Magazinmarkt: E-Papers ziehen an
 

Magazinmarkt: E-Papers ziehen an

Marco Govel / Westend61 / picturedesk.com

In Österreich und Deutschland wächst das Geschäft mit E-Paper-Magazinen langsam, aber stetig.

Dieser Artikel ist zuerst in HORIZONT 19/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Elektronische Zeitschriften sind ein Feld, das stetig wächst – das zeigen unter anderem die Zahlen der österreichischen digitalen Zeitungstrafik kiosk.at: Im Jahr 2011 war der digitale Zeitungsstand noch mit bescheidenen 25 Publikationen gestartet, aktuell sind im Austria- Kiosk 348 Publikationen verfügbar. Allein im letzten Jahr sind rund 80 neu hinzugekommen. Laut APAUnternehmenskommunikation sind derzeit rund 30.000 User auf kiosk.at registriert, allein in den vergangenen zwölf Monaten wurden 5000 Neuregistrierungen verzeichnet. Bezüglich der Verteilung der abgerufenen Top- Medien heißt es von der APA, dass die Top-20-Titel 50 Prozent aller Abrufe ausmachen – dazu zählen die überregionalen und regionalen Tageszeitungen sowie auch Monats- und Wochenmagazine. Die Nutzungshäufigkeit ist großteils vergleichbar mit der Verteilung der Printauflagen. Für das laufende Jahr erwartet die APA für den Austria-Kiosk eine Umsatzsteigerung von rund 40 Prozent.

Betont wird von der APA auch, dass der Austria-Kiosk im vergangenen Jahr „seinen bisher größten Innovationsschub“ erfuhr, indem der digitale Zeitungsstand nun auch individuelle Empfehlungen gibt und Trendartikel im Web ermittelt. Damit einher ging auch, dass für mobile Endgeräte mit den Betriebssystemen iOS und Android Ende 2017 neue Apps veröffentlicht wurden, seit Jänner 2018 erscheint auch die Website kiosk.at in neuem Design. „Der Austria- Kiosk ist perfekt auf die Bedürfnisse der wachsenden digitalaffinen Leserschaft ausgerichtet“, bekräftigt Produktmanagerin Susanne Pointner.

Das Vorschlagsystem im neuen Austria-Kiosk ist dabei in zwei Rubriken gegliedert: Der Bereich „Empfehlungen“ orientiert sich primär an den persönlichen Interessen der User, die diese selbst definieren können. Ergänzt wird die Personalisierung durch ausgesuchte Lese-Tipps von APA-DeFacto. Als Gegenstück dazu listet die zweite Vorschlagsrubrik „Trending“ jene aktuellen Artikel, die in sozialen Medien aktuell besonders oft geteilt, geliked und kommentiert werden. Der Einzelartikelabruf wird laut APA sehr gut angenommen – noch sei es aber zu früh, konkrete Zahlen zu nennen.

Dass E-Paper vor allem bei Magazinen ein Wachstumsmarkt sind, bestätigen auch die aktuellen Zahlen der ÖAK: Bei nahezu allen Medienhäusern wurden von 2016 auf 2017 Kaufzuwächse im zweistelligen Prozentbereich verzeichnet. Platzhirsch bei den wöchentlich erscheinenden Kaufmagazinen ist News mit einer entgeltlichen Digitalauflage von 16.803 (Jahresschnitt 2017), gefolgt von profil mit 15.283 Exemplaren (Jahresschnitt 2017).

Blick ins Ausland

Und auch ein Blick nach Deutschland zeigt, wie der Markt für digitale Magazine wächst: So sind die verkauften E-Paper-Auflagen laut IVW von 398.763 Exemplaren im zweiten Quartal 2013 auf 1.207.122 Exemplare im zweiten Quartal 2017 gestiegen (siehe Grafik). Das Ranking der Zeitschriften wird hier klar angeführt vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel, das auf eine E-Paper-Auflage von 66.188 Exemplaren im ersten Quartal 2018 kommt, gefolgt von Focus mit 35.657 Exemplaren und der WirtschaftsWoche mit 30.608 Exemplaren.

Allerdings betonten laut einer Umfrage von IfD Allensbach 2016 in Deutschland auch 56,7 Prozent der Befragten, dass sie Zeitungen und Zeitschriften noch immer grundsätzlich lieber auf Papier als auf dem Bildschirm lesen; 50,3 Prozent gaben an, dass sie generell nicht bereit sind, für Informationen im Internet zu bezahlen. Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom gab im gleichen Jahr der Großteil der Befragten (37 Prozent) an, in den vergangenen zwölf Monaten nicht für Nachrichten im Web bezahlt zu haben. Digitale Zeitschriften erleben also einen Aufschwung – doch ihr Weg in die Masse ist lang.

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