Kurier kauft Schau TV: Die ersten Details im ...
 

Kurier kauft Schau TV: Die ersten Details im Exklusiv-Interview

David Bohmann
Marlene AUER (Manstein), Oliver STRIBL (Manstein), Wolfgang FELLNER (Österreich), Thomas KRALINGER (Kurier), Helmut HANUSCH (Verlagsgruppe NEWS), Wolfgang JANSKY (Heute), Petra ROSCHITZ (Mediaanalyse), David Bohmann
Marlene AUER (Manstein), Oliver STRIBL (Manstein), Wolfgang FELLNER (Österreich), Thomas KRALINGER (Kurier), Helmut HANUSCH (Verlagsgruppe NEWS), Wolfgang JANSKY (Heute), Petra ROSCHITZ (Mediaanalyse), David Bohmann

Gegenüber HORIZONT skizziert Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger seine Pläne zu Programm, Vermarktung – und zur Sanierung des Senders.

Nun ist es fix, die Verträge sind unterschrieben: Der Kurier übernimmt Schau TV vom Bohmann Verlag. Bisher war dies ein Regionalsender für die Ost-Region Österreichs. Nun soll der Fokus vom Burgenland auch auf Wien und Niederösterreich ausgedehnt und mit dem Content auch ein neuer Kundenstock angesprochen werden. Im Raum stehen zudem „alternative Werbeformen wie Content-Partnerschaften“, sowie die „Zusammenlegung von größeren Units etwa im Bereich der technischen Infrastruktur“, skizziert Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger. Im Interview mit HORIZONT spricht er außerdem über die Ausrichtung, das Programmschema, die crossmediale Aufbereitung zu Print und Digital – und darüber, wie er den sanierungsbedürftigen Sender Schau TV innerhalb der nächsten drei Jahre lukrativ machen möchte.

HORIZONT: Sie sind Neu-Eigentümer von Schau TV. Wieso ist es für den Kurier wesentlich, das Portfolio um einen TV-Sender zu erweitern?

Thomas Kralinger: Wir setzen diese Investition, um die Marke KURIER auch im Fernsehbereich fest zu verankern. Wir können damit die Zeitungs- und Onlineinhalte in den Bewegtbildbereich hinein verlängern und werden auf die Verschränkung der Redaktionen setzen. TV-Beiträge werden künftig auch online verwertet werden und umgekehrt.

Damit erreichen Sie derzeit linear hingegen hauptsächlich nur das Burgenland, Schau TV ist derzeit auf die Ost-Region Österreichs fokussiert, die Redaktion in Eisenstadt ansässig.

Ja, aber wir werden den Fokus auf das Stammgebiet des KURIER ausweiten: auf Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Die Redaktion bleibt vorerst in Eisenstadt, wir sind aber auch dabei, ein Studio im KURIER Medienhaus einzurichten. Natürlich werden wir auch alle Viertel und die Landeshauptstadt St. Pölten abdecken.

Welche Reichweite generieren Sie in diesem Gebiet dann damit? Schau TV wird bisher nicht im Teletest erhoben.

Laut Vermarktern haben wir eine technische Reichweite von rund 60 Prozent. Verbreitet wird via Satellit, MUX C und den meisten Kabelnetzen. Was den Teletest betrifft: Wir sind in der Diskussion, ob wir in die Messung gehen wollen. Derzeit holen wir Angebote von Vermarktungspartnern ein.

Apropos Kosten. Wie hoch war die Kaufsumme des Senders?

Wir haben mit dem Verkäufer vereinbart, darüber nicht zu sprechen. Bitte um Verständnis.

Zuletzt wurde die Summe von rund einer halben Million Euro kolportiert. Gerüchten zufolge wäre der Sender bald eingestellt worden. Ist der Preis dadurch gesunken?

Nur soviel: Die Verkäufer wollten den Sender in eine gute Zukunft bringen und so haben wir uns auf einen sehr vernünftigen Kaufpreis einigen können.

Wie legen Sie die Programm-Strategie an?

Wir werden schon Mitte August mit neuen Formaten starten. Es wird pro Tag zehn Minuten KURIER News und bei aktuellen Themen bis zu weiteren 15 Minuten Berichterstattung geben. Wie bisher werden wir aber auch auf die Redaktion in Eisenstadt setzen, die viel Erfahrung in der regionalen Berichterstattung hat. Ab nächstem Jahr ist aber eine schrittweise Erweiterung des Nachrichtenangebots geplant.

Und die übrigen Sendeplätze?

Wie bisher setzen wir auf Magazinformate aus der Region, wobei alle Themen von Kultur über Wirtschaft und eine weitere Verstärkung der Berichterstattung aus den Gemeinden geplant ist. Für uns sind jene Themen im Fokus, die einen Konnex zum Kernverbreitungsgebiet haben.

Klingt etwas nach der Ausrichtung von Servus TV. Dabei ist dieser Sender „wirtschaftlich untragbar“, wie es heißt – obwohl man jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag investiert habe.

Servus TV hat ein völlig anderes Budget und andere Produktionsmöglichkeiten. Wir müssen viel kostengünstiger produzieren und ich sehe für uns auch eine differenzierte Markenpositionierung.

Wie hoch werden die Investitionen bei Schau TV sein?

