Max Conze: „Wir müssen uns die Zukunft erober...
 

Max Conze: „Wir müssen uns die Zukunft erobern“

Johannes Brunnbauer
Max Conze: "Die Frage ist, ob man in einem Land selbst im Wettbewerb sein will oder sich zusammenschließt und dann größer und stärker ist, als jeder selbst in seinem Kämmerlein.“
Max Conze: "Die Frage ist, ob man in einem Land selbst im Wettbewerb sein will oder sich zusammenschließt und dann größer und stärker ist, als jeder selbst in seinem Kämmerlein.“

Max Conze, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE, hat bei den österreichischen Medientagen im Talk mit Anna-Maria Wallner (Die Presse) über sein erstes Jahr in seiner neuen Funktion gesprochen und wie er die Medienzukunft – Stichwort Transformation – sieht.

Max Conze ist seit 1. Juni 2018 Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE. Das Unternehmen verfolgt eine klare Wachstumsstrategie, die die Kraft seiner Entertainment-Marken mit den starken Commerce-Plattformen zu einem einzigartigen Geschäftsmodell kombinieren will. Im Gespräch mit Anna-Maria Wallner meinte Conze auf die Frage, ob es ein erstes, hartes Jahr war: „Das weiß ich nicht. Der Medienwandel ist seit vielen Jahren um uns herum. Es ist für ProSiebenSat.1 Media enorm wichtig, sich mit mehr Geschwindigkeit in die neue Welt zu entwickeln. Das ist harte Arbeit, die macht aber auch enorm Spaß.“

„Bin ein Zukunftsoptimist“

Aus Sicht von Conze leben die Medien in einer „tollen Zeit“. Das mache enormen Spaß und es sind Bereiche, die wachsen und Wert schaffen. „Genau in diesem Bereichen müssen wir wachsen, wir müssen uns die Zukunft erobern.“ Diese Veränderungsprozesse hätten aber natürlich auch Anstrengungen für Strukturen und die Menschen. „Im Kern bin ich aber ein Zukunftsoptimist“, so Conze.

Zufrieden zeigt sich Conze auch mit der Entwicklung der erst vor kurzem gestarteten App „Joyn“. „Wir sind hier erst am Beginn einer Reise, es war ein spannender Beginn“, erzählte Conze, „mit drei Millionen App-Downloads und rund 4,5 Millionen aktiven Usern pro Monat. Ob es eine Antwort auf Netflix ist, weiß ich nicht, wir versuchen etwas anderes zu machen, wir wollen die Einfachheit wieder zurückbringen.“ Mit Joyn werde laut Conze mit 55 Kanälen das gesamte Fernsehuniversum dargestellt, zudem bereichern Originals das Angebot. „Im Winter werden wir ein Premium-Angebot starten und zehn weitere Originals  launchen“, verriet der ProSiebenSat.1 Media-Chef.

Kooperation statt Wettbewerb

Conze machte im Gespräch mit Wallner auch kein Geheimnis daraus, dass die Kooperation am deutschen Fernsehmarkt essenziell für den künftigen Erfolg sei. „Wir haben mit ARD und ZDF konstruktive Gespräche gehabt und die Rolle der beiden Sender ist wichtig, und die Aufgabe ist es, dass diese Inhalte auch so weit wie möglich verbreitet werden.“ Schließlich habe man rund 150 Millionen Euro investiert, „das macht man nicht mit dem kleinen Finger. Die Frage ist daher, ob man in einem Land selbst im Wettbewerb sein will oder sich zusammenschließt und dann größer und stärker ist, als jeder selbst in seinem Kämmerlein.“ Als weitere Beispiele nannte Conze zudem YouTube oder RTL. „Wir sind einer der größten YouTube-Inhalte-Erzeuger und andererseits mit Google im Wettbewerb. Man muss die Anknüpfungspunkte finden.“ 

Max Conze, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE, hat bei den österreichischen Medientagen im Talk mit Anna-Maria Wallner (Die Presse) .
Johannes Brunnbauer
Max Conze, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE, hat bei den österreichischen Medientagen im Talk mit Anna-Maria Wallner (Die Presse) .

Auch mit RTL wurde eine Zusammenarbeit gefunden. „Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, wir stehen seit den 1980er-Jahren in Konkurrenz. Aber die Welt hat sich verändert und wir haben gemeinsam ein Joint-Venture gegründet, um die digitale Reichweite gemeinsam zur Verfügung zu stellen. Das gibt uns Skalierung, die gegen Google & Co kompetitiver ist.“

Joyn kommt auch nach Österreich

Conze kündigte zudem an, dass Joyn auch Anfang des Jahres nach Österreich komme. „In Österreich wurde Zappn gelauncht, aus diesen Erfahrungen haben wir auch für Joyn viel lernen können.“ Investitionen seien speziell für kleinere Länder wie in Österreich noch viel schwieriger zu stemmen, meinte Conze, „daher müssen wir zusammenarbeiten und nicht gegeneinander.“

Auch der Launch von Puls24 war im Talk ein Thema. „Österreich hat eine enorm spannende Rolle, der Markt ist klein, das hat aber auch eine Stärke. Wenn ich in Wien bin, ist es unternehmerischer, es geht schneller. Wir können in Österreich so wie mit Puls24 etwas risikofreier ausprobieren und dann auch in großen Ländern darstellen“, erzählte Conze, der beim neuen Newssender einen neuen Weg geht: „Wir haben zuerst App und digital gedacht und dann erst an den TV-Sender.“

„Wir sind überreguliert“

Abschließend meinte Conze, dass man in Europa mit Kraft und Mut an neue Themen herangehen müsse. „Wir müssen uns mit Kraft unsere Zukunft erbauen und die wundervolle Vielfalt in Europa nützen“, so Conze, der aber auch Hürden sieht: „Wir sind überreguliert und oft nicht schnell genug in Europa.“

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