Konstruktiver Streit um Frequenzen
 

Konstruktiver Streit um Frequenzen

Die "Digitale Dividende" war Thema bei den Medientagen.

Um technologische Rahmenbedingungen für Rundfunk und Telekommunikation ging es beim Arbeitskreis "Die digitale Dividende - Geldbeschaffungs für das Budget oder Investition ins Breitband" am zweiten Tag der Österreichischen Medientage.

Am Podium hochrangige Vertreter aus Rundfunk und Telekommunikation: Corinna Drumm (Geschäftsführerin des Verbandes Österreichischer Privatsender, VÖP), Michael Wagenhofer (Geschäftsführer der ORF-Sendernetztochter ORS), Walter Goldenits (Chief Technology Officer von A1 Telekom Austria), Michael Krammer (CEO Orange), Harald Himmer (Geschäftsführer Alcatel Lucent) sowie - erstmals gemeinsam auf einem Podium die beiden Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR), Alfred Grinschgl (Fachbereich Rundfunk) und Georg Serentschy (Fachbereich Telekommunikation). Moderiert wurde die Diskussion von Sebastian Loudon (HORIZONT).

Der Hintergrund: Seit Jahren schwelt eine Diskussion zwischen Rundfunkveranstaltern und Mobilfunkunternehmen über die Frage, was mit jenen Frequenzen, die im Zuge der Fernsehdigitalisierung frei werden (man nennt das auch die Digitale Dividende), passieren sollte. Der Rundfunk wollte neue TV-Sender beziehungsweise neue Fernsehdienste (HDTV), der Mobilfunk meldete Bedarf für den weiteren Ausbau von mobilem Breitband insbesondere in ländlichen Gegegenden an. Im Juli 2010 entschied die Bundesregierung, dass die so genannte "obere Dividende", das 800-er Band bis 2011 für Molbilfunk verwendet werden soll.

Zum Einstieg präsentierte Arne Börnsen (AB Consulting) die Ergebnisse der technisch/volkswirtschaftlichen Studie, die maßgeblich zur Entscheidung der Bundesregierung beigetragen hat. Danach ging es in die Diskussion.

Seitens der Rundfunkveranstalter wird diese Entscheidung - wenn auch hörbar zähneknirschend - akzeptiert, nun geht es aber darum, wie genau diese Umwidmung von statten gehen soll, denn: Erstens braucht die ORS die Frequenzen um auf die zweite Generation des digitalen Antennenfernsehens (DVB-T2) umzusteigen. Und zweitens besteht die Gefahr von Störungen des Fernsehempfang. In Deutschland wurde dieser Schritt bereits gesetzt, mit unangenehmen Folgen. So berichtet Corinna Drumm von einer "großen deutschen Sendergruppe", die derzeit überlege, die digital-terrestrische Ausstrahlung einzustellen, weil der störungsfreie Empfang nicht mehr garantiert sei. Die Rundfunkvertreter fordern also: Zuerst muss das Störpotenzial genau ausgelotet werden erst dann soll der Mobilfunk diese Frequenzen in Betrieb nehmen.

Die Vertreter des Mobilfunks zeigten sich durchaus kompromissbereit, was ein koordiniertes Vorgehen bei der Umwidmung der Frequenzen betrifft, aber nur in Maßen. Walter Goldenits gab zu bedenken, dass es nicht zumutbar sei, Frequenzpakete im Jahr 2011 zu versteigern, die dann erst Jahre später nutzbar gemacht werden könnten. In Summe eine konstruktive - und für viele Zuhörer lehrreiche - Diskussion zu einem komplexen Thema, das für die weitere Entwicklung von Rundfunk und Telekommunikation in Österreich aber von großer Bedeutung ist.
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