Je nach wirtschaftlicher Entwicklung wollen wir natürlich auch in neues Programm investieren. Geplant sind derzeit rund 500.000 Euro in den nächsten drei Jahren, also sehr überschaubare Summen.

Zugleich schreibt der Sender derzeit Verluste. In welcher Größenordnung bewegen wir uns da?

Operativ im niedrigen siebenstelligen Bereich. Natürlich wird das keine einfache Aufgabe, den Turnaround zu schaffen, aber wir sind überzeugt, dass wir in den nächsten drei Jahren ein positives Ergebnis erzielen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Marketing, neue Vermarktungszugänge und natürlich ein sehr gutes Programm. Es gibt eine Menge Ideen für neue Formate, aber dafür ist es noch zu früh. Der wirtschaftliche Erfolg führt in erster Linie über eine Steigerung des Marktanteils. Alles was in Richtung von einem Prozent geht, wäre ein Riesenerfolg.

Diese Zahl nannte auch Wolfgang Fellner, als er seinen Sender oe24 TV startete. Seine Ausrichtung: überregionale Nachrichten. Ist es mit regionalem Angebot im derzeitigen Markt in einem kleineren Verbreitungsgebiet mit Konkurrenz anderer Regionalsender dann nicht noch schwieriger, diese Benchmark zu erreichen?

Nicht unbedingt. Wolfgang Fellner hat ein völlig anderes Senderkonzept. Wir haben nicht nur „News“ im Fokus, sondern regionale Informationen, die es üblicherweise nicht in Nachrichtensendungen schaffen.

Und wie soll vermarktet werden?

Wir sprechen einen neuen Kundenstock an, etwa Kultureinrichtungen oder Tourismusverbände. Wir denken aber auch über alternative Werbeformen wie etwa Content-Partnerschaften nach - nichts, was nicht auch im öffentlichen Rundfunk üblich ist. Wir setzen auch auf Verschränkung unserer Verkaufsorganisationen. Wir wollen unseren Kunden neue Packages anbieten, einerseits jene unserer Medienkanäle Print, TV und Online aber auch unsere Dienstleistungsangebote.

Wie viel Mehr-Umsatz und Gewinn erwarten Sie sich davon jährlich? Und wie viel entspringt hierbei alleinig dem Sender?

Wir haben uns ein engagiertes Ziel gesetzt und wollen die Erlöse in den nächsten drei Jahren verdoppeln.

Sie wollen lineare Inhalte auch non-linear einbinden und vermarkten: Wie viel erwarten Sie sich in diesem Bereich unterm Stich?

Grundsätzlich halte ich es für möglich, dass wir bei Schau TV oder mit vom Sender produzierten Inhalten zehn bis zwanzig Prozent des Gesamtumsatzes über PreRolls generieren können.

Wird all das genügen, um den Sender zu betreiben und vor allem – ihn zu sanieren? An welchen Schrauben wollen Sie noch drehen?

Ein Sender, der ein nachhaltig negatives Ergebnis erwirtschaftete und deswegen auch von den Eigentümern verkauft wurde, kann nicht so weitermachen wie bisher. Klar ist aber, dass es für den Betrieb des Senders eine Grundausstattung braucht, der Sender hat keinen üppigen Personalstand – und diesen haben wir im Übrigen auch übernommen. Wir setzen stark auf die Erlöse, aber ich schließe nicht aus, dass man sich in manchen Bereichen mit größeren Units zusammenlegt, etwa im Bereich der technischen Infrastruktur, um die Produktionskosten zu senken. Ich glaube, dass wir öfter das Gemeinsame suchen müssen und nicht den Wettbewerb gegeneinander. Daher werden wir auch anderen Regionalsendern eine Zusammenarbeit anbieten.

Beschränkt sich das nur auf Technik, oder auch auf Content?

Wir konzentrieren uns im ersten Schritt auf die genannten Kooperationen in Wien, Niederösterreich und im Burgenland. Für Gesamtösterreich gibt es ja R9, Schau TV ist hier ja auch Teil davon.

Ist zudem geplant, zwischen Print-Zeitung, Online-Plattform und TV-Sender querzufinanzieren?

Querfinanzierung ist aus meiner Sicht die schlechteste Lösung. Jedes Angebot muss sich isoliert rechnen. Unser Produkt „Zeitung“ wird auf absehbare Zeit die größte Relevanz in der Wahrnehmung der Menschen haben. Daher werden wir natürlich weiterhin viel Energie auf Print setzen, uns aber auch dorthin bewegen, wo wir unsere Leser zusätzlich abholen können. Das ist der jederzeit verfügbare digitale Markt, vor allem Mobile, aber auch der konstante Bewegtbild-Konsum. Wir wollen vor allem eine jüngere, regional verankerte Zuseherschaft für unsere Inhalte interessieren.

Zu Schau TV gibt es auch das gleichnamige Magazin. Es wird neben dem Standard unter anderem auch der BVZ und dem Kurier beigelegt. Haben Sie es ebenso übernommen?

Wir haben den Sender erworben, nicht aber das Magazin. Dieses bleibt im Bohmann Verlag. Natürlich macht es Sinn, die bisherige Zusammenarbeit fortzusetzen, und ich sehe hier auch einiges an Potential am Werbemarkt.
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