Kino und Covid-19: Betreiberängste und Zuscha...
 
Kino und Covid-19

Betreiberängste und Zuschauersorgen

Philip Jelenska / Alexander Bachmayer
Die beiden Geschäftsführer von Cineplexx, Christof Papousek (li) und Christian Langhammer sowie Weischer.Cinema Geschäftsführer Michael Kindermann (re.) zeigen sich erleichtert über die baldige Wiedereröffnung der Kinos.
Die beiden Geschäftsführer von Cineplexx, Christof Papousek (li) und Christian Langhammer sowie Weischer.Cinema Geschäftsführer Michael Kindermann (re.) zeigen sich erleichtert über die baldige Wiedereröffnung der Kinos.

Die Eröffnung der Kinos mit voraussichtlich Anfang August lässt die Branche aufatmen. Ohne Blockbuster werden wohl selbst große Standorte nicht bestehen.

Christof Papousek, CFO und Co-Gesellschafter ­Constantin Film & Cineplexx Kinobetriebe, spricht Klartext: "Die aktuelle Situation ist eine so noch nie dagewesene und lässt daher auch keine Vergleiche zu. Wie in vielen anderen Branchen auch, entsteht durch die Schließung ein enormer wirtschaftlicher Schaden. Rund 150.000 Besucher zählen wir üblicherweise pro Woche. Das sind Einnahmen, die ausfallen. Trotz aller Umstände meistern wir auch diese schwierige Zeit als Team und freuen uns schon auf die Wiedereröffnung am 5. August."

Österreichweit mussten seit März rund 400 Cineplexx-Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden; auch eine Verlängerung wurde schon beantragt. Darüber hinaus mussten 300 geringfügig Beschäftigte freigestellt werden. Die angebotene staatliche Hilfe sei "grundsätzlich sehr gut, leider haben wir erst für den ersten Monat Kurzarbeitsbeihilfe bekommen", so Papousek, der auf eine weitere rasche Auszahlung hofft und darauf, „dass die Personalkosten für die ­geringfügig Angestellten unterstützt werden".

Christian Langhammer, CEO und Hauptgesellschafter Constantin Film & Cineplexx, lässt die Wiedereröffnung Aufatmen. „Als international ausgerichtete Branche gibt es natürlich zahlreiche Faktoren, die auf uns einwirken, besonders die Verschiebungen großer Filmstarts in den vergangenen Monaten. Herausfordernd wird dieses Jahr in jedem Fall.“ Und: "Eine Auslastung von maximal 25 Prozent erlaubt auf Dauer kein profitables Wirtschaften, wir benötigen unsere Kapazitäten besonders bei starken Blockbustern und zu Spitzenzeiten wie dem Wochenende. Nachhaltig wäre die eingeschränkte Kapazität daher definitiv ein Problem." Langhammer gibt auch zu Bedenken: "Ohne guten Content gibt es für uns auch kein Kino. Darum hatten wir uns auch dazu entschlossen, die Eröffnung auf Anfang August zu verlegen. Da geht es um den wirtschaftlichen Aspekt, aber auch um das Erlebnis Kino. Um dieses richtig zu erleben, braucht es neue Blockbuster, das erwarten sich Kinobesucher." Vor ­diesem ­Hintergrund verspricht er: "Bei der Wiedereröffnung unserer großen Standorte werden wir einen guten Mix aus Blockbustern und eigenen Filmstarts haben und so ein rundes Programm bieten können."

Dass das Publikum immer noch gerne Filme schaut, findet der Cineast beeindruckend: "Wir freuen uns sehr, dass unsere Outdoor-­Kinos so gut angenommen werden und dass wir die schwierige Zeit der Kinoschließungen mit solchen Highlights sowie bereits geöffneten Kinos überbrücken und die Wartezeit auf die Wiedereröffnung verkürzen können." ­Michael Kindermann ­ist Geschäftsführer bei ­dem führenden Vermarkter für ­Kinowerbung: Weischer.­Cinema ­Austria. Ihn hat die Krise ebenso schwer getroffen: "Unser Umsatzeinbruch wird im besten Fall bei rund 50 Prozent liegen. Unser heuriges ­Geschäftsjahr wird aus knapp sieben Monaten bestehen." Durch die Kinoschließungen mussten 100 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, aber niemand gekündigt werden. "Darüber bin ich sehr froh", erklärt er, "insbesondere wenn man sieht, wie viele meiner Kollegen diese schwierige Phase zur Restrukturierung nützen. Unser Erlösmodell ist plötzlich auf Null gefallen. Wir stehen aus werblicher Sicht für eine überschaubare Mediengattung und haben keine Lobbying-­­­Ma­schinerie im ­Hintergrund. Die Kinobetreiber generieren aber sehr wohl öffentliche Gelder als ­Unterstützung. Wir, als deren Vermarktungsunternehmen, bekommen keine zusätzliche Unterstützung. Wir haben aber in der Vergangenheit immer gut gewirtschaftet und können daher durch diese Krise durchtauchen", erklärt der Vermarkter gegenüber HORIZONT.

Die Kinobesucher wollen so rasch als möglich wieder Filme in gewohnter Weise konsumieren. Ob eine Auslastung von 25 Prozent profitables Wirtschaften erlaubt, hänge von der Größe des Standortes ab. "Für Multiplexe kann ich ausschließen, dass sich eine derart geringe Auslastung rechnet." Kindermann verspricht ­einen "spannenden Kino-Herbst", ab August gebe es ja schließlich ausreichend "neue Ware".

Für Wolfgang Mayr, Vermarkter von heimischen Open Air Kinos steht fest: "Freiluftkino ist sicherlich einer der Profiteure im heurigen Kultur-Sommer."
Privat
Für Wolfgang Mayr, Vermarkter von heimischen Open Air Kinos steht fest: "Freiluftkino ist sicherlich einer der Profiteure im heurigen Kultur-Sommer."

Eine gänzlich andere Position als Papousek, Langhammer und ­Kindermann vertritt Wolfgang Mayr, Geschäftsführer von Mayr & More und Vermarkter von heimischen Freiluftkinos. Er meint: "Freiluftkino ist sicherlich einer der Profiteure im heurigen Kultur-Sommer." Das komme wohl daher, da es sich um die ersten erlaubten Veranstaltungen der Open-Air-Saison handelt. Die von Mayr betreuten Autokinos in Großenzersdorf und Wels erfreuen sich (corona-bedingt) ebenfalls einer Renaissance. "Über den ­Gesamtmarkt Freiluftkino betrachtet kann man sogar von einem Plus gegenüber dem Vorjahr sprechen" – und das sei vor allem auf Werbebuchungen von Krisengewinnern wie dem Lebensmitteleinzelhandel zurückzuführen, führt Mayr seine Einschätzung aus.
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