Kulissen-TV aus dem "Servus-Raum"
 

Kulissen-TV aus dem "Servus-Raum"

#

TV-Kritik: "Servus am Morgen" ist gestartet. Eine stressbefreite Wandtapete für Süddeutsch-Österreich-Schweizer.

Das Land hat ein neues Frühstücksfernsehen. Besser gesagt: Drei Länder haben von ServusTV eine Morningshow spendiert bekommen, die unangestrengt einen Spagat schafft, der am Papier leichter aussieht als er live am Schirm rüberkommt. Süddeutsche, Schweizer und Österreicher werden mit aktuellen Nachrichten und leichter Reportagekost aus dem sogenannten "Servus-Raum" versorgt. Das erfolgreiche Printmagazin "Servus in Stadt und Land" hat damit von Montag bis Freitag zwischen 6.00 und 9.00 Uhr die schärftste Konkurrenz aus dem eigenen Haus bekommen: Eine verfilmte Wohlfühltapete als Heimatkulisse.

Für Chauvinisten hat der Sender in der Zeitzone eine Provokation sondergleichen zu bieten. ServusTV wagt nämlich ein spannendes Experiment: Ein deutsch-österreichisches Moderatorenduo (Barbara Fleißner mit Thomas Ohrner bzw. Andrea Schlager mit Timo Küntzle) sitzt am rustikalen Holztisch und parliert charmant vor sich hin, ohne zu vergessen, was der eigene (sprachliche) Background ist. Dass dabei tatsächlich auch das Wort "Oachkatzlschwoaf" fällt, ist wohl unvermeidlich, wenn ein Deutscher und eine Österreicherin einander vor der Kamera nett stereotypsiert Pointen zuwerfen.

Neben Wetter und Kurznachrichten bietet "Servus am Morgen" Reportagebeiträge, die sich Hochglanztouristiker nicht besser ausdenken könnten: Da wird beim Italiener ums Eck wortreich Frühstück getestet, in Salzburg sieht man die "Bergputzer" über der pittoresken Altstadt baumeln und danach wird Wild im Schnee gezeigt. Alles wunderschön eingefangen, harmonisch und... irgendwie Servus.

Die größte Schwäche des Formats ist gleichzeitig seine formidabelste Qualität: Wer sich immer schon einmal wie ein wohlhabender Münchner Skiurlauber in Lech am Arlberg fühlen wollte - hier können Sie zumindest das gleiche Urlaubs-Fernsehprogramm genießen. In der Welt von "Servus am Morgen" bedeutet früh aufstehen Cappucino trinken und Rehe beobachten, Arbeit ist lustvolles Handwerk und irgendwie scheint keiner Probleme zu haben, solange nur der Apfelstrudel nicht verbrennt. Hart wird es für jene, die danach den Fernseher abdrehen müssen und in den echten Tag starten. Wer dennoch Zeit und Muße für den Cappucino ums Eck hat, bevor er oder sie am Biomarkt Zutaten fürs Mittagessen kaufen geht: Schönen guten Morgen.
stats