McDonald's-Medien oder mediale Spitzenköche?
 

McDonald's-Medien oder mediale Spitzenköche?

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Qualität und/oder Quote? Bei den Österreichischen Medientagen diskutierten darüber "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand...(c)P.Svec
Qualität und/oder Quote? Bei den Österreichischen Medientagen diskutierten darüber "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand...(c)P.Svec

ÖMT-Mediengipfel über Qualität und Reichweite: Rezepte für Qualitätssicherung in schwierigen Zeiten.

Das Thema "Qualitätssicherung" wurde heute Morgen bei den Österreichischen Medientagen (ÖMT) in der Wiener Stadthalle zum Frühstück aufgetischt. Das Ergebnis der von HORIZONT-Herausgeberin Dagmar Lang, moderierten Diskussion: Unterschiedliche Rezepte verschiedener Köche - hier ein Auszug:

Die wirtschaftliche Grundlage des österreichischen Mediensystems sei letztlich die Reichweite: Christian Pöttler, Geschäftsführer des Echo Medienhauses in Wien, fürchtet um die journalistische Unabhängigkeit durch zunehmenden Einfluss seitens der werbetreibenden Wirtschaft und die starke Fokussierung der Medienhäuser auf den "Share-Holder-Value". Es läge also auch bei den Eigentümern der Verlage, den inhaltlichen Qualitätsanspruch mitzutragen.

Aus der Sicht des Mediaberaters stehen Qualität und Reichweite nicht in Widerspruch zueinander, wie Paul Schauer, CEO der Gruppe Media Austria, festhielt - Qualität ergibt sich für Schauer daraus, dass die gewünschte Zielgruppe erreicht wird. So gesehen habe die Gratistageszeitung "Heute" eine "große Qualität", streute er seiner Sitznachbarin, "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand Rosen.

Die wiederum schwört appodiktisch auf den "Erfolgsfaktor Leser". Daher müsse die redaktionelle Unabhängigkeit langfristig gesichert werden, auch indem man den Journalisten "gewisse Freiheiten" einräume, so Dichand, die sich ferner dem "Sittenverfall" im Umgang der Marktteilnehmer miteinander entsagen will - vor allem in Bezug auf den "Wiener-Straßenkrieg", so Dichand mit Verweis auf Wolfgang Fellner und sein "Österreich". Und auch fürderhin werde sich "Heute" keine "Ideologien erschreiben".

"DerStandard"-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann wiederum beobachtet, dass die gesellschaftspolitische Rolle - Stichwort "Vierte Gewalt" im Staat - von vielen Reichweiten-diktierten Medien gar nicht wahrgenommen werden wolle. Jedes Medium müsse für sich entscheiden, ob es nach McDonald's-Prinzip oder nach den Ansprüchen eines Haubenlokals agieren will. "Wer als Medium vorgibt, ein Haubenlokal mit der Reichweite eines McDonald's zu sein, wird an seine Grenzen stoßen." Denn ein qualitativ hochwertiges Produkt werde immer auf ein kleineres Publikum treffen, ist Bergmann überzeugt.

Laut "Kurier"-Geschäftsführer Thomas Kralinger gelte es, auf Seiten des Lesermarktes wie auch auf Anzeigenseite "Qualität" durchzusetzen. Dabei gehe es nicht um "maximale Reichweite", sondern vielmehr um die Fähigkeit der zielgruppengenauen Fragmentierung. "Unser aller Fehler war in den vergangenen Jahren, dass wir zu wenig definiert und kommuniziert haben, welche Qualität wir dem Werbemarkt anbieten können." Das habe man vielmehr den Werbekunden überlassen, moniert Kralinger.

Auch für Helmut Hanusch, Generalbevollmächtigter der Verlagsgruppe News, schließen Reichweite und Qualität einander nicht aus. Die Qualitäten der heimischen Medien sollen im Zuge der professionellen Marktforschung "besser durchleuchtet werden", so Hanusch. Als Präsident des Vereins Media Analyse (MA) werde er das Projekt "Media Server" forcieren. Hanusch: "Wir sind in Österreich schon sehr weit, was die Messung der Kontaktqualitäten angeht."

Als Vertreterin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sprach Brigitte Wolf, Landesdirektorin des ORF in Wien, über den "Spardruck" im Unternehmen, der in diesem noch nie dagewesenen Ausmaß dazu zwinge, mit den bestehenden journalistischen Kapazitäten auf die "Prime-Time"-Aktivitäten zu fokussieren. Sie appelliert für mehr Respekt gegenüber den journalistischen Kräften, die nicht als "variabler Kostenfaktor" betrachtet werden dürften.

Ein großes Fragezeichen blieb: Nämlich die Qualitätssicherung in der Online-Berichterstattung betreffend und wie es gelingen könne, den Preisverfall im Netz umzukehren (Stichwort niedrige Tausend-Kontakt-Preise).

Die Langfassung finden Sie in der kommenden HORIZONT-Printausgabe 39/2010.
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