Louise Robert: Die erste bekannte politische ...
 
Louise Robert

Die erste bekannte politische Journalistin

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'Die Tyrannen sind niemals geschickt, nur dann, wenn die Völker unwissend oder korrumpiert sind.' Mit diesem Satz öffnet der erste Leitartikel der ersten bekannten politischen Journalistin Louise Robert am 22. April 1791 in der Zeitung 'Mercure national et étranger'.

Robert (1758 -1822), geborene de Kéralio und eine Kämpferin für die Pressefreiheit, war auch als Übersetzerin und Autorin tätig. Bereits 1789 war sie als stille Partnerin im Verlagswesen tätig, das trotz der Erklärung der Menschenrechte formal keine Partizipation von Frauen vorsah. 1791 schien Louise Robert dennoch als erste Herausgeberin einer täglich erscheinenden Zeitung, dem "Mercure national et étranger", auf.


Mitten in den unüberschaubaren Umwälzungen im Bereich des Druckerwesens gelang es der politisch aktiven Revolutionärin einerseits das politische Tagesgeschehen einer kritischen Prüfung zu unterziehen, gleichzeitig wies sie in ihren Beiträgen auf die zentrale Rolle der Kultur für die politische Bewusstseinsbildung der Bevölkerung hin.

In ihren Rezensionen zu Theaterproduktionen und der neuesten politischen Literatur, darunter Thomas Paines Rights of Man, lässt sich auch heute noch ihr Eintreten für die Entmachtung von Adel und Monarchie, das Ende der Ausbeutung der Arbeiterschaft und die Gleichheit der Geschlechter nachlesen. An erster Stelle zur Erreichung dieses Ziels stand ihr Kampf für die Errichtung der Französischen Republik - ihr Einsatz dafür zwang sie immer wieder zur Flucht.

Ausgezeichnete Dissertation über Robert

Bisher wurde der Revolutionärin des späten 18. Jahrhunderts auf wissenschaftlicher Ebene aufgrund ihrer teils historischen Romane Beachtung geschenkt, die journalistische Tätigkeit wurde am Rande zwar erwähnt - eine eingehende Analyse ihrer politischen Artikel, in der sie für demokratische Grundsätze eintrat, blieb allerdings bisher aus.

Eine derartige Auseinandersetzung mit den unbearbeiteten historischen Texten liegt nun vor: Barbara Litsauer setzte sich in ihrer Dissertation an der Universität Wien mit der Journalistin auseinander, wofür sie mit dem Theodor Körner-Förderpreis ausgezeichnet wurde. Als Quellenmaterial dienten Louise Roberts Zeitungsausgaben aus dem Frühjahr 1791. Sie umfassen mehr 1.200 Seiten des Journals, dies entspricht 76 Zeitungsausgaben, in denen zusätzlich unter 17 Artikeln Louise Roberts Name zu finden ist.

Bis heute ist Louise Robert kaum bekannt, für die Politikwissenschafterin Litsauer scheint dies wenig nachvollziehbar und bedauernswert. Während in der Geschichtsschreibung oftmals die gleichen weiblichen Figuren der Französischen Revolution wiederholt angeführt würden, scheint der Erforschung bisher unbekannter Aktivistinnen wenig Aufmerksamkeit geschenkt zu werden, erklärte sie gegenüber der APA anlässlich des Internationalen Frauentags (8. März) . "Dabei handelt es sich bei Louise Robert noch dazu um eine politische Akteurin, die einen deutlichen Schwerpunkt auf demokratische Grundprinzipien legt, während andere, wesentlich öfter angeführte Akteurinnen hier durchaus demokratiepolitisch problematischere Haltungen aufweisen", so Litsauer.

Einen Beitrag, diese Frauenfigur in den wissenschaftlichen Diskurs einzuführen, hat Litsauer geliefert: Ihr Werk "Louise Robert - eine Journalistin inmitten des Geschehens der Französischen Revolution. Vivre libre ou mourir" erscheint in einer Buchreihe des Instituts für Wissenschaft und Kunst (IWK) im Frühjahr im Praesens-Verlag. Darin sind erstmals auch Übersetzungen der 17 Artikel Louise Roberts ins Deutsche zu finden.

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