Kachelmann-Prozess: Gericht verurteilt Spring...
 

Kachelmann-Prozess: Gericht verurteilt Springer zu Rekord-Strafe

Axel Springer
Bei Axel Springer will man die Rekordstrafe nicht akzeptieren.
Bei Axel Springer will man die Rekordstrafe nicht akzeptieren.

Verlag muss 635.000 Euro an Jörg Kachelmann zahlen - es ist das höchste Schmerzensgeld aller Zeiten in Deutschland. Springer geht nun wohl in Berufung

Der Kachelmann-Prozess hat ein vorläufiges Ende gefunden: Das Landgericht Köln verurteilte Axel Springer zu einer Rekord-Strafe in Höhe von 635.000 Euro. Eine höheres Schmerzensgeld hat es in Deutschland noch nie gegeben. Allerdings liegt die Summe deutlich unter den von Kachelmann geforderten 2,25 Millionen Euro. Vergleichsgespräche zwischen Springer und Kachelmann waren im Vorfeld gescheitert. 

Der Meteorologe verlangte das Geld von "Bild" und Bild.de als Ausgleich für unwahre Berichterstattung rund um den Mannheimer Strafprozess gegen ihn, Kachelmann sah außerdem seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Letztlich ging es um 26 Print- und 21 Onlinebeiträge, bei denen schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzungen möglich gewesen sind - das ließ das Gericht bereits vor Wochen durchblicken. 

Jörg Kachelmann wurde im März 2010 am Frankfurter Flughafen festgenommen, als er gerade von den Olympischen Winterspielen in Vancouver nach Deutschland zurückkehrte - er moderierte damals für die ARD. Anschließend saß er 130 Tage in Untersuchungshaft, im Verfahren wurde ihm vorgeworfen, er habe eine Geliebte vergewaltigt. Justiz und ein großer Teil der Medien sahen während des Prozesses nicht gut aus, Kachelmann wurde letztlich freigesprochen. Der Meteorologe selbst verarbeitete seine Geschichte in einem Buch und ließ dabei vor allem an der Mannheimer Justiz kein gutes Haar. Auf Twitter dankte er nun seinem Anwalt Ralf Höcker für die "große Arbeit seit 2010, die leider immer noch nicht abgeschlossen sein wird"

Gegenüber der dpa erklärte Springer, dass man ein Berufungsverfahren vorbereite, "da wir unsere umfassende Berichterstattung über das Strafverfahren gegen Jörg Kachelmann nicht auf diese Weise diskreditiert sehen möchten". Sollte Springer tatsächlich berufen, wäre das Urteil nicht rechtskräftig und beide Parteien würden sich vor dem Oberlandesgericht wiedersehen. Die 635.000 sind, wie bereits erwähnt, ein Novum in der deutschen Justiz. Die bisherige höchste Schmerzensgeldsumme betrug 400.000 Euro - erstritten im Jahr 2009 vom schwedischen Königshaus gegen den Klambt Verlag. 
stats