Magazinmarkt: So liest Österreich
 

Magazinmarkt: So liest Österreich

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Für traditionelle Printmedien ist die Zahlungsbereitschaft der Österreicher nach wie vor hoch – online sind die heimischen Leser weniger großzügig.
Für traditionelle Printmedien ist die Zahlungsbereitschaft der Österreicher nach wie vor hoch – online sind die heimischen Leser weniger großzügig.

Österreicher vertrauen auf journalistische Inhalte in Magazinen, wobei sie diese gerne auf Papier – aber auch in digitaler Form – konsumieren.

Dieser Artikel ist zuerst in HORIZONT 19/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

In der Onlinewelt kämpfen Werbetreibende mit AdBlockern und Brand-Safety-Problemen, während User gegen Fake News und Filterblasen anschwimmen müssen – allesamt Probleme, die das klassische Printmedium nicht kennt. Im Jahresbericht 2017 des ÖZV wird dazu der „Reuters Institute Digital News Report“ zitiert, laut dem in Österreich für 48,3 Prozent der Befragten Vertrauen in Nachrichten wesentlich mit einer traditionellen Nachrichtennutzung verbunden ist. Auch ist die Zahlungsbereitschaft für gedruckte Medien – nämlich für 57,8 Prozent der Befragten – hierzulande besonders hoch, während nur 7,4 Prozent für Onlinenachrichten bezahlen würden.

Dass die Magazine in Österreich nicht nur durch Haptik, sondern auch durch ihre journalistischen Inhalte punkten, zeigt wiederum erstens der stark wachsende Markt für E-Paper (siehe Artikel rechts), zweitens eine Studie der digitalen Magazin-Flatrate Readly. Hier wurde die durchschnittliche Lesezeit digitaler Magazine in der App ermittelt – mit dem Ergebnis, dass die Österreicher europaweit Rekordhalter sind: Durchschnittlich stöbern die Österreicher acht Stunden pro Tag in digitalen Magazinen, mehr als die Deutschen oder die Iren. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 7,5 Stunden.

Am liebsten lesen die Österreicher der Readly-Studie zufolge in digitaler Form Frauenmagazine, wie wienlive, look! und Woman, gefolgt von Männerzeitschriften und Technik- und Entertainmentmagazinen. Pro Readly-Session verbringen die Österreicher der Studie zufolge 21 Minuten mit den digitalen Magazinen. Entkräftet wird auch das Vorurteil, dass E-Paper allein Sache der jungen Leser sind: Mit 29 Prozent ist das Gros der Readly-Leser zwischen 40 und 49 Jahre alt.

Verschiebung am Markt

Ein umfangreicheres Bild auf den heimischen Magazinmarkt bietet wiederum die aktuelle Media-Analyse, die im April erschienen ist – und dem Magazinmarkt deutlich stärkere Verschiebungen attestiert als dem Segment der Tageszeitungen: Drei Wochen- und Monatstitel mit signifikanten Zugewinnen und acht Titel mit signifikanten Einbußen werden bei der aktuellen Erhebung ausgewiesen.

So konnte im Jahresvergleich die Stadtzeitung Falter deutlich von 1,6 auf 1,9 Prozent Reichweite zulegen; ebenso verbesserte sich der Titel Terra Mater aus dem Red Bull Media House von 1,8 auf 2,2 Prozent Reichweite, der Falstaff konnte seine Reichweite von 2,2 auf 2,7 Prozent signifikant verbessern. Durch die Bank handelt es sich dabei um Titel, die durch eine Fokussierung auf klare Themen und Zielgruppen punkten. Breiter konzipierte Titel mussten hingegen bei der Media-Analyse Rückschläge hinnehmen – darunter das Nachrichtenmagazin News der VGN, welches in der Media-Analyse auf einen Reichweitenrückgang um 0,8 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent Reichweite kam; TV Media kam in der aktuellen Media-Analyse auf ein Reichweitenminus um 1,8 Prozentpunkte auf 8,80 Prozent Reichweite. Einbußen bei der jüngsten Media-Analyse gab es jedoch nicht nur bei der Verlagsgruppe News, sondern auch bei der Mediengruppe Österreich: Die Österreich-Kombi (Kauf/gratis) verlor um 0,90 Prozentpunkte auf 7,70 Prozent Reichweite, die Österreich- Wochenend-Kombi um 0,80 Prozentpunkte auf 7,50 Prozent Reichweite, das Magazin Madonna zeigte ein Minus von 0,3 Prozentpunkten auf 1,10 Prozent Reichweite.

Angeführt wird das Ranking der wöchentlich und zweiwöchentlich erscheinenden Magazine vom kostenlosen Weekend Magazin mit 12,7 Prozent Reichweite, die Media-Analyse der monatlich erscheinenden Magazine und Illustrierten wird vom Red-Bull-Titel Servus in Stadt & Land angeführt, gefolgt vom The Red Bulletin, Gusto und Geo.

Die Zahlen zeigen: Die Österreicher lesen – vor allem in Bezug auf die seltener erscheinenden Monatstitel – gerne schöne Dinge, die sich um Freizeit, Kochen und Reisen drehen. Im Trend sind Magazine, die klare Zielgruppen und Themen bedienen – wobei Luxus-Titel wie Falstaff ebenso zu den Gewinnern gehören wie der kritische Politikfokussierte Falter.

Entscheider sind anders

Dass Entscheidungsträger wiederum ein gänzlich anderes Leseverhalten haben, zeigt die aktuelle Leseranalyse Entscheidungsträger (LAE) von März 2018. Unter dieser Zielgruppe gaben 44,0 Prozent an, an österreichischer Innen- und Wirtschaftspolitik „sehr interessiert“ zu sein, gefolgt von sehr großem Interesse an Berichterstattung über österreichische Wirtschaft und Unternehmen (39,0 Prozent) und internationale Politik (36,3 Prozent). Im Mainstream beliebte Themen, wie Medizin/ Gesundheit/Wellness oder Mode/ Styling/Design/Lifestyle, finden nur 21,40 beziehungsweise 9,60 Prozent der Entscheidungsträger sehr interessant. Passend dazu sind unter den Wochentiteln die Zeitungen der WKO mit 24,7 Prozent Cross-Media- Reichweite der Platzhirsch, bei den Monatstiteln ist es der Gewinn mit 23,6 Prozent Cross-Media-Reichweite. Entscheidungsträger sind eben anders – nicht nur in Bezug auf Einkommen und Hobbys, sondern auch bei den Lesegewohnheiten.

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