Kurzbericht aus Fadistan
 

Kurzbericht aus Fadistan

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Wolfgang Kofler, 43, war Ressort­leiter bei der Kleinen Zeitung und bei News. Heute arbeitet er für die RMA in Villach. Sein Buch „Früher war ich jünger“ ist im tredition-Verlag erschienen.
Wolfgang Kofler, 43, war Ressort­leiter bei der Kleinen Zeitung und bei News. Heute arbeitet er für die RMA in Villach. Sein Buch „Früher war ich jünger“ ist im tredition-Verlag erschienen.

Ein satirisch-selbstkritisches Fazit zu Kärntens Medien von Wolfgang Kofler

Dieses Porträt erschien am 9. Oktober in der HORIZONT-Printausgabe 41/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

Kärntens Medienszene ist im Grunde fad, ich sag’s Ihnen! Ich würde es gut verstehen, wenn Sie bereits an dieser Stelle aufhören würden, meinen Text zu lesen. Ehrlich. Oh, ich merke, Sie sind noch da. Gut, soll sein. Jedenfalls habe ich Sie gewarnt. Also ein paar Gedanken zu und aus Fadistan.

Grundsätzlich: Früher war auch in Kärnten alles besser, abgesehen von der Politik, eh klar. Vier Tageszeitungen haben um die besten Headlines gestritten. Doch heute? Die Volkszeitung ist längst passe, die Kärntner Tageszeitung erschien im Feber 2014 zum letzten Mal. Übrig geblieben sind die Kärntner Ausgabe der ursprünglich aus Wien stammenden Krone und die Kärntner Ausgabe der ursprünglich aus der Steiermark stammenden Kleinen Zeitung. Freilich, beide Ableger sind seit Jahrzehnten fix in Kärnten etabliert. Aber genau genommen halt: Kärnten hat keine wirklich eigene Tageszeitung mehr, dafür zwei Zuagraste. Die sich bestens integriert haben. Und seit vielen Jahren gemeinsam 160.000 bis 170.000 Zeitungen, fast ausschließlich im Abo, verkaufen. Bei knapp 250.000 Haushalten keine schlechte Leistung. Aber halt Ende der Fahnenstange. 

Heute müssen die beiden Zeitungen – um ihren tollen Wert halten zu können – gemeinsam schon rund 30.000 Exemplare zu vergünstigen Tarifen verschleudern, vor zehn Jahren war es nicht einmal ein Drittel. Zudem dauern Gratis-Leseangebote längst nicht mehr zwei, sondern sechs Wochen und können gerne auch mehrmals pro Jahr in Anspruch genommen werden. Probe-Abos sind um sechs (!) Euro pro Monat zu haben. Was tut man nicht alles für Media-Analyse und Auflagenkontrolle.

Auch fad
Die Kleine Zeitung liegt seit Jahrzehnten vor der Krone – mit beruhigenden 15.000 bis 20.000 Exemplaren Vorsprung. Dass die Krone sie je überholt, ist de facto ausgeschlossen. Die Nummer eins lässt sich die Kleine Zeitung einiges kosten: Sie beschäftigt in Kärnten laut ihrer Homepage 70 angestellte Redakteure. Alleine in den Regionalbüros der Kleinen arbeiten rund 30 Redakteure. Die Krone kommt insgesamt mit zehn bis fünfzehn aus. Was Wunder, dass in der Szene bisweilen das Bild von den Kanonen bemüht wird, mit denen die Styrianer auf Spatzen schießen. Doch der Erfolg scheint die finanzintensive Strategie zu bestätigen. Und falls nicht, werden die berühmten Konzern-Controller schon eine Idee haben. 

Nicht weniger fad
Die Gratiszeitungs-Szene. Die Auflagen-Riesen Kärntner Woche und Kärntner Regionalmedien bemühen sich um regionalen Content. Performen mit überschaubarem Personalstand solide. Von der weltweit präsenten Printkrise verspüren sie derzeit wenig: Beide Medien (sie gehören zur RMA und damit zu je 50 Prozent der Styria und der Moser Holding) werden heuer ein gutes Geschäftsjahr haben. Ihre Reichweiten waren zwar schon einmal besser, sind aber noch immer jenseits der 50 Prozent. 

Superfad
Die Radio-Szene. Der gebührenfinanzierte Platzhirsch Radio Kärnten ist ungefährdet auf Platz eins vor einer sehr starken Antenne Kärnten (Styria). Ein paar Prozentpunkterl rauf, ein paar runter. Seit Jahren geht das so. Gähn. 

Extremsuperfad
Der TV-Bereich. Abgesehen von ­kleinen Regional-Stationen ist der ORF alleine auf weiter Flur. Er nutzt sein Fast-Monopol für Wald&Wiesen-Berichterstattung. An vielen Tagen ist der Wetterbericht das investigativste im Programm.

Doch eher überraschend fad
Das Internet. Die Seiten der Medien sind, wie auch anderswo, tendenziell einfallslos. Bestenfalls die Kleine Zeitung punktet mit eigenen Videos, vereinzelten Streaming-Angeboten und anderen Ideen, etwa Dossiers zu bestimmten Themen. Für monatliche Klicks im Millionenbereich reicht es bei Kleine und Woche allemal.

Fazit
Kärntens extrem regionalfokussierte und printgetriebene Medienlandschaft steht wirtschaftlich überraschend gut da. Aber sie bräuchte publizistisch dringend frisches Blut. Bestes Beispiel: die gigantische Hypo-Affäre. Sie fand zwar mitten in Kärnten statt, doch ausnahmslos alle relevanten Storys kamen aus Wien oder Deutschland. So eine Gesamtperformance reicht nicht einmal für irgendwelche schwindligen Journalistenpreise. Und auf Dauer ist das halt – richtig: fad. 

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