Lernen Sie Bescheidenheit! Und Respekt!
 

Lernen Sie Bescheidenheit! Und Respekt!

J. Brunnbauer
Hans-Jörgen Manstein, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Manstein Verlag.
Hans-Jörgen Manstein, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Manstein Verlag.

Kommentar von Hans-Jörgen Manstein.

Zu den Grundtugenden des Journalismus zählen Neugierde, Offenheit und Seriosität, Bescheidenheit und Willen zur Aufklärung. Journalisten, die sich selbst inszenieren und sich über ihr Medium erhöhen, haben den Pfad der Aufrichtigkeit verlassen.

Zu den Grundtugenden und Privilegien von öffentlich-rechtlichen Unternehmen zählt Mut zur Aufklärung, Vermittlung von Bildung, Wissen und kritischem Denken ohne Einflussnahme eines Eigentümers. Öffentlich-rechtliche Unternehmen haben keinen Eigentümer, sie gehören sich selbst. Ihr Kontroller ist der Souverän. Wir.

Öffentlich-rechtliche Unternehmen sind keine Staatsunternehmen, auch wenn die herrschenden Parteien noch immer so tun, als sei dem so und manche Intendanten und Führungskräfte als vorauseilende Diener sich gebärden.Demokratie fußt auf dem Prinzip der Gewaltenteilung. Und ist als Parlamentarismus dem Check & Balance verpflichtet. Das sollten Journalismus und öffentlich-rechtliche Unternehmen auch sein.

Beides – zurückhaltender, der Aufklärung verpflichteter Journalismus, Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Unternehmens – scheint in jüngster Zeit mehrmals durchbrochen zu sein. Zügellosigkeit, Menschenverachtung und Verlassen des öffentlich-rechtlichen Pfades und des Programmauftrages sind die Folge.

Selbsternannte Stars, die noch dazu gegen ihren Dienstauftrag gewissermaßen private soziale Kanäle bespielen und mit Gerüchten und süffisanten Kommentaren agieren, nutzen die Bildschirmpräsenz zur Entfesselung der eigenen Vorlieben, Machtdünkel und Überlegenheitszwänge. Das bringt weder den Zusehern etwas – außer vielleicht Abscheu – noch dem Interviewten. Das öffentliche inquisitorische Anklagen von rechtlich unbescholtenen Menschen, die noch dazu nachweislich viel für ihr Land getan haben, ist nicht nur eine moralische Ungehörigkeit, es ist schlichtweg Verletzung aller ethischen journalistischen Codes.

Ein Arbeitgeber, der dies zulässt, handelt wider die eigenen Vorschriften und ethischen Normen.

Privatsender mögen tun, was ihnen recht erscheint und ihre Stars inszenieren. Sie sind niemandem außer dem Ertrag verpflichtet. Der Quote.

Öffentlich-rechtliche Unternehmen haben davon die Finger zu lassen. Erstens erhalten sie vom Souverän – also von uns – ordentliche Gebühren, um sich zu finanzieren und können obendrein noch Werbegelder lukrieren. Und zweitens sind sie einem aufklärerischen Programmauftrag verpflichtet. Und natürlich der Menschenwürde, oder weniger euphemisch gesagt dem, was man Anstand nennt.

Medien sind keine Richter. Wenn sie sich diese Rolle anmaßen, unterminieren sie demokratischen Strukturen und verhöhnen die Gerichtsbarkeit. Das tut der ORF immer öfter.

Und das tun – aus welchen psychologischen Gründen auch immer, mag dahingestellt sein – selbstinszenierende Stars, die meinen, über alles und allem erhaben zu sein. In der Öffentlichkeit auch noch jene an den Pranger zu stellen, die sie kritisieren, ist Maßlosigkeit und Ignoranz des Rechtsstaats.

[Hans-Jörgen Manstein]
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