Magazine: Hat die letzte Schlacht begonnen?
 

Magazine: Hat die letzte Schlacht begonnen?

Kommentar von Walter Braun

Es hat den Anschein, als würden Printmedien ihre Existenz stärker denn je rechtfertigen müssen. Vor Kurzem stellte der französische Medienkonzern Hachette Filipacchi das britische Mädchenmagazin Sugar ein, um sich in diesem Bereich ausschließlich auf die Website zu konzentrieren. Junge Leute, so die Begründung, kaufen nicht länger Magazine. Das denkt offenbar auch ein anderer französischer Verlag: Lagardère verkaufte dieser Tage 102 Magazinausgaben in 15 Ländern (inklusive der bekannten Elle) an die US-Gruppe Hearst, die damit auf circa 300 Titel kommt. 

Im Überlebenskampf scheinen nur noch Größe und dadurch erzielbare Synergien zu zählen (Lagardère selbst konzentriert sich künftig auf den Titel Paris Match und Sportmarketing). Ähnlicrdh kalkuliert wohl auch Rupert Murdoch, dessen Medienimperium ursprünglich auf Tageszeitungen beruhte, ehe er die US-Filmfirma 20th Century Fox kaufte und auf deren Rücken ins TV Geschäft expandierte.

Als Anfang der 90er-Jahre die Wirtschaftsschwäche den Schuldenberg der News Corp nach dem teilweisen Kauf eines britischen Sat-TV-Betreibers zu drückend werden ließ, stieß er als erstes eine Reihe von Magazinen ab. Der Medienmogul sah klar die Zukunft im Fernsehen, als er sich in den 90er-Jahren mit Star TV nach Asien ausdehnte.

Rupert Murdoch ist vom Typ her weder Visionär noch riskanter Innovator; seine ganze Konzentration war bis dato ausschließlich auf starke Medienmarken und intensives Marketing gerichtet. Das Internet verschlief er anfangs und stieg mit dem überteuerten Kauf von MySpace erst verspätet in den Online-Markt ein. Doch dieser Tage preschte er mit dem Start von The Daily vor, einer Tageszeitung, die völlig für das iPad (und ähnliche Tablet-Computer) konzipiert worden ist.

Den Vorstoß begründete Murdoch kurz und bündig mit: „Neue Zeiten verlangen einen neuen Journalismus.“ Soll heißen, dass Meldungen dank der Digitaltechnik heutzutage integriert Text + Grafik + Fotos (360-Grad-Bilder!) + Ton + HD-Video bieten sollten. Ein Wochenabo ist spottbillig (ungefähr 75 Cent), aber es ist nicht gratis. Rund die Hälfte der erhofften Einnahmen sollen über die Werbung kommen. Murdoch rechtfertigte den Billigpreis mit starken Einsparungen bei Druck, Papier und Vertrieb; die digitale Tageszeitung, sagte er, würde pro Woche weniger als 500.000 Dollar Aufwand verursachen.

Und er fügte noch hinzu: „Wir können und müssen Nachrichtenberichterstattung wieder lebensfähig machen.“Die neue Tageszeitung ist ein außerordentlich komplexes Produkt, dessen volle Nutzung richtiggehend erlernt werden muss – vermutlich werden sich traditionelle Tageszeitungsleser das nicht antun wollen. Andererseits könnte man The Daily als zukunftsweisend und als die erste Tageszeitung des 21. Jahrhunderts betrachten.

Das Glück für Print: Einmal gelerntes Verhalten wird nicht so leicht aufgegeben. Das gilt allerdings auch für die nachfolgende Generation, die mit digitalen Medien groß geworden ist …

Walter Braun
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