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Kuch: Heimischer Aufdecker-Journalismus "unterentwickelt"

Fünf Jahre nach Worm-Tod ist Kurt Kuch "Investigativjournalist des Jahres".

Fünf Jahre ist es her, dass der Inbegriff des österreichischen Aufdeckerjournalismus, Alfred Worm, gestorben ist. In seine Fußstapfen bei "News" ist Kurt Kuch getreten, auch wenn der das nicht so gerne hören will. "Worm ging seinen Weg und ich gehe meinen eigenen, auch wenn Worm ein großes Vorbild ist", sagt Kuch, der im Februar die Auszeichnung "Investigativjournalist des Jahres 2011" entgegennimmt. 

Während Alfred Worm lange Zeit faktisch eine Monopolstellung im investigativen Journalismus eingenommen hat, gibt es heutzutage "einen stärkeren Trend hin zu investigativen Ressorts", wodurch auf diesem Gebiet auch mehr Wettbewerb stattfinde. Grundsätzlich findet Kuch den Aufdeckungsjournalismus hierzulande aber - vor allem im Vergleich etwa zu Deutschland oder den USA - "unterentwickelt" und die Methoden nicht zuletzt aufgrund der Ressourcenknappheit "steinzeitlich", "auch wenn es eine Hand voll ausgezeichneter Kollegen gibt". 

Erschwert werde investigatives Recherchieren oft durch die Judikatur, die sich teilweise noch auf Gesetze aus der K&K-Zeit stützt und etwa den Schutz von Amts-, Bank- oder Steuergeheimnis in den meisten Fällen über das Recht der Öffentlichkeit auf Information stellt. Vom sogenannten Freedom of Information Act, der jedem US-Bürger das Recht gewährt, Zugang zu Dokumenten der Exekutive zu verlangen, sei man in Österreich noch "meilenweit" entfernt. 

Wie kommt also ein Investigativjournalist zu seinen Informationen? "Zu einem Großteil ganz legal durch Akteneinsicht" und natürlich mit Hilfe eines Informantennetzwerks, das es gut zu pflegen gilt, sagt Kuch. Um an Geheimakten zu gelangen, müsse man manchmal auch Beschuldigte gegeneinander ausspielen. Dass man sich unter Umständen auch auf Deals einlassen muss, bei denen der Informant in der Berichterstattung besser wegkommt, kann auch Kuch nicht völlig abstreiten. 

Gezahlt habe er für Informationen noch nie, hält grundsätzlich auch nichts davon, so Kuch. Das mache auch "kaufmännisch keinen Sinn". Österreich sei schlichtweg zu klein und die potenziellen Absatzzahlen damit zu gering, als dass sich teuer erkaufte Informationen rechnen könnten. Einen Beamten "geschmiert" hat er nur einmal - und das war auf Mauritius im Jahr 1999. Da war Kuch - erfolgreich - auf der "Jagd" nach dem in Zusammenhang mit dem Rosenstingl-Skandal gesuchten Bernhard Gratzer. 

Ein journalistisches Vorbild ist für Kuch neben Alfred Worm auch der deutsche Enthüllungsjournalist Günther Wallraff. Einschleichjournalismus a la Wallraff, bei dem man unerkannt oder unter falscher Identität recherchiert, ist für Kuch, der mehr als 15 Jahre als Journalist tätig ist, allerdings kaum noch möglich. "Es ist ein Problem in diesem Land, dass alle alle kennen." Grundsätzlich finde Kuch Einschleichjournalismus aber ein "probates Mittel", um an Informationen zu kommen und begrüßt Initiativen, wie jene des "Standard"-Redakteurs Tobias Müller, der den "Juden-Sager" von FPÖ-Chef Heinz Christian Straches am WKR-Ball öffentlich machte. 

Kurt Kuch ist seit 1996 für "News" tätig und fungiert dort als Chefreporter, Innenpolitik-Chef und stellvertretender Chefredakteur. 

(APA) 
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