Kampf gegen Falschmeldungen verschärft sich
 

Kampf gegen Falschmeldungen verschärft sich

Kolumne von Walter Braun.

Das Thema zieht plötzlich erstaunlich weite Kreise: In Indonesien haben islamische Geistliche eine Fatwa über Falschmeldungen verhängt. Google hat drei britische Firmen mit je 50.000 Dollar Startkapital ausgerüstet, um eine Softwareanwendung auszutüfteln, die Fakten überprüft (obwohl es ohne menschliches Zutun extrem schwer ist herauszufinden, in welchen Fällen es sich überhaupt um Fakten handelt). Facebook hat die Rechenverfahren abgestimmt, sodass Klickfang und gefälschte Nachrichten im News Feed der Nutzer nach hinten geschoben werden. FB und Google starten Ende Februar die Initiative „CrossCheck“, um im französischen Wahlkampf Falschmeldungen auszuheben.

In Großbritannien stellt die Regierung für Aufklärungskampagnen gegen Rechtsextremismus, die von MC Saatchi betreut werden, rund 70 Millionen Euro zur Verfügung. Der britische Sender Channel 4 hat eine „Fake News Week“ ausgerufen, um die Tendenz zu ‚alternativen Fakten‘ zu hinterfragen. Die spanische Tageszeitung El País betreut einen eigenen Blog, “Hechos”, der gezielt Lügen aufdecken soll. Die französische Tageszeitung Le Monde hat eine Datenbank mit 600 fragwürdigen Websites eingerichtet.

Die finnische Journalistin Jessikka Aro legt seit zwei Jahren Kampagnen aus dem Kreml bloß (und ist dafür mit einer Schmutzkampagne attackiert worden). Ihr aktuelles Buch Vladimir Putin's Troll Empire ist auf Indiegogo bereits mit über 30.000 Dollar unterstützt worden. Dem russischen Kanal RT, der in englischer Sprache sendet, ist wiederholt Propagandaabsicht unterstellt worden, was jetzt dazu geführt hat, dass führende Markenartikler ihre Werbung abziehen.

Das alles beweist, dass wir am Beginn eines Megaproblems stehen. Und zwar eines gefährlichen. CNN berichtete Ende Dezember von einen Zwischenfall, bei dem der pakistanische Verteidigungsminister eine Nuklearwarnung aussprach, weil er auf eine gefälschte Meldung des israelischen Verteidigungsministers hereingefallen war. 

[Walter Braun]
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