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Kralinger: „VÖZ-Medien sind größte Steuerzahler am Mediensektor“

Weitere Belastungen wären „Gift für Medienvielfalt“ – VÖZ bekräftigt Forderung nach Aufstockung der Presseförderung und Umsetzung des Leistungsschutzrechtes

Eine Bilanz über das medienpolitische Jahr 2014 zog Thomas Kralinger, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Auf der „Haben-Seite“ hob er die Einigung über einen neuen Gesamtvertrag für ständige freie Mitarbeiter hervor. Seit 1. Dezember 2014 ist der letzte Mosaikstein des seit Mitte des Vorjahres geltenden Journalisten-Kollektivvertrags in Kraft. Er bringt ein vereinfachtes Abrechnungsmodell. Bisher wurden Anschläge und Zeitaufwand getrennt verrechnet, nun wird der Zeitaufwand in die Zeilenhonorare hineingerechnet.

Darüber hinaus erwähnte der VÖZ-Präsident die vielversprechenden Verhandlungen über eine gemeinsame Vermarktung von TVthek-Inhalten mit dem ORF. In den meisten wesentlichen Bereichen haben die Verhandler hier eine Einigung erzielt, in den ersten Wochen des Jahres 2015 geht es nur mehr um ein „Fine Tuning“. Ziel ist eine Videokooperation, die den gesamten heimischen Online-Medienmarkt voranbringt und im Wachstumsfeld der Bewegtbild-Werbung zusätzliche nationale Angebote eröffnet. Kralinger zeigte sich zuversichtlich, dass man im ersten Quartal 2015 zu einer Einigung kommen werde.

Auf der „Soll-Seite“ steht die Kürzung der Presseförderung um 2 Millionen Euro und die Einstellung zweier Tageszeitungen, die Kralinger „als schmerzhaften Verlust für die ohnehin bescheidene Titelvielfalt in diesem Land“ bezeichnete. Die zentralen Forderungen des VÖZ bleiben auch im kommenden Jahr aufrecht: die Reform und Aufstockung der Presseförderung sowie der Schutz von journalistischen Inhalten durch die kommerzielle Verwertung Dritter.

Bezüglich Presseförderung fordert Kralinger: „Wir nehmen Medienminister Josef Ostermayer beim Wort, der für 2016 eine Reform der Presseförderung in Aussicht gestellt hat. Damit diese in 12 Monaten in Kraft treten kann, muss sie zuvor von der Europäischen Union notifiziert werden. Will der Medienminister seinen selbst gewählten Fahrplan einhalten, müssen die Verhandlungen rasch starten, damit ein Gesetz zeitgerecht beschlossen werden kann.“

Google will Bedingungen diktieren

Beim Leistungsschutzrecht sieht der Verlegerverband positive Signale seitens der Politik. „Ich denke, hier wird der Bundesregierung in den ersten Monaten 2015 etwas gelingen“, ist Kralinger zuversichtlich. „Doch auch in Österreich wird man sich auf beträchtlichen Widerstand des US-Suchmaschinenriesen einstellen müssen. Das Beispiel Spanien zeigt, dass Google nur dann an einer Partnerschaft mit Verlagen interessiert ist, wenn der US-Gigant die Bedingungen diktieren kann. An einer Partnerschaft auf Augenhöhe hat Google kein Interesse. Dabei wäre es nur fair, wenn Google einen kleinen Anteil seiner sich allein in Österreich auf circa 150 Mio. Euro belaufenden Einnahmen an jene abtritt, mit deren Inhalten die Suchergebnisse gefüttert werden.“

Zusätzliche Belastungen für VÖZ-Medien abwehren

Als weiteren Schwerpunkt der Verbandsarbeit für 2015 nannte Kralinger die Abwehr zusätzlicher Belastungen für Kaufzeitungen und -magazine: „An keiner Mediengattung verdient der Staat besser als an den Mitgliedsmedien des VÖZ. Die Kaufzeitungen und -magazine leisten bereits heute knapp 470 Mio. Euro an Steuern und Abgaben. Das ist mehr als genug. Zusätzliche Belastungen durch weitere Kürzungen der Förderungen oder Erhöhung der Steuern sind in der aktuellen wirtschaftlichen Verfassung Gift für die Medienvielfalt und eine Gefahr für die 16.000 Arbeitsplätze der VÖZ-Medien. Bei der Suche nach zusätzlichen Einnahmen sollte sich die heimische Bundesregierung bei jenen Konzernen umsehen, die Werbegelder in dreistelliger Millionenhöhe vom österreichischen Standort abziehen und mit ihren Geschäftstätigkeiten kaum Wertschöpfung im Land belassen.“

Print schlägt sich unter Wert

Zur wirtschaftlichen Lage der Branche betont der VÖZ-Präsident: „Im kommenden Jahr könnten die Umsätze aus dem Vertrieb bei unseren Mitgliedsmedien weiter wachsen, denn in kaum einer anderen Nation ist die Zeitung am Lesermarkt so präsent wie in Österreich. Doch der Wettbewerb am Werbemarkt wird weiter an Härte zunehmen. Wir müssen den Werbekunden 2015 noch intensiver vermitteln, wofür die Kaufzeitung als Werbeträger steht. Konsumenten nutzen Medienprodukte aufmerksamer, für die sie zahlen. Hingegen lassen sie sich vom Fernsehen immer mehr nebenbei berieseln. Und unsere Produkte haben das Vertrauen der Leser. In einer immer unübersichtlicheren Welt sind Vertrauen und Aufmerksamkeit die höchsten Güter der Medienwelt. Ich sehe also keinen Grund für Überheblichkeit bei den Privatsendern. Ganz im Gegenteil: Print schlägt sich derzeit unter Wert. Das wollen wir 2015 ändern.“

Optimistisch stimmen ihn zwei kürzlich publizierte Untersuchungen. Laut „mediareports“ werden sich die digitalen Umsätze in Österreich verdoppeln, doch Print werde weiterhin für 80 Prozent der Umsätze der Zeitungen verantwortlich sein. Auch die Studie des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) bekräftigt die starke Stellung des Print-Geschäfts. Neben den beiden Haupterlösquellen Anzeigen und Vertrieb wird es für Medien notwendig sein, neue Erlösquellen zu erschließen. „Wir brauchen zusätzliche Einnahmen, ohne dabei unser Kerngeschäft zu vernachlässigen. Diese schaffen wir nur durch Innovationen im digitalen Bereich. Darin werden wir auch im kommenden Jahr arbeiten“, so Kralinger abschließend. 
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