Journalistinnenkongress 2020: 'Neues Spiel - ...
 
Journalistinnenkongress 2020

'Neues Spiel - neue Regeln'

Daniela Reisenender
Initiatorin Maria Rauch-Kallat eröffnet den 22. Österreichichen Journalistinnenkongress
Initiatorin Maria Rauch-Kallat eröffnet den 22. Österreichichen Journalistinnenkongress

Der mittlerweile 22. Journalistinnenkongress wurde heuer online abgehalten. Medienfrauen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz diskutierten über aktuelle Herausforderungen und Chancen, Transformationsprozesse und Gleichberechtigung in der Branche.

Als ein "Hybridmodell" bezeichnete Maria Rauch-Kallat, Initiatorin des Journalistinnenkongresses, die diesjährige Veranstaltung am vergangenen Samstag. Zum mittlerweile 22. Mal fanden sich heuer virtuell und teilweise vor Ort heimische Medienfrauen und Kolleginnen aus Deutschland und der Schweiz zusammen, um über aktuelle Entwicklungen in der Branche zu sprechen. Die Keynote zum Einstieg in das Programm hielt Carla Hustedt von der Bertelsmann Stiftung. In ihrem Vortrag "Alexa, bist du Feministin?" plädierte sie für eine "emanzipatorische Perspektive auf Algorithmen", die als "Rückspiegel der Gesellschaft" in vielerlei Hinsicht zur Benachteiligung von Frauen führen. "Wir sind der Digitalisierung nicht ausgeliefert", aber es gelte nun, eine gesellschaftliche Debatte rund um KI-Ethik anzustoßen.

Anschließend diskutierten Nana Siebert (Der Standard) und  Iris Rauskala, Sektionschefin im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, über die Frage, wie Kindern und Jugendlichen heutzutage Medienkompetenz vermittelt werden könne, abseits der Medienpädagogik als Unterrichtsfach. "Die Frage ist, wie wir Jugendliche dazu bringen, ,seriöse‘ Medien zu konsumieren und nicht nur Filterblasen, Memes und in Social Media geteilten boulevardesken Schlagzeilen zu vertrauen“, meinte Siebert. In einer gemeinsamen Kooperation wurde ein Magazin entworfen, dass Schülerinnen und Schüler zu einer kritischeren Auseinandersetzung mit Medien animieren soll.

Forderungen für mehr Gleichberechtigung

Im "D-A-CH"-Talk sprachen Medienfrauen aus dem deutschsprachigen Raum, was sich seit Mai für Frauen in der Branche getan hat, denn im Frühjahr wurden längerübergreifend acht Forderungen aufgestellt, um für mehr Gleichberechtigung in den Medien zu sorgen: Diversität in Medienhäusern, gleiches Gehalt für beide Geschlechter, Medienförderung geknüpft an Frauenförderung und Hilfsfonds für Freie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Aber auch die Ermöglichung einer Führungsposition während einer Teilzeitanstellung, 50 Prozent Frauen auf Führungsebenen sowie in den meinungsbildenden journalistischen Formaten sind in den Punkten verankert. Diese Forderungen sollen schließlich in eine Petition für Frauenförderung in den Medien fließen.

Und unter dem Titel des 22. Journalistenkongresses, "Neues Spiel - neue Regeln" diskutierten anschließend Wiebke Loosen vom Leibniz-Institut für Medienforschung, Maria Pernegger von Media-Affairs, Eva Konzett (Falter), Katharina Mader vom Institut für Heterodoxe Ökonomie der WU Wien, und Martina Madner (Wiener Zeitung) darüber, wie Corona den Journalismus verändert hat. Loosen betonte, dass die gesamte Branche derzeit vor einem Paradoxon stehe: "Journalismus ist gefragt wie nie, aber gleichzeitig wird unter prekären Bedingungen gearbeitet." Nicht nur im Journalismus, sondern in alles Berufszweigen sei es für Frauen mittel- und langfristig essenziell, dass Väter ihre Rolle aktiver wahrnehmen würden und auch die Forschung mehr Gehör finde. Außerdem dürften Wirtschaftshilfen nicht an Auflagen, sondern an Qualität geknüpft werden.

Patriarchen zurechtweisen

Ein einem letzten Panel, bevor die Teilnehmerinnen des Kongresses die Möglichkeit hatten, an verschiedenen virtuellen Workshops teilzunehmen, wurde auch noch der Regionaljournalismus thematisiert. Und besonders hier brauche es ein gutes Netzwerk, um zu sehen, welche Themen die Leute beschäftigen, sagte beispielsweise die Kurier-Redakteurin im Ressort Lebensart Laila Docekal. "Und wie gehen Regionalpolitiker mit Journalistinnen um, im Vergleich zu männlichen Kollegen?", wollte Modeatorin und YoungStar Katharina Zwins wissen. Wie in allen Bereichen gebe es auch hier "noch richtige Patriarchen", und es hänge auch von den Frauen ab "solche Männer entsprechend zurechtzuweisen", betonte ORF-Journalistin Romy Seidl.
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