Jung, schön, aber ungebildet?
 

Jung, schön, aber ungebildet?

Editorial von Birgit Schaller, stellvertretende Chefredakteurin (HORIZONT 45/2014)

Immer weniger junge Menschen interessieren sich für hochwertige Medien und die altbekannten Medienmarken, die professionellen Journalismus auch heute mit viel Verve betreiben. Außerdem herrsche eine „Politikwurschtigkeit“, wie SN-Chefredakteur Andreas Koller bei der VÖZ-Matinée im prunkvollen Palais Epstein, einer Dependance des Parlaments, anmerkte. Dass damit die Demokratie gefährdet sei, war die aufrüttelnde Überschrift der Veranstaltung, zu der VÖZ-Präsident Thomas Kralinger geladen hatte. Der deutsche Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach bemerkte dann noch fast apokalyptisch, Mode und Kosmetik rangierten weit vor Polit-, Wirtschafts- und Wissenschaftsinteresse. Als dann sogar dem bekannten „Mediensatiriker“ Robert Stachel aus der Kabarettgruppe Maschek der Schmäh ausging – „das Problem ist größer, als wir denken“ –, da war auch ich wirklich deprimiert.

Steht es denn wirklich so schlimm um unsere Jugend? Nun ja, der Jugend-Trend-Monitor 2013 von DocLX und Marketagent wies Politik auf den letzten Rang mit nur elf Prozent interessierten Jugendlichen aus, während sich die Hälfte der befragten ­jungen Menschen für Musik und ein Drittel für Sport begeistert. Trotzdem kann man die Jugend nicht als politikverdrossen bezeichnen, denn immerhin ein Drittel unterhält sich laut der Studie mit Freunden über Politik. Und bitte war es denn nicht immer so? Im Alter von zwölf bis 25 dominiert eben der Spaß- und Unterhaltungsfaktor, heut halt ein bisserl mehr als damals – es gibt ja auch ein Riesenangebot zur Ablenkung. Hier sind auch die Eltern in der Pflicht, die Vorbildwirkung wirkt langfristig. So schiebe ich meinen Kids immer wieder verpflichtende Qualitätslektüre zu – in ihrem Interessengebiet, versteht sich. Denn selbst über Lady Gaga holt eine Neue Zürcher mehr heraus, als jedes Facebook-Posting zeigt. Da sind sie dann sogar dankbar, weil sie in der Schule was Neues erzählen können.

Dass hier aber ein wachsender Gap zwischen gebildeten und weniger gebildeten Schichten entsteht, darf nicht übersehen werden – hier ist es höchst begrüßenswert, wenn sich Familien- und Jugendministerin Sophie Karmasin festlegt: „Politische Bildung muss ab der 5. Schulstufe Pflicht sein.“ Da sind hoffentlich bitte auch Medien ein Thema. Dass übrigens parallel zu der Veranstaltung des VÖZ einen Raum weiter die wöchentliche demokratiepolitische Werkstatt, eine Initiative des Parlaments für Kinder zwischen acht und 15 Jahren stattfand, blieb leider unerwähnt. Ebenso, dass an dieser schon mehr als 60.000 Kinder teilgenommen haben. Auch von Zeitung in der Schule (ZiS), einer schönen und sinnvollen wie weiterbildenden Initiative des VÖZ, wurde nicht erzählt. Schade eigentlich, da hat Karmasin recht, wenn sie sich mehr positive Berichterstattung wünscht. Somit mein Fazit: Es tut sich doch etwas am Bildungssektor.
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