Klare Präferenzen des Lesers am Magazinmarkt
 

Klare Präferenzen des Lesers am Magazinmarkt

Drobot Dean - Fotolia
Beautiful stylish girl sitting in cafe with cup of coffee and reading magazine outdoors
Beautiful stylish girl sitting in cafe with cup of coffee and reading magazine outdoors

Wir haben uns näher mit der Media-Analyse 15/16 beschäftigt. Diese zeigt für den Magazinmarkt: insbesondere die Bereiche ‚Leben‘, ‚Auto‘ und ‚Wirtschaft‘ entwickeln sich positiv.

Dieser Artikel erschien ebenso in der HORIZONT-Ausgabe 42/2016 vom 21. Oktober. Hier geht's zum Abo.

Printjournalismus wurde schon oft für tot erklärt. Die Media-Analyse 2015/2016 zeigt einen anderen Trend, speziell im Magazinbereich. Auch wenn das Seitenblicke Magazin vom Red Bull Media House nun eingestellt wird, schlagen sich andere Magazine aus dem Haus, was die nationale Reichweite betrifft, gut und können an Reichweite gewinnen.

Ebenso legten Magazine aus der Verlagsgruppe News zu. Die neue Media-Analyse darf als positives Signal am Magazin-Markt gesehen werden – die Diskussion um General versus Special Interest verschwindet jedoch nicht.

Während sich Publikumstitel wie beispielsweise News und profil oder auch das Weekend Magazin nicht signifikant verändern, zeigen die Interessensgebiete „Wirtschaft“, „Auto“ und „Leben“ einen deutlichen Aufwärtstrend.

Regionalität und Ballungszentren

Das Magazin Servus in Stadt & Land konnte sich bei der monatlichen nationalen Reichweite um signifikante 1,1 Prozentpunkte zum Vorjahr auf 13,2 Prozent steigern. Dies entspricht nun 971.000 Lesern. In Zeiten der Schnelllebigkeit und Globalisierung, funktioniert ein Magazin wie Servus in Stadt & Land anscheinend besonders gut.

Auch da es offensichtlich eine große Nachfrage nach Regionalität gibt und dies insbesondere eher am Land als in den großen Ballungszentren. Die Zahlen bestätigen diese Annahme: Am stärksten ist das Magazin aus dem Hause Red Bull in Salzburg, wo im Monat 20,9 Prozent der Bevölkerung erreicht werden – hier konnte sich das Magazin um 1,4 Prozentpunkte steigern.

Mit 16,1 Prozent Reichweite folgt die Steiermark, auch hier stieg die Reichweite um 1,4 Prozentpunkte. Und ebenso in Kärnten kann eine zunehmende Nachfrage festgestellt werden. Ein Zuwachs der Reichweite um 1,1 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent zeigt, dass das Magazin in der Konzeption und inhaltlich einen Nerv getroffen hat.

Das glaubt auch ­Wolfgang ­Winter, General Manager Print beim Red Bull Media House: „Für ein Magazin, das mit so viel Aufmerksamkeit und Sorgfalt gemacht wird, werden sich die Leser sicher auch künftig begeistern lassen.“Und auch das Magazin Terra Mater aus dem Hause Red Bull darf sich über Zuwächse freuen. So konnte man sich bezüglich Reichweite um 0,2 Prozentpunkte verbessern und steht nun bei 143.000 Lesern. Ein Zeichen in Richtung Mehrwert und Relevanz von Special-Interest-Magazinen.

Die Interessensbereiche Wirtschaft und Technik wurden mit der neuen Media-Analyse ebenso bestätigt. Bei den Wirtschaftsmagazinen Gewinn und Top-Gewinn sowie inhaltlich technologisch geprägten Magazinen wie dem e-media erkennt man einen Trend hin zu den Ballungszentren. Alle drei dieser vorher Genannten konnten in Ballungszentren zulegen und ihr Standing verbessern.

Der Top-Gewinn steigerte seine Reichweite signifikant um 0,5 Prozentpunkte und liegt jetzt bei 1,8 Prozent und national 131.000 Lesern. Erwähnenswert ist hier speziell die Entwicklung in Wien, wo im Vergleich zur Media-Analyse 2014/2015 eine Reichweitensteigerung von 1,4 Prozentpunkten erzielt wurde. Ebenso fällt auf, dass mittlerweile 35 Prozent der Top-Gewinn-Leserschaft Frauen sind.

Und auch e-media hat bei den Leserinnen zugelegt (von 39.000 auf 62.000 Leserinnen total), die Reichweitenentwicklungstendenzen sind ähnlich. Denn Wien ist mit Abstand der wichtigste Markt für das Technikmagazin. Mit 4,4 Prozent Reichweite können in Wien 68.000 Menschen erreicht werden. Insgesamt konnte das Magazin um 0,7 Prozentpunkte auf 218.000 Leser in Österreich zulegen – für ein Technikmagazin beachtlich.

