Kampf um "digitale Dividende"
 

Kampf um "digitale Dividende"

Freie TV-Frequenzen entzweien Mobilfunk, Kabelbetreiber und ORF.

Bis zur Vergabe freiwerdender TV-Frequenzen werden wohl noch ein paar Jahre ins Land ziehen, aber schon jetzt tobt der Kampf um die "Digitale Dividende". Für die Mobilfunker ist klar: Soll das Breitband-Internet am Land ausgebaut werden, dann müssen sie die Frequenzen bekommen. Der ORF und die Kabelbetreiber wollen sie aber lieber selber nützen und warnen obendrein vor Störungen des Fernsehempfanges und "exorbitanten Kosten", die im Endeffekt die Konsumenten tragen müssten. Festivalbetreiber wiederum fürchten, dass bei einer Vergabe an die Handynetzbetreiber ihre Funkmikrofone gestört werden. Und auch die Regierung ist uneins.

Während die ÖVP die Frequenzen Mobilkom & Co geben möchte, hat sich die zuständige Infrastrukturministerin Doris Bures noch nicht festgelegt. Offiziell hieß es zuletzt, in dieser Legislaturperiode werde es keine Entscheidung geben, die Vergabe der durch die Umstellung auf digitales Fernsehen freigewordenen Frequenzen soll 2015 erfolgen. Viel zu spät, so die Kritik von VP-Telekomsprecherin Karin Hakl. Sie vermutet, dass die SPÖ dem finanziell angeschlagenen ORF zur Seite stehen könnte, damit dieser die Frequenzen bekommt und dann zu Geld machen könne. Wie viel die Frequenzen wert sein könnten, wollte am Abend des 29. September bei einer Podiumsdiskussion des Forums Mobilkommunikation niemand beziffern.

Orange-Chef Michael Krammer betonte einmal mehr, dass die Branche weder Subventionen noch Kredithaftungen für den Ausbau des Breitband-Internets am Lande benötigt. Im Gegenteil, man wäre bereit die Frequenzen zu ersteigern. Mit diesem Geld könnten dann etwa die Funkmikrofone der Salzburger Festspiele und vergleichbarer Events ausgetauscht werden. Probleme beim Fernsehempfang gebe es aber nicht. Der Leiter des Bereichs Post und Telekom im Infrastrukturministerium, Alfred Stratil, warnte indes vor Problemen mit unterschiedlichen Funkfrequenzen in Ausland, was wesentliche Risiken für die Mobilfunker berge. Replik von "3"-Chef Berthold Thoma: "Das lassen Sie mal unsere Sorge sein."

Thoma verwies auf Deutschland, wo erst vor wenigen Tagen die Digitale Dividende den Mobilfunkern zugesprochen wurde. Rüdiger Köster von T-Mobile Austria betonte, dass sich die Konzernmutter Deutsche Telekom genau anschaut, in welchen Ländern demnächst in den Ausbau am flachen Land investiert werde. Dauerten die politischen Entscheidungen hierzulande zu lange, werde eben anderorts investiert. Die Leidtragenden seien jene 500.000 Österreicher, die noch immer keinen Zugang zu Breitband-Internet hätten. "Und das sind auch Wähler", so Thoma Richtung Politik.

Und Harald Himmer, Geschäftsführer von Alcatel-Lucent bemerkte, es sei wahrhaft absurd, dass diese Diskussion über die richtige und rasche Nutzung der Digitalen Dividende überhaupt geführt werden müsse. Dies stieß auf breite Zustimmung der Branchenvertreter am Podium. Vom zuständigen Infrastrukturministerium war allerdings niemand am Podium anwesend. Zuhörer Stratil stellte klar, dass nun einmal in Ruhe diskutiert werden müsse, daher habe man sich für ein Moratorium entschieden. Was Krammer letztendlich mit den Worten kommentierte: "Ich höre nur immer, was alles nicht geht. Wir sind die einzigen, die ein klares Konzept haben und wir stiften echten Nutzen."

Einig waren sich alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion, dass der Trend eindeutig hin zum mobilen Internet geht. Knapp drei von vier neuen Internetanschlüssen basierten auf UMTS und nicht mehr auf Festnetzbasis. Wie wichtig der Mobilfunkausbau am Land sei, zeige sich daran, dass alleine im Vorjahr sieben Millionen Notrufe mit dem Mobiltelefon abgesetzt wurden. Außerdem würden acht von zehn Gesprächsminuten bereits mobil vertelefoniert. Die SMS-Zahlen wiederum hätten sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt, rechnete Krammer vor. Alleine die Handysubventionierung habe sich die Branche bisher 10 Mrd. Euro kosten lassen. Dazu kämen 5 Mrd. Euro an Provisionen an den Fachhandel.

Dabei hatte es im Jahr 2004, im Vorfeld des Mobilfunk-Startes, so ausgesehen, als wäre das Handy ein Gerät für eine relativ kleine Zielgruppe. FMK-Vizepräsident Lothar Roithner erinnerte sich an ein Treffen der damals noch sehr kleinen Branche, bei dem die Zahl der Handynutzer auf 500.000 bis 700.000 Österreicher geschätzt wurde.







(Quelle: APA)
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