Journalistenstudie: Image-, und Vertrauenswer...
 

Journalistenstudie: Image-, und Vertrauenswerte unter den Erwartungen

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Im Österreichischen Journalisten Club wurde am 15. Jänner die Journalistenstudie Österreich präsentiert – mit überraschenden Ergebnissen

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 15. Januar 2013 stellten Fred Turnheim, Präsident des Österreichischen Journalistenclubs (ÖJC), OGM-Chef Wolfgang Bachmayer sowie ÖJC-Rechnungsprüfer Christian Murhammer die Ergebnisse der Journalistenstudie Österreich vor. Befragt wurden im Auftrag des Österreichischen Journalistenclubs 718 Berufsjournalisten. Zwischen September und November des vergangenen Jahres gaben diese Auskunft über deren Arbeitssituation, Zufriedenheit im Beruf und die persönliche soziale Lage. "Viele der Ergebnisse waren unerwartet", verriet Turnheim - es handle sich aber, so der Österreichische Journalistenclub, um eine durchaus repräsentative Umfrage über "eine Branche in der totalen Revolution".

Kritisches Selbstbild der vierten Gewalt

Männlich, im mittleren Alter, kinderlos, in der Stadt lebend, gestresst und eindeutig selbstkritisch - der typische österreichische Journalist, vertraut man auf die Ergebnisse der Studie. Interessant: Der Ruf des Journalisten rangiert in der Bevölkerung wohl eher auf den unteren Rängen - lediglich Politikern wird seitens der Österreicher noch weniger Vertrauen zugeschrieben als Medienschaffenden. So halten lediglich 27 Prozent der Bevölkerung Journalisten für kompetent, Objektivität wird ihnen mit 18 Prozent in noch geringerem Maße zugeschrieben. "Das Image der Journalisten ist bei der durchschnittlichen Bevölkerung auffallend schwach", hält OGM-Chef Bachmayer in seinem Vortrag fest. Auch das Selbstbild der mittlerweile "eindeutig als vierte Gewalt zu verstehenden Journalisten" könnte, so Bachmayer, um einiges weniger selbstkritisch sein - auch Medienschaffende selbst sehen in punkto Kompetenz und Objektivität Verbesserungsspielraum nach oben.

Einkommen über dem Durchschnitt

Bei aller Diskussion über die prekären Arbeitsverhältnisse von Journalisten überrascht das Ergebnis hinsichtlich des durchschnittlichen monatlichen Gesamteinkommens, das bei den befragten Journalisten eigenen Angaben nach bei 2.600 Euro netto - und somit deutlich über dem Durchschnitt - einzuordnen ist. Was die monatliche Entlohnung betrifft, werden Einkommensunterschiede allerdings äußerst eindeutig: Vor allem junge und weibliche Journalisten sind von einer solchen monatlichen Summe tatsächlich weit entfernt. Ob Volontär, Jungjournalist oder Topverdiener - über Stress, Überforderung, ungeregelte Arbeitszeiten und eine ungesunde Lebensführung wird sowohl im Printbereich, als auch im Rundfunk und im Onlinejournalismus gleichermaßen geklagt. Trotz allem: Auf die Frage, ob sie heute erneut Journalist werden würden, antwortete der Großteil der Befragten mit "ja."

Arbeitsgruppe verwertet die Ergebnisse

"Diese Studie hat mit dieser Pressekonferenz jetzt nicht ihr Ende gefunden", betont Fred Turnheim, Präsident des Österreichischen Journalistenclubs (ÖJC). Man plane, sich in den kommenden Monaten in einer Arbeitsgruppe zusammenzufinden, die die gesammelten Ergebnisse sichtet und dazu ein schrittweises Konzept erarbeitet. Man könne mit einer solchen Analyse sehr gut in den Dialog treten und das unter den Erwartungen liegende Image der österreichischen Journalisten systematisch verbessern, betont der Österreichische Journalistenclub.

Mehr zu dem Thema lesen Sie in der kommenden Ausgabe des HORIZONT (ET: 18. Jänner 2013).
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