Know the Rules - and break them!
 

Know the Rules - and break them!

#

Medientage 2013: Radio ist alles andere als tot, finden Mathias Euler-Rolle und Lenja Faraguna. Das "Abenteuer im Ohr" verbirgt sich nur hinter dem herrschenden Einheitsbrei

Radio erzählt Geschichten wie kein anderes Medium. Eben der Mangel an Sinnesreizen, der zwischen Erzähler und Zuhörer die geringstmögliche Entfernung zulässt, macht das Äthermedium zum geradezu idealen Transportinstrument von Emotionen.

Die 90er sind (endlich) vorbei

Radio ist: Darüber reden, und letzten Endes sind nur zwei Elemente notwendig, um erfolgreiches Radio zu machen: ein Mikro und Ohren, die die Botschaft auffangen. Woran es zur Zeit mangelt, warum dem Medium ab und an sogar die Lebensfähigkeit abgesprochen wird, sind, so Euler-Rolle und Faraguna, "die fast identischen Playlists, die gleichen Superlative wie 'schnellster Verkehrsdienst', die 'beste Musik', die 'interessantesten News'." - "Radiostorys arbeiten im Kopf weiter", so die slowenische Radiomarketingexpertin. Aber die 90er des Bombardements mit eben jenen Superlativen sind vorbei. Das Stichwort der Jetztzeit muss "Relevanz" lauten.

"Radio ist Beziehungssache", meint Euler-Rolle. "Das bedeutet aber auch, dass die Menschen dahinter polarisieren müssen - und auch persönlich werden müssen, um wahrgenommen zu werden."

Individualität und Teamgeist

Lenja Faraguna, selbsternanntes "Offline Girl", weiß: "Radio ist im Laufe der Zeit vom Leitmedium zur Geräuschkulisse im Hintergrund mutiert." Sie erinnert an Legenden der Funkwellen, beispielsweise Kenny Everett: Der Radiorevolutionär - übrigens ein enger Freund des Queen-Vokalisten und -Songwriters Freddy Mercury - betrieb einen im Vergleich zur letztendlichen Sendungsdauer irrationalen Vorbereitungsaufwand. Aber sein Mut zum Anderssein wurde schließlich mit Unsterblichkeit belohnt.

Wie sich das Medium Radio aus dem unsichtbaren Schattendasein befreit, beschreibt Faraguna anhand eines Gedankenbilds: 20 Zentimeter Regen reichen im US-amerikanischen Death Valley, um aus kargster Wüstenlandschaft ein üppiges Blütenmeer zu machen. "Wüste ist nicht tot", bekräftigt die Marketingexpertin. "Sie schläft". Und für frisches Wachstum muss den Menschen hinter der Sendung auch eine Reihe an Instrumenten zur Verfügung stehen. Zum Beispiel ein Team, das im Unisono die Message an den Zuhörer bringen kann - und zwar ohne Interpretationsspielraum.

Die Quintessenz ihres quicklebendigen Vortrags: "Wenn du glaubst, du verkaufst einfach nur Radio, liegst du falsch. Du verkaufst das Ergebnis dessen, was dein Produkt bewirkt. Beim Radio heißt das: Du erzeugst menschliche Verbindungen." Ihr Fünf-Punkte-Plan für eine erfolgreichere Radiorevolution: "Sei menschlich, sei anders als die anderen, sei relevant, tapfer, stelle Fragen, lass dir deine Kompetenz niemals abnehmen und: Raus aus dem Schaukelstuhl!" Schließlich sollen sich werbende Unternehmen nicht einfach nur ins Radio verlieben, sondern sich auch auf ein zweites Date freuen.
stats