MA 10 widerspricht Aussagen der "Kronen Zeitu...
 

MA 10 widerspricht Aussagen der "Kronen Zeitung"

Flickr/Ralph Aichinger
Die "Kronen Zeitung" wird laut Media-Analyse täglich von mehr als zwei Millionen Menschen gelesen.
Die "Kronen Zeitung" wird laut Media-Analyse täglich von mehr als zwei Millionen Menschen gelesen.

Die "Krone" veröffentlicht den Namen einer Mitarbeiterin der Stadt, die daraufhin per Telefon und Mail belästigt wird. Die "Krone" sagt, man würde das immer so bei "höherer Magistratsbeamten" machen. Jetzt erklärt das betroffene Magistrat gegenüber HORIZONT: Die Mitarbeiterin hatte nie eine leitende Funktion.

Im Oktober hat der Medienwatchblog kobuk.at ein Vernehmungsprotokoll aus der Wiener Magistratsabteilung 10 (MA 10) veröffentlicht und dabei vergessen, den Nachnamen einer betroffenen Person zu schwärzen. Dabei ging es um eine Pädagogin, die angeblich gekündigt wurde, weil sie Kindern das Weihnachtsfest erklärt habe. Auf Twitter machte "Krone"-Redakteur und der Berater des Herausgebers, Richard Schmitt, recht hämisch auf den Fehler aufmerksam. Daraufhin schwärzte kobuk.at den Namen nachträglich und entschuldigte sich für den Fehler am Ende des Artikels. 

Gestern berichtete HORIZONT, dass Schmitt selbst im gleichen Fall den Namen einer Magistratsbeamtin veröffentlichte. Bereits im August erschien ein Artikel in der "Kronen Zeitung", in dem auf einem Faksimile der vollständige Vor- und Nachname der Verhandlungsleiterin der Vernehmung zu sehen war. "Krone"-Mann Schmitt erklärte gegenüber HORIZONT: "Wir nennen sehr häufig die Namen höherer Magistratsbeamter, wenn wir über deren Aufgabengebiete berichten. Somit war das auch in diesem Fall nicht ungewöhnlich."

Nun erklärt die MA 10 gegenüber HORIZONT: Die in dem "Krone"-Artikel abgedruckte Mitarbeiterin ist nie in einer leitenden Funktion tätig gewesen. "Sie ist eine ganz normale Mitarbeiterin in der Abteilung Personal", sagt Daniela Cochlár, Abteilungsleiterin der MA 10 Wiener Kindergärten. Die Mitarbeiterin habe die Verhandlung geführt, weil das zu ihrem Aufgabenbereich gehöre. "Das ist keine Chefsache", so Cochlár. Und selbst wenn die betroffene Mitarbeiterin die Personalchefin gewesen wäre, sieht Cochlár keinen Grund, ihren Namen zu nennen. "Das sind interne Angelegenheiten." Denkbar wäre es auch gewesen, dass die "Kronen Zeitung" das Protokoll druckt und den Namen der Mitarbeiterin schwärzt - die Info wäre die gleiche gewesen. 

Nachdem der Name der Mitarbeiterin in der "Kronen Zeitung" erschienen war, sei diese mit Anrufen und Mails belästigt worden - viele von ihnen enthielten Beleidigungen, sagt Cochlár. Schließlich musste sie aus dem öffentlichen Telefonverzeichnis der Stadt herausgenommen werden - "um sie zu schützen". Auch andere Mitarbeiter der Abteilung seien belästigt worden, auch sie selbst, so die Abteilungsleiterin. Sämtliche Mails und Anrufe, die keine Beleidigungen enthielten, habe man versucht sachlich zu beantworten. Auf alles andere sei man nicht eingegangen. 
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