Das freut auch Helmut Schoba, COO der Verlagsgruppe News: „Das Ergebnis der Media-Analyse hat erneut bestätigt, dass der Themenmix unseres modernen Technikmagazins bei den Lesern sehr gut ankommt.“Ein Blick auf diese drei Magazine lässt den Schluss zu, wonach in Ballungszentren eine wirtschaftliche und technische Themensetzung stärker nachgefragt ist, beispielsweise in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich, wo diese Magazine auffallend stark sind.

Bestätigen kann dies Gewinn- und Top-Gewinn-Geschäftsführer Herbert Scheiblauer: „Natürlich, es sind besonders große und wirtschaftlich starke Bundesländer. Das Interesse für Wirtschaft ist in Ballungsräumen generell stärker. Wir sind aber auf unsere sehr gesunde Reichweitenverteilung über ganz Österreich stolz.“ 

Magazine mit Servicecharakter

Spitzt man Gedanken in eine solche Richtung zu, gelangt man schnell zu der alt bekannten Frage „ob Magazine nur noch im Special-Interest-Bereich funktionieren“.

Ein reines Special-Interest-Magazin zu sein, garantiert jedoch noch lange keinen Erfolg, wie auch manche Zahlen der Media-Analyse zeigen. Das Kinomagazin Skip verlor 0,9 Prozentpunkte zum Vorjahr. Wobei hier als Gegenargument tv-media genannt werden kann.

Das Fernseh-Magazin hat um 0,7 Prozentpunkte auf 10,6 Prozent Reichweite zugelegt und steht bei 780.000 Lesern. Die Diskussion um Special Interest scheint teils zu kurz gegriffen, es wirkt, als wären innovative Konzepte eher der Weg in eine positive Zukunft als oberflächliche Richtungsentscheidungen.

Katrin Jusko, Managing Director bei tv-media: „Der Bewegtbildkonsum hat sich durch die Fülle der Angebote im linearen wie nicht-linearen Bereich stark verändert. Darauf hat tv-media mit der Programmerweiterung reagiert. ­Unsere Leser schätzen die zusätzlichen Inhalte und Tipps zum aktuellen TV-Angebot.“ Damit könnte Jusko recht haben, da das Thema Relevanz auch von Chefredakteuren immer wieder als Buzzword für eine erfolgreiche Printzukunft genannt wird.

‚Autos‘ sind beliebt

Automagazine sind ebenso Sieger der neuen Media-Analyse. Die beiden Magazine Autorevue und auto touring, die beide signifikant dazu gewonnen haben, zeigen einen klaren Trend in Richtung Interessensbereich „Auto“. Autorevue erzielte eine Reichweite von 4,4 Prozent (324.000 Leser) und ein Plus von 0,6 Prozentpunkten.

 VGN-Geschäftsführer Markus ­Fallenböck erklärt sich den Zuwachs wie folgt: „Relevanz für den Leser. Hier tun sich Special-Interest-Titel natürlich leichter, weil sie ein ganz klares Interesse adressieren. Einfaches Beispiel: Wer sich in Österreich auf hohem redaktionellen Niveau für das Thema Auto und Motor interessiert, kommt an der Autorevue nicht vorbei.“

Das Thema Relevanz konkretisiert Fallenböck: „Es muss einen konkreten Unterschied im Leben machen, ob ich einen Beitrag in diesem Medium gelesen habe.“ auto touring ist in diesem Bereich ebenso signifikant gewachsen und konnte um zwei Prozentpunkte zulegen auf 27 Prozent Reichweite (1.982.000 Leser). auto touring zeigt sich weiters in allen Bundesländer stark und konnte konstant wachsen.

Auch bei weiblichen Lesern können 21,6 Prozent erreicht werden (Männer 32,6 Prozent). Im Vorjahr waren es 19,6 Prozent Frauen und 30,8 Prozent Männer. Es scheint, als wäre das Interesse an der Thematik Autos nicht nur ein spezielles Interesse, sondern auch aus Gründen der urbanen ­Mobilität in der Stadt, auf dem Land höher. Bei den Wochenmagazinen hingegen lässt sich kein allzu positiver Trend feststellen.

Bis auf das Magazin tv-media, welches um 0,7 Prozentpunkte auf eine Reichweite von 10,6 Prozent und 780.000 Leser wachsen konnte, hat der Großteil der Wochenmagazine, wenn auch nur gering, an Reichweite verloren. 
stats