Lucky Guys
 

Lucky Guys

Editorial von Birgit Schaller, stellvertretende Chefredakteurin (HORIZONT 30/2013)

Er ist hochenergetisch und voll Enthusiasmus, ein Kämpfer, der sich mit Selbstverachtung ins tägliche Gemetzel wirft. Tom Hanks fegt als „Lucky Guy“ und Journalist Mike McAlary über die Bühne und reißt dabei Mitspielende wie Zuseher in einer temporeichen Broadway-Inszenierung von den Sesseln. „Lucky Guy“ ist eine echte Liebeserklärung an den Vollblut-Journalismus und hat mich im Innersten gepackt. Autorin des Stücks ist die 2012 verstorbene Nora Ephron, selbst lange Jahre Journalistin. „Sie kannte die Menschen, den Job, die Zeit. Sie schrieb für die New York Post, war Teil von alldem“, zollt Oscar-Gewinner Tom Hanks Ephron Tribut, die auch Autorin des Megaerfolgs „Sleepless in Seattle“ ist und 2012 zu früh verstarb.

Bei der ganzen Diskussion um die Herausforderungen der Medien dürfen wir eines nicht ­vergessen: Journalismus ist ein emotionaler Job. Ein Job, den nur macht, wer sich auseinandersetzen möchte – mit der Welt, ihrem Sein, Werden und Vergehen und vor allem mit Menschen; am Ende auch mit sich selbst. Auslöser für diese Berufsentscheidung sind heute wie damals ­Typen wie McAlary. Für mich war es Oriana ­Fallaci, die polarisierende italienische Politjournalistin der 80er-Jahre und spätere Schriftstellerin. Deren Exzellenz zu erreichen und vielleicht ein klein wenig Einfluss auf den Lauf der Dinge
nehmen zu dürfen, ist ein weiter und beschwerlicher Weg, aber er ist es wert, gegangen zu werden. Es braucht große Ziele, um in Bewegung zu kommen.
Der erste Schritt ist so schwierig wie einfach. Um es mit den Worten des Keynote Speakers des ­werbeplanung.at Summit, Rainer Esser vom ­Zeitverlag, auszudrücken: „Es braucht mehr Liebes­erklärungen und Leidenschaft für das Kern­produkt, mehr Enthusiasmus und Stolz in der Art, wie ihn Autobauer und Uhrenmacher auf ihren Werkspräsentationen zur Schau tragen.“ Der Oldschool-Journalismus, die Zeiten der Lucky Guys, die in zigarettenverqualmten und Whiskey-schweren Bars ihre Informanten trafen und so korrupte Polizisten hinter Gitter brachten, wie McAlary, mag vorbei sein. Aber ­hinausgehen, mit den Menschen sprechen, beobachten und eine sensible Neugierde zu zeigen, alle dies bleiben zentrale Elemente unserer Zunft. Und die Begeisterung am Metier, am Beruf Journalist lebt – man blicke nur auf die sprühende, ­blühende Bloggerszene.

Glücklich schätzen ­können sich jene Medienunternehmen, die ihre Kanäle mit Inhalten leidenschaftlicher Mitarbeiter füllen können. Gute Inhalte stärken die Marke, und gerade jetzt wollen Marken mit Leben und Kraft erfüllt sein. Dass hierfür das Commitment der Chef­redakteure, Manager und Geschäfts­führer und eine Reihe weiterer Basisvoraussetzungen notwendig sind, besprechen wir bei nächster Gelegenheit!
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