"Mache mir keine Sorgen"
 

"Mache mir keine Sorgen"

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Medientage 2013: Gerhard Zeiler im Gepräch mit HORIZONT-Herausgeber Sebastian Loudon

Zum Thema "Medien, Macht und Ökonomie - das teuflische Dreieck" interviewte HORIZONT-Herausgeber Sebastian Loudon das österreichische Aushängeschild der TV-Branche Gerhard Zeiler, President Turner Broadcasting International, ehemals  Geschäftsführer von Tele5, RTL II und RTL, sowie vier Jahre Intendant des ORF und neun Jahre CEO der RTL-Group.

Statements von Gerhard Zeiler:

Zu Medien und Politik:

"Ich habe wohl schon an die hundert Kongresse weltweit besucht – von Deutschland über Österreich, Amsterdam, Zagreb bis Bali. Der Nachteil, es gibt viele Wiederholung von den immer gleichen Personen und immer wieder die unnötige Frage: Ist das Fernsehen endlich tot?"

"Mediale Inszenierung gehört dazu, aber das wichtigste: ein Politiker muss selbstbewusst eine eigene Meinung haben und darf sich nicht ausliefern und nur darüber sprechen, was er glaubt was Medien, sprich der Wähler hören will. Wir brauchen unabhängige Medien und unabhängige Politiker."

"Van der Bellen oder auch Schüssel waren Politiker, die sich dem Druck der Medien auch entzogen haben, das finde ich richtig, weil jeder hat seine ganz eigene Aufgabe."

"Egal ob Boulevard oder Qualitätsjournalismus, wichtig ist es einen USP eine starke Marke aufzubauen."

"Früher hat mein Großvater gesagt: Das stimmt, weil es kommt aus dem Radio. Dieses absolute Vertrauen der 60er bei dem aktuell riesigen Spektrum journalistischer Stimme, ist heute nicht mehr angebracht."

"Dass in Österreich soviele Wahl-Konfrontationen stattgefunden haben finde ich großartig. In Deutschland war es definitiv mit einer Sendung zu wenig. Und die Kombi öffentlich-rechtliche kooperieren mit Privaten ist in Österreich schwer vorstellbar."

Zum Thema: Wo kommt der Content her?

"Ich breche heute eine Lanze für TV. Noch nie gab es soviel und soviel gutes Fernsehen wie heute. Bücher haben einen moralischen Heiligenschein, im TV ist es umgekehrt."

"Leider kommt wenig gute Fiction aus dem deutschsprachigen Raum. Stark ist Skandinavien mit "Borgen" oder "The Killing". Hier gab es auch früher den "Mundl", "Kaisermühlen Blues", "Tatort"-Folgen. Ich denke man muss den lokalen Bezug finden, dort liegt der Erfolg. Ein Punkt ist auch die Kreativität: Im angloamerikanischen Raum wird Aufmucken und gegen den Strich gefördert, sprich alles ist erlaubt, was verboten ist. In Deutschland gilt eher es ist alles verboten, was nicht erlaubt ist." Seine aktuelle Lieblingsserie ist übrigens "Newsroom".

Zu Österreichs Medienmarkt aus der Ferne

"Österreich ist etwas anders", fügt Zeiler schnell noch an, der so meint er gegen Ende, als einer der stetig im Ausland ist, zum glühenden Österreich-Fan geworden ist. Ein Geheimnis: "Man sollte nicht zuviele österreichische Zeitungen lesen", allerdings outet er sich gleich darauf als Fan des digitalen "Presse"-Auftritts.

Weiter: "Ich bin ein Fernsehmann, wünsche mir aber eine starke Zeitungslandschaft. Frage mich aber, warum man nicht schon früher reagiert hat. Denn die Krise war nicht unerwartet. Den Zug von Paid Content hat man wohl leider verpasst, aber mit einer starken Marke hätte man früher darauf setzen sollen."

"Für die Größe des Landes hat der Medienmarkt in Österreich eine außergewöhnliche Stellung. Der öffentlich-rechtliche Rundfunkt ist größer und stärker als der Größe des Landes entspricht, eine Krone ist extrem erfolgreich, der Standard war vor 20 Jahren eine sehr erfolgreiche Gründung und die Fellner-Brüder haben den deutschen Magazinen mit der News-Gruppe etwas entgegen gesetzt. Ja, alle müssen sich verändern, aber man muss auch sehen, der Markt hier ist stark. Ich mache mir keine Sorgen."
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