Mateschitz-Projekt: Rechercheplattform Addend...
 
Mateschitz-Projekt

Rechercheplattform Addendum wird eingestellt

Addendum

"Trotz erheblichen Mitteleinsatzes" sei es "insgesamt nicht gelungen ist, die Zielsetzungen der Stiftung in ausreichendem Maß zu erfüllen."

"Der Stifter kann seine Stiftung jederzeit widerrufen. Und dann ist es ganz aus", sagte Michael Fleischhacker noch im Juni zum HORIZONT über die "maximale Abhängigkeit" des Rechercheportals Addendum von Stifter und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Keine zwei Monate später ist es tatsächlich aus. Nach fast drei Jahren wird das Rechercheportal Addendum eingestellt. Das wurde von Red Bull via Aussendung am Dienstagnachmittag bekanntgegeben.

"Nach eingehender, von wechselseitiger Wertschätzung geprägter Diskussion sind Dietrich Mateschitz als Stifter der Quo Vadis Veritas Privatstiftung und Michael Fleischhacker als Geschäftsführer der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH zu dem einvernehmlichen Entschluss gekommen, die Aktivitäten der Stiftung und die Rechercheplattform Addendum einzustellen", so Red Bull in einer Aussendung.

Stark steigende Zugriffe in der Corona-Krise

Geschäftsführer Michael Fleischhacker zeigte sich zuletzt über stark steigende Zugriffe aufgrund der Corona-Krise und verbesserte Zusammenarbeit mit anderen Medien erfreut.

Der Grund für die Einstellung sei laut Red Bull, "dass es trotz erheblichen Mitteleinsatzes und einer Reihe erfolgreicher und relevanter Rechercheprojekte insgesamt nicht gelungen ist, die Zielsetzungen der Stiftung in ausreichendem Maß zu erfüllen und Dietrich Mateschitz beabsichtigt, die von ihm unterstützen journalistischen Aktivitäten stärker auf lösungsorientierte Projekte jenseits der politischen Alltagsauseinandersetzungen zu konzentrieren."

Überraschendes Ende

Die Idee für Addendum sei bei Gesprächen mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz geboren worden, sagte Fleichhacker im Juni dem HORIZONT: "Unser Thema in den Gesprächen war, dass es einen Vertrauensverlust in klassische Medien gibt, der einhergeht mit dem Vertrauensverlust in klassische Institutionen, wo der herkommt und was man dagegen tun kann." Viel von der Berichterstattung sei unvollständig und damit auch irreführend, so Fleischhacker. Diese Lücke wollte man schließen. 2017 wurde daher die Quo-Vadis-Veritas-Stiftung, die ­Addendum finanziert, gegründet. Im September dessselben Jahres wurden erste Recherchen auf Addendum publiziert.

Zuletzt arbeiteten mehr als 50 Personen bei dem Rechercheprojekt. Rainer Fleckl, Chef des Investigativressorts, hat sich bereits vor mehreren Wochen von dem Portal verabschiedet, um sich neuen Projekten bei ServusTV zu widmen.

Dort wird auch Michael Fleischhacker weiterhin als Moderator des Talk im Hangar-7 tätig sein, bestätigt man bei Red Bull gegenüber dem HORIZONT.

Die Mitarbeiter wurden am Dienstag vorsorglich beim AMS zur Kündigung angemeldet und darüber informiert, dass die Aktivitäten eingestellt werden.
 
Für einige der Mitarbeiter dürfte das Ende überraschend gekommen sein.

Erst im Mai 2020 wurde ein neues Design und Logo vorgstellt. Noch Ende Juli suchte man via Ausschreibung nach neuen Mitarbeitern
Ausschreibung auf Addendum Ende Juli
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Ausschreibung auf Addendum Ende Juli
Anfang August erfolgte sogar noch eine Neueinstellung in der Redaktion.
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