„Künstliche Intelligenz ohne Redakteure ist d...
 

„Künstliche Intelligenz ohne Redakteure ist dumm“

Johannes Brunnbauer
Viel Potential, aber auch noch viel Arbeit steht dem Einsatz von KI im Journalismus bevor, war man sich am Panel „Robotik in Content und Distribution: Utopie oder Horrorvision?“ einig. Mit Gerlinde Hinterleitner (derStandard.at), Stephan Thurm (Funke Mediengruppe), Moderatorin Eva Weissenberger (Missing Link) sowie Christina Wilfinger (Microsoft) (v.l.).
Viel Potential, aber auch noch viel Arbeit steht dem Einsatz von KI im Journalismus bevor, war man sich am Panel „Robotik in Content und Distribution: Utopie oder Horrorvision?“ einig. Mit Gerlinde Hinterleitner (derStandard.at), Stephan Thurm (Funke Mediengruppe), Moderatorin Eva Weissenberger (Missing Link) sowie Christina Wilfinger (Microsoft) (v.l.).

Durch den Einsatz von Robotik werde der Journalismus der Zukunft ein qualitätsvollerer und besser werden, zeigte man sich auf dem Podium zu „Robotik in Content und Distribution: Utopie oder Horrorvision?“ überzeugt.

Eine einhellig positive Meinung zum Thema an sich, aber noch jede Menge Potential für den Arbeitsalltag - so lässt sich die Diskussion am Panel „Robotik in Content und Distribution: Utopie oder Horrorvision?“ am ersten Tag der Österreichischen Medientage 2018 zusammenfassen. Unter der Moderation von Eva Weissenberger (Missing Link) berichteten die beiden Medienvertreter Gerlinde Hinterleitner (derstandard) sowie Stephan Thurm (Funke Mediengruppe) von Ihren Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz (KI). Bei derStandard.at bzw. derstandard.de sehen diese positiv aus: „Wir haben einiges gelernt, was nun in die neue Version des Algorithmus einfließen wird“, sagte Hinterleitner. Unter anderem werde die Redaktion den Artikeln mehr Eigenschaften mitgeben, die die KI dann in innerhalb ihrer Ausspielungsfaktoren berücksichtigt, „zum Beispiel eine Zahl für die Relevanz, wie aktuell ist der Artikel, soll er sofort online gehen oder erst in den nächsten Stunden“, erklärte die derstandard.at-Geschäftsführerin. Traffic sei demnach nicht die einzige relevante Zahl, wollte sie Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Geht es um das vielgehypte Thema Chatbots, da sieht Hinterleitner „viel Aufwand und wenig Benefit“. Gerade in Sachen Kommunikation mit den Lesern sei man wieder auf eine manuelle Bearbeitung übergegangen, auch über bei den Forenbeiträgen wurde ein Redakteur als letzte Instanz installiert.

Zukunft „machine supported journalism“

Ähnlich hört sich das auch bei der Funke Mediengruppe an: Thurm zeigte sich „einigermaßen ernüchtert. Wir setzen diese Technologie nicht so stark ein, wie wir ursprünglich geplant haben.“ Die Mediengruppe nutzt KI in erster Linie für „bestimmte Nischenthemen, vor allem für Bereiche, die einerseits unwirtschaftlich sind und für die wir andererseits auch niemanden finden, der das journalistisch begleiten möchte.“ So wurden einige Services ausprobiert und auch einiges wieder eingestampft: „Auch Roboter fressen Strom und Manpower“, sagte Thurm klar und gab zu bedenken: „Es geht im Endeffekt um Daten. Wenn man eine gute Datenbasis hat, dann kann man den Roboter gut instruieren.“ Potential für Robotik sieht er vor allem wenn es darum geht, Journalisten in der Arbeit zu unterstützten, eine Art von „machine supported journalism“. Diese Unterstützung sieht er in „Support für Recherche, damit keine Quelle übersehen werden kann, in der Einordnung oder auch um related-Themen zu finden“.

Potentiale und Gefahren

Auf der Seite der Technik betonte Christina Wilfinger (Microsoft), dass es falsch sei, KI „als Bedrohung zu sehen. KI reduziert Arbeitsprozesse, damit sich die Journalisten auf ihre Kernarbeit zurückbesinnen können.“ Ihre klare Ansage: „KI ohne Redakteure ist dumm. Robotik wird Qualitätsjournalismus wieder in den Vordergrund bringen.“ Es brauche dafür aber auch allgemeine ethische Regeln im Umgang mit der Technologie, fügte die Specialist Team Unit Lead bei Microsoft Österreich hinzu. „Man kann bereits in fünf Minuten einen eigenen Chatbot erstellen, es ist der Auftrag an das Bildungswesen zu zeigen, was damit alles erreicht werden kann.“ Und Hinterleitner vom Standard fügte hinzu: „Wir brauchen journalistische Standards, die in Zukunft bei automatisierten Medien - die womöglich eine bestimmte Agenda verfolgen - zum Einsatz kommen. Wir sehen das zum Teil jetzt schon auf Facebook, wo mit geringem Aufwand durch die Automatisierungen eine bestimmte Beschreibung der Welt suggeriert wird, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.“

[Veronika Höflehner]

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