'Man kann sich beim Falter vieles kaufen'
 

'Man kann sich beim Falter vieles kaufen'

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Der "Falter" feiert sein 35-Jahr-Jubiläum mit einem Sonderheft über Journalismus - "Falter"-Geschäftsführer Sigmar Schlager im Gespräch mit HORIZONT online.

Eine publizisitsche Institution wird 35 Jahre. Der "Falter" feiert nicht mit einer unreflektierten Jubelnummer - sondern mit einem 96-Seiten starken Heft, das sich dem Thema Journalsimus widmet. Da schreibt Blattgründer Armin Thurnher über elf Kriterien journalistischer Qualität - und was der "Falter" damit zu tun hat. Florian Klenk brachte seine grundsätzlichen Gedanken über die Rolle der Medien in heiklen Strafprozessen wie in den Causen Fritzl und Kampusch auf Papier. Klaus Nüchtern zeigt, wie das "Falter"-Feuilleton gemacht wird - nicht ohne zu fragen, was denn Feuilleton überhaupt ist. Das Jubiläumsheft ist in der Ausgabe 38 zu finden, die am 19. September erschienen ist. Auch ein "Falter" braucht einen guten ökonomischen Unterbau um zu sein, was er eben ist - darüber und über die Zukunft des Falters sprach horizont.at mit Sigmar Schlager, Geschäftsführer des Falters.

HORIZONT online: Vielfach ist die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen in österreichischen Medien schon etwas verschwommen - Tendenz steigend. Wie gelang und gelingt es dem Falter einerseits auch kommerziell erfolgreich zu und andererseits nicht den ökonomischen Verlockungen von durch den Anzeigenverkauf "angeschobene" Geschichten zu erliegen?

Sigmar Schlager: Manche Verlockungen sind groß, die meisten bekommen wir aber ohnehin gar nicht mit, weil sich herumgesprochen hat, dass "verlocken" und "anschieben" bei uns einfach nicht möglich ist. Man kann sich beim Falter vieles kaufen, vor allem jede Menge Anzeigen, nur keine redaktionellen Geschichten. Wenn wir das dann erklären, führt dies fallweise zu großem Erstaunen, da eine Reihe von Leuten grundsätzlich davon ausgeht, dass jede Geschichte, die in einem österreichischen Printmedium erscheint, von Jemanden gekauft bzw. aus einer ökonomischen Interessenslage heraus von Dritten "angeschoben" ist. Da fragt man sich dann manchmal etwas erstaunt, wie kommen die Leute überhaupt auf die Idee, man könne Artikel kaufen und bei wem haben sie das eigentlich schon erfolgreich versucht?

HORIZONT online: "Geschobene Geschichten" - funktioniert das überhaupt, oder bemerkt das der Leser ohnehin?

Schlager: Abgesehen von moralischen Gründen bin ich überzeugt davon, dass die zumindest durchschnittlich gebildeten Leser das bemerken, vielleicht nicht unmittelbar bei einem einzelnen Artikel, aber insgesamt verliert ein Medium durch "geschobene" Geschichten aber an Glaubwürdigkeit bei den Lesern, damit seine Leser-Blatt-Bindung und am Ende seine Leser. 41 Prozent der Falter-Leser haben einen Hochschulabschluss, weitere 21 Prozent besuchen derzeit eine Hochschule oder Universität, die würden sehr schnell merken, wenn bei unseren Artikeln im obigen Sinn was nicht stimmen würde. Der "Falter" war in den letzten 35 Jahren erfolgreich, weil der überwiegende Teil der werbetreibenden Wirtschaft unsere Haltung honoriert und weiß, dass wir bei unseren Lesern ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit besitzen und das wiederum auf die Glaubwürdigkeit ihrer Marken und Angebote rückwirkt. So manche Krise haben wir nicht zuletzt aber auch durch eine Art von Zivilgesellschaft überstanden, in dem vermögende Leute gesagt haben: wir schätzen, was ihr macht und wie ihr den "Falter" macht, das ist für uns wichtig, das ist für das Land wichtig, wir helfen euch.

HORIZONT online: Journalismus ist zunehmend zu einem Geschäft geworden. Der "Falter" ist ein Verlagsprodukt im besten Sinne. Wie beurteilen Sie die Zukunft von Medien wie den "Falter" - werden die weiterhin gefragt sein?

Schlager: Beides findet seit geraumer Zeit statt, wird sich fortsetzen und weiter zuspitzen: Die Tendenz hin zu "Trash-Medien" ist unübersehbar, da scheint noch vieles möglich und der sattsam bekannte, dunkle Fleck auf der Hose des Bankräubers war da wohl erst der Anfang. Das ist und wird zunehmend allerdings auch ein Vorteil für seriöse Medien, weil sich immer mehr Leser von den "Trash-Medien" abgestoßen fühlen und merken, dass sie einen Teil ihrer Zeit mit etwas verbringen, was sie weder entsprechend unterhält noch irgendeinen Informations- oder Erkenntniswert hat. Diese Leser greifen vermehrt zu seriösen Medien, das werden immer mehr werden und die gilt es für den "Falter" zu gewinnen. Schwierig wird es für Medien, die sich aufgrund ihrer Positionierung irgendwo zwischen "Trash" und "seriös" befinden, dieser Spagat kann nicht gelingen und sie werden vom Markt verschwinden.

HORIZONT online: In der Werber-Sprache gefragt: Wie würden Sie den Markenkern des Falter beschreiben?

Schlager: Urban, lebensfreudig, aufgeschlossen, kritisch, glaubwürdig, kompetent.

HORIZONT online: Wie wird sich der Falter in Zukunft weiter entwickeln - auch reichweitentechnisch?

Schlager: Der "Falter" wird natürlich noch besser werden, da gibt es auch inhaltlich Ausbaumöglichkeiten zur Genüge. Die, die wir sehen, verraten wir allerdings nicht. Seit Mitte April dieses Jahres erscheint der "Falter" auch als E-Paper und als App für iOS, da wird auch noch einiges kommen, wir sprechen darüber, wenn wir soweit sind. Ad Reichweite: da ist noch mehr als genug drinnen, aber vielleicht findet sich auch mal jemand, der die bestehende messen kann, wir zahlen dafür sofort 25.000 Euro.
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