"Kronen Zeitung" im Wahlkampf
 

"Kronen Zeitung" im Wahlkampf

"Was die 'Krone' und Herr Dichand tun, ist, Faymann mit aller Gewalt bekanntzumachen", so Morak.

Die Rolle der "Kronen Zeitung" rückt zusehends in den Blickpunkt des laufenden Nationalratswahlkampfes. Pünktlich zu dem vom ORF zunächst nicht gesendeten und nun für heute, Montagabend, geplanten "ZiB 2"-Beitrag über die Macht der "Kronen Zeitung" rühmt sich das Blatt in der Montagsausgabe vom 18.8.2008 selbst seines machtvollen Einflusses in verschiedenen Wahlkämpfen der Vergangenheit - eines "Kampfes der 'Krone' für die Bürger gegen 'die da oben'", wie die Zeitung schreibt.

Innenpolitikredakteur Peter Gnam gibt einen beispielhaften Überblick, welche Politiker mit Hilfe der "Krone" Wahlen verloren beziehungsweise gewonnen haben. Im aktuellen Wahlkampf gehören die Sympathien des Blattes und ihres Herausgebers Hans Dichand SPÖ-Chef Werner Faymann. Laut ÖVP übe sich die "Krone" derzeit als "Stimmungsmacher" für SPÖ-Spitzenkandidat Faymann, monierte ÖVP-Mediensprecher Franz Morak, und weiter: "Was die 'Krone' und Herr Dichand tun, ist, Faymann mit aller Gewalt bekanntzumachen". Das geschehe etwa durch gut platzierte, doppelseitige Artikel in der - am meisten gelesenen - Sonntagsausgabe, während die anderen Kandidaten wochentags auf weniger imageträchtigen Seiten vorkommen.

Der frühere SPÖ-Bundesgeschäftsführer und Ex-"Krone"-Redakteur Josef Kalina meint: "Eine Doppelseite, auf der sich ein Politiker präsentiert, wird hier prozentual von den Lesern intensiver genutzt als in anderen Zeitungen." Das Geheimnis des Dichand-Blattes liege in der "Sprache, die der Zielgruppe leicht zugänglich ist". Außerdem schaffe es die "Kronen Zeitung" laut Kalina "wie keine andere Zeitung, eine innige Beziehung zu ihren Lesern herzustellen." Eine besondere politische Schlagseite kann der ehemalige SP-Politiker bei der "Krone" nicht erkennen. Er hält die Zeitung für eine der "best gemachten, die es gibt" und widerspricht der Behauptung, die Gazette sei SP-nah. "Das ist nicht wahr." Allenfalls gegenüber dem Liberalen Forum (LIF) sei die Zeitung "negativ eingestellt", räumte Kalina ein.

LIF-Chefin Heide Schmidt weiß, wovon die Rede ist. Als Liberalen-Chefin war sie früher Opfer von "Krone"-Kampagnen. Im aktuellen Wahlkampf fühlt sie sich von der Zeitung so behandelt, "wie ich es mir erwartet habe". Die "Krone" maße sich an, Politik zu machen, so Schmidt. Damit erweise sie aber "nicht nur der Demokratie, sondern auch dem Journalismus einen schlechten Dienst". Schmidt sieht die Schuld an der Kampagnen-Macht der "Krone" aber nicht nur bei den Machern der Zeitung, sondern auch bei der Politik und den Lesern. Schmidt sieht es - genau wie Morak - als Aufgabe des ORF an, einen Ausgleich zur Medienmacht der "Krone" zu schaffen und für Aufklärung und ein objektives Gegengewicht zu sorgen.

(Quelle: APA)

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