Keine Frage der Zeit: Die Zukunft des Radios ...
 

Keine Frage der Zeit: Die Zukunft des Radios ist digital

Verein Digitalradio
DAB+-Testbetrieb in Wien seit 28. Mai 2015: Michael Wagenhofer (ORS), Thomas Pöcheim (Verein Digitalradio), Alfred Grinschgl (RTR), Bernie O'Neill (WorldDAB), Wolfgang Struber (Radio Arabella).
DAB+-Testbetrieb in Wien seit 28. Mai 2015: Michael Wagenhofer (ORS), Thomas Pöcheim (Verein Digitalradio), Alfred Grinschgl (RTR), Bernie O'Neill (WorldDAB), Wolfgang Struber (Radio Arabella).

Radio im und über das Web ist praktisch Standard, seit Mai läuft in Wien auch ein DAB+-Testversuch mit elf Anbietern. Damit wird Radio künftig noch digitaler.

Dieser Artikel erschien ebenso in der HORIZONT-Ausgabe 46/2016 vom 18. November. Hier geht's zum Abo.

Es ist ein Testversuch im Großraum Wien: Seit 28. Mai wird Radio auch terrestrisch-digital verbreitet. Was bei der Digitalisierung des Fernsehens vor über zehn Jahren ziemlich geräuschlos und prompt über die Bühne ging, ist für Radio ein wenig aufwendiger. Denn für TV war und ist (so das Gerät nicht Digitalempfänger ist) einfach eine zusätzliche Receiver-Box nötig. Diese wurde in der Umstellungsphase auch subventioniert. Sollte irgendwann einmal über die analoge Ultrakurzwelle (UKW) kein Empfang mehr möglich sein, heißt das: Das Gerät ist perdu. Bei geschätzt über zehn Millionen analogen Empfängern in Haushalten und Automobilen also eine echte Herausforderung, was die sogenannte „Simulcastphase“ betrifft, also das parallele Anbieten von analogem und digitalem Impuls.

Rein argumentativ betrachtet spricht für DAB+: Es dürfte der technische Standard sein, auf den sich Industrie und Regulatoren einigen, es bietet deutlich mehr Möglichkeiten für Interaktion, geografisch genau abgestimmte Verkehrsnachrichten, es wird DAB+-Chips in Smartphones geben und es ist im Betrieb für die Sender günstiger, da pro „Frequenz“, die derzeit einer bezahlt, bis zu 15 Anbieter senden können und sich somit die Kosten teilen. Zusatzargument pro DAB+: Radio über das Web ist ein Datenvolumenfresser und, was die Infrastruktur angeht, abhängig von Providern. Die DAB+-Infrastruktur würde vom Staat respektive dessen Regulator RTR ausgeschrieben und in Sachen Nutzer definiert.

Und damit wird es (markt-)politisch: Das duale Radiosystem in Österreich ist nach dem Holperstart 1996 bis 1998 mit knapp 16 Jahren gerade erst aus der Pubertät heraus; die allermeisten Privatsender beginnen erst seit einigen Jahren ihre Anlaufkosten langsam zurückzuverdienen. Gleichzeitig ist DAB+ die Vervielfachung von Anbietern – bis zu 15 pro jetzt einem. Das bringt die mühsam entwickelte Marktordnung zwischen ORF und Privaten naturgemäß durcheinander – und braucht Regulierung des Zugangs: Vorfahrt für bestehende Sender und deren Mutationen aus der analogen Welt? Und, für die Privaten ein rotes Tuch: Was darf der Öffentlich-Rechtliche in der neuen Welt? Aber auch für die Vermarktung wird das heißen: Radio goes Programmatic, Automatisierung und individualisierte Ansteuerung von Hörern ist dann möglich.

Im Frühjahr 2017 wird die RTR „ein oder zwei bundesweite Multiplexe sowie zwei weitere regionale Multiplexe“ ausschreiben. Es wird bunter und vielfältiger in Österreichs Radiolandschaft.
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