Mark Williams holt Leichen aus dem Keller
 

Mark Williams holt Leichen aus dem Keller

Ein "Focus"-Bericht zerrt Details über die Abo-Machenschaften von Premiere ans Tageslicht.

Knapp eine Millionen Karteileichen hat der neue Premiere-CEO Mark Williams im Rahmen seines "Strategic Review" aus dem Bestand gefischt. Demnach ist der Abostamm des Bezahlsender auf magere 2,41 Millionen direkte Abonnenten geschrumpft, die auch tatsächlich für ein Premiere-Abo bezahlen. Der Fehlbetrag an Abonnenten resultiert aus einer Geschäftspraktik, die laut "Focus" bereits zu Zeiten von Premiere-Ex-CEO Georg Kofler zur Einführung des Senders an der Börse praktiziert wurde - und die hieß: so hohe Abonnentenzahlen ausweisen wie möglich, egal ob die Abos bezahlt sind oder nicht. Dazu zählen vor allem B2B-Geschäfte folgender Fasson: eine Printkampagne in "Focus" wurde mit Premiere-Abos als Gegengeschäft verrechnet. Ob die Abos dann auch eingelöst wurden, war Nebensache, gebucht wurden sie jedenfalls. Auch die Hypo Vereinsbank wurde 2004 mit 15.000 Abopaketen für seine Mitarbeiter beliefert. Ein anderer Vertriebstrick war es, bestehenden Kunden  Gratis-Smartcards "fürs Kinderzimmer" zu schicken - auch diese Abos wurden als vollwertig gerechnet. Auch Hotel-Zimmer-Pay-TV-Zugänge wurden als 100-Prozent-Abos verrechnet, obwohl sie "gemäß Auslastung" nur zu 60 Prozent in Rechnung gestellt wurden.



Georg Kofler rechtfertigt sich, es gebe zwei Strategien im Umgang mit Abonnentenzahlen: Entweder "viele Kunden mit einem geringen durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz (APRU) zu gewinnen, oder wenige Kunden mti einem hohen APRU". Er habe sich damals für die erste Variante entschieden, Williams offenbar jetzt für die zweite.


Jetzt könnte Premiere eine Klagefront von Seiten der  Werbekunden bevorstehen - schließlich haben sie auf eine weitaus höhere Reichweite gebucht.
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