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Kritik am ORF-Publikumsratsvorsitzenden - "Vertritt AK-Interessen"

Nach verbaler Attacke gegen "ZiB 2"-Moderator Wolf weist Redakteursrat Vorwürfe zurück

Kritik gibt es am ORF-Publikumsratsvorsitzenden Hans Preinfalk. Dieser hatte am Mittwoch bei einer Sitzung des Publikumsrats "ZiB 2"-Anchorman Armin Wolf eine "denunziatorische" Interviewführung vorgeworfen. Dieter Bornemann, Vorsitzender des ORF-Redakteursrats, wies die Vorwürfe des SPÖ-nahen Preinfalk, der im Hauptberuf für die Oberösterreichische Arbeiterkammer tätig ist, am Donnerstag im Gespräch mit der APA zurück.

Hintergrund von Preinfalks verbaler Attacke gegen Wolf war ein "Zeit im Bild 2"-Interview von Anfang August. Wolf hatte damals den Mitautor einer von der Arbeiterkammer beauftragten und im Wahlkampf nicht unumstrittenen Studie zur Vermögensverteilung in Österreich unter anderem nach dessen SPÖ-Nähe befragt. Preinfalk wollte deshalb von ORF-Chef Alexander Wrabetz wissen, ob es der "neue Stil" des ORF sei, dass Wissenschafter nach politischen Einstellungen gefragt würden. Das Vorgehen Wolfs nannte er eine "Denunziation", die "nicht akzeptabel" sei.

"In Wahrheit ist das ein weiteres Beispiel, dass vielen Gremienmitgliedern ihre Entsender wichtiger sind als der ORF und sein Publikum. Preinfalk vertritt hier eindeutig Interessen der AK", so Redakteursratsvorsitzender Bornemann. "Wenn es bereits eine breite Diskussion über die Studie gibt, wäre es ja absurd gewesen, das nicht zu thematisieren. Natürlich ist es relevant, aus welcher politischen Ecke Argumente jeweils kommen. Und wenn ausgerechnet der Vorsitzendes des Publikumsrats verlangt, dem Publikum relevante Informationen vorzuenthalten, dann ist das befremdlich. Es war jedenfalls völlig richtig, das zum Thema zu machen."

ORF-Generaldirektor Wrabetz hatte Preinfalks Vorwürfe bereits in der Publikumsratssitzung am Mittwoch zurückgewiesen. Wolf selbst empfahl Preinfalk via Twitter die Lektüre des ORF-Public Value-Berichts. Dort sind etwa Höchstgerichtsentscheidungen zu umstrittenen ORF-Interviews angeführt. So hat der Verfassungsgerichtshof schon vor Jahren festgestellt, dass sich die Rolle von Journalisten bei Interviewfragen "nicht in der Beisteuerung neutraler Stichworte für Statements des Interviewten" erschöpft, sondern auch "scharf ausgeprägte Standpunkte und provokant-kritische Stellungnahmen" zulässig sind.

(APA)
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