analysen eine öffentliche Verwarnung gegen die Mediengruppe „Österreich“ aus. Wieder geht es um "Herabwürdigung der MA-Bedeutung".

Ein neues Kapitel im schwierigen Verhältnis zwischen der Media Analyse und der Mediengruppe "Österreich" ist aufgeschlagen. Wie zuletzt am 12. Oktober 2017 (HORIZONT berichtete) sprach der Vorstand der Media Analyse eine Verwarnung gegen das Medienhaus aus. 

Grund für das Erlassen dieser Ordnungsmaßnahme sei die Verletzung der Mitgliedspflichten, indem der Verlag im Zuge der Veröffentlichung der ÖAK (2. Halbjahr 2017) Maßnahmen gesetzt hat, die die Bedeutung der MA in der Öffentlichkeit herabwürdigen, hieß es in der Begründung der MA.

Konkret geht es um diese Meldung auf www.oe24.at vom 22.2.2018. In dieser wird "Österreich"-Geschäftsführer Oliver Voigt dahingehend zitiert, dass die neuen ÖAK-Daten „auch zu einem Umdenken bei der Erhebung der Media Analyse führen“ sollten. Und weiter: „Die streng kontrollierten harten Fakten der Auflagenkontrolle stehen in krassem Widerspruch zu den nur per Umfrage erhobenen Meinungsforschungsdaten der Media-Analyse.“

Die Aussage, dass die ÖAK-Werte in Widerspruch zu den nur per Umfrage erhobenen MA-Daten stehen würden, "ist dazu geeignet, die Bedeutung der MA in der Öffentlichkeit herabzuwürdigen", argumentiert die MA nun: "Und sie basiert allein auf das für die Mediengruppe ÖSTERREICH nicht nachvollziehbare Verhältnis zwischen Auflage und Reichweite. Aber wie schon des Öfteren dargelegt, führt das alleinige Steigern der Auflage natürlich nicht automatisch zu einer Steigerung der Reichweite. Dem gegenüber steht, dass die MA ein vom gesamten Markt gemeinschaftlich getragenes Instrument zur Ermittlung von Reichweiten österreichischer Printmedien ist, das sich durch eine große Fallzahl, intensive Kontrolle und – wie bei Währungsstudien üblich – hohe Standardisierung auszeichnet, was bedeutet, dass alle in der MA erhobenen Titel gleich behandelt werden."

Helmut Hanusch, Präsident des Vereins ARGE Media Analysen, meint dazu: „Wiederholte Verstöße der Mediengruppe Österreich gegen die Statuten des Vereins – die im Interesse der gesamten Printmedienlandschaft vorsehen, dass die Mitglieder verpflichtet sind, „die Bestimmungen der Satzung des Vereines und die Beschlüsse seiner Organe zu beachten und alle Maßnahmen zu unterlassen, die die Arbeit des Vereines und deren Ergebnisse beeinträchtigen könnten. Dazu zählen insbesondere alle Maßnahmen, die dazu geeignet sind, das Ergebnis der Studie zu beeinträchtigen oder zu verfälschen oder deren Bedeutung in der Öffentlichkeit herabzuwürdigen sowie Werbung unsachgemäßer bzw. irreführender Art zu unterlassen.“ – haben diese öffentliche Verwarnung unumgänglich gemacht. Dies insbesondere auch, weil aus den Marktstudien anderer Mediengattungen (Radiotest, Teletest etc.) auch nur annähernd ähnliche, die eigene Mediengattung schädigende Verhaltensweisen – bis jetzt jedenfalls – nicht gesetzt wurden. Wirtschaftlicher Egoismus darf nicht dazu führen, dass die relevanteste ‚Währung‘ der Werbebranche für Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Magazine faktenwidrig öffentlich beschädigt wird.“

Fellner reagiert gelassen
Wolfgang Fellner selbst meinte gegenüber der APA, er nehme die Verwarnung "mit aller Gelassenheit und Demut" zur Kenntnis. Man fordere seit langem eine Reform der MA, "und es wird immer dringender". Er stößt sich konkret daran, dass die Online-Nutzung von Print-Marken nicht per Kontrollfrage erhoben werde. Die MA werde so "immer stärker zur Brand-Analyse - da sind wir das Opfer, weil unsere Seite oe24.at anders heißt als die Zeitung." Titel wie der "Standard" profitierten dagegen überdurchschnittlich. Er könne auch nichts Verwerfliches in der Feststellung erkennen, "dass die Auflagenkontrolle auf harten Fakten beruht, während die Media-Analyse eine Umfrage ist": "Auch Mitglieder müssen ja wohl die Wahrheit sagen dürfen."

Man werde das "Gespräch mit Herrn Hanusch suchen", kündigte Fellner an, "auf ihn zugehen und uns bemühen, keine Taten zu setzen, die die anderen Mitglieder empören." Im Gegenzug "hätten wir aber gerne, dass sich die MA einem Reformprozess öffnet". An dem wolle er konstruktiv mitarbeiten, versicherte er. Ein Austritt aus der MA komme nur infrage, "wenn sie sich komplett reformunwillig zeigt", meinte Fellner auf eine entsprechende Frage. "Ich glaube auch, dass das nicht sinnvoll wäre, da die Werbebranche großes Interesse an einer harten Währung hat, und deswegen stehen wir zu MA." Die Mediengruppe Österreich führt seit dem Vorjahr auch ihre eigene Erhebung, den "Media-Monitor", durch.